Von der Verwirrung

Häufig wenn ich ein Buch lese – und gerne auch ein etwas anspruchsvolleres – oder wenn ich im Studium an einer Mathematikaufgabe war bzw. jetzt bei der Arbeit wenn ich eine Auswertung programmiere, waren/sind meine Gedanken wie ein Laser fokussiert. Dieser Zustand der vollkommenen Konzentration auf einen Punkt löst manchmal regelrechte Rauschzustände aus. Die Welt um mich herum verschwindet und ich sauge die Gedanken aus dem Buch in mich auf oder bündele sie auf eine Aufgabe, plötzlich erkenne ich Zusammenhänge, die ich vorher nicht sehen konnte, plötzlich habe ich einen kleinen Geschmack davon, wie Gott diese Welt geplant hat, wie die Dinge miteinander zusammenhängen. Es ist ein wundervolles Gefühl vollkommen auf eine Aufgabe oder eine Reihe an Gedanken konzentriert zu sein. In diesen Momenten der absoluten Konzentration all meiner Aufmerksamkeit macht mein Geist kleine Entwicklungssprünge. Nie fühle ich mich Gott so nahe. Und nie erfahre ich so viel Sinn. Nie bin ich so wach und so vollkommen ich selbst.

Doch in letzter Zeit geschieht etwas, das mich beängstigt. Derzeit strudeln so viele Dinge auf mich gleichzeitig ein, dass ich diese Fähigkeit verliere. Ich vermute es liegt an der Gleichzeitigkeit all dieser Aufgaben. Aber vielleicht ist das Gefühl nur ein Symptom und nicht die Ursache. Ich weiß es nicht. Ja, es gibt viel zu tun, aber das gab es auch schon zuvor. Und früher war Zeitmanagement nie ein Problem. In meiner Arbeit gibt es viele Aufgaben auf eine Weise zu bearbeiten, dass sie parallel ablaufen und gemeinsam zu guten Ergebnissen kommen. Eine totale Konzentration auf eine Aufgabe ist gar nicht möglich, dann kämen andere zu kurz. Das wird mit zunehmender Berufserfahrung besser werden, wenn immer mehr Prozesse Routine werden und mein Zeitmanagement auf eine breitere Erfahrung setzen kann. Gleichzeitig gibt es eine Hochzeit zu planen. Und wir haben eine gemeinsame Wohnung gekauft, die renoviert werden muss. All das müssen wir organisieren. Mir wird das zur Zeit tatsächlich zu viel. Aber ich verstehe nicht wieso. Früher hatte ich eigentlich immer gute Wege meine Zeit richtig einzuteilen – so dachte ich jedenfalls. Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht mehr alleine bin – meine Zeit nicht ganz für mich bestimmen kann und mich nicht mehr nur nach meinem Zeitplan orientieren. Bin ich es vielleicht nur nicht gewohnt in „Wir“ zu denken? Läuft es da aus dem Ruder, wo ich auf andere angewiesen bin oder andere meine Zeit mitbestimmen?

Das erschreckende daran ist nun, dass meine Gedanken in letzter Zeit immer weniger konzentriert erscheinen. Im Gegenteil erlebe ich immer öfter Zustände der – ich nenne es einmal – Verwirrung. Die euphorischen Zustände, die ich zu Beginn beschrieb, verglich ich mit einem Laser, der alles Licht auf einen Punkt bündelt. Dann ist jetzt eben dieses Licht gänzlich zerstreut. Es fällt mir schwerer und schwerer die Gedanken auf eine Sache zu fixieren, vieles entgleitet mir, wie Sand in meinen Händen rieseln mir meine Gedanken durch die Finger. Das hat Auswirkungen auf andere Bereiche, meine ohnehin nicht sehr gute Orientierung hat einen neuen Tiefpunkt erreicht, mein Gedächtnis leidet und auch die Geschwindigkeit, mit der ich z.B. Rechenaufgaben löse. Dadurch wird mein Zeitmanagment noch etwas schlechter, was mich noch mehr unter Druck setzt und die Gedanken noch weiter zerstreut. Bei der Arbeit gelingt es mir bei bestimmten Aufgaben wieder in einen Zustand der Konzentration zurückzufinden. Beim Schreiben, hier z.B., fühle ich mich fokussierter. Oder auch manchmal wenn ich ein Buch lese, das mich interessiert. Aber viel zu oft erfasst mich dieser seltsame Geist der Verwirrung. Und in Jesus Namen, ich hoffe ihn wieder loszuwerden.

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2 Kommentare zu „Von der Verwirrung

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  1. Ich konnte ebenfalls schon dieses grossartige Gefühl des Abgehobenseins spüren, wenn ich meine ganze Konzentration auf etwas Bestimmtes leiten konnte.
    Erinnere mich aber, dass ich dazu nur in einer „ungestörten“ Umgebung, mit der inneren Ruhe des Wissens, auch genügend Zeit zur Verfügung zu haben, imstande war.
    Was ich hier lese, so bist Du offensichtlich völlig überfordert.
    Deine Gedanken treiben ausschliesslich im Äusseren, wie Planungen, sich Änderungen anzupassen, und von andere zu beurteilende Leistungen zu bringen.

    Ich könnte mir gut vorstellen, wenn der Hochzeitstamtam erledigt ist, und Deine berufliche Erfahrung weiter und weiter zunimmt, dass Du Dir diese schönen Erlebnisse auch wieder zurück holen wirst können. :yes:

    liebe Grüsse
    Michi

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  2. Hallo Utopio,
    getreu nach dem Spruch, dass der Starke am Mächtigsten alleine ist, empfehle ich jedem, sich etwas Zeit für sich selbst zu nehmen, ruhig einmal ein wenig ego fixiert zu sein, bis der klare Blick des aufgeklärten Selbstes das unentwirrbare Dickicht vertrauter Zweisamkeit durchdringt…

    Liebe Grüße,
    Martina

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