Vom schmalen Grad

Genie oder Wahnsinn

Ich frage mich wie es Menschen schaffen stolz zu werden. Mir ist vergangene Woche wieder bewusst geworden, wie verschwindend gering die Grenze zwischen Genie und Wahnsinn, zwischen Erfolg und Misserfolg, zwischen Leistung und Versagen ist. Mein Chef sitzt ratlos vor mir, wie ich bei den komplizierten Dingen so gute Arbeit leiste und mit einmaligen Einfällen komme und gleichzeitig in derselben Woche bei den einfachen Sachen ständig Fehler machte.

In einem Moment schießt aus meinem Verstand eine geniale Idee, zeichnen sich plötzlich Strukturen und Zusammenhänge, die andere nicht sehen. Im nächsten Moment übersehe ich das Augenscheinliche und verlaufe mich gar in einer Einbahnstraße. Wie wenig trennt das eine vom anderen. Nur eine kleine Verstimmung, zu wenig getrunken oder etwas Dummes geträumt und der sonst so hochgelobte Verstand spinnt sich nur Unsinn zusammen.

Wie schaffen wir Menschen es uns für etwas Besonderes zu halten, wenn dieser Grad so schmal ist? Wenn den Hochbegabten vom Versager nur so wenig trennt? Ein kleines chemisches Ungleichgewicht im Körper und aus einem Meisterpianist wird ein Straßenmusiker.

Herr im Himmel ich rufe zu dir in meiner Winzigkeit, dass du dich mir in meiner Schwachheit erbarmst auf diesem schmalen Weg des Lebens, wo rechts und links tiefe Schluchten warten. Bewahre mich vor dem Sturz! Wie leicht ist es einen falschen Schritt zu tun. Wie schnell wird aus einer großen Leistung eine bittere Niederlage! Aus mir vermag ich nichts Beständiges zu schaffen. Zu vergänglich ist meine Kraft, zu schmal der Grad zwischen Gelingen und Versagen. Auf mich kann ich nicht setzen, denn mal gelingt alles und mal herrscht nur der Wahnsinn. Wie ein Betrunkener taumele ich zwischen Genie und Wahnsinn. Wie will ich da auf mich vertrauen? Ich will etwas sein, das ich nicht bin. Helfe mir! Bring meine Seele zum Schweigen, sie tobt und wütet, springt unbedständig umher.

Und Gottes Wort antwortet auf mein Rufen

Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft.
Denn er ist mein Fels, meine Hilfe, mein Schutz,dass ich gewiss nicht fallen werde.
Bei Gott ist mein Heil und meine Ehre, / der Fels meiner Stärke, meine Zuversicht ist bei Gott.
Eines hat Gott geredet, ein Zweifaches habe ich gehört: Gott allein ist mächtig, und du, Herr, bist gnädig

Aus Psalm 62

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5 Kommentare zu „Vom schmalen Grad

Gib deinen ab

  1. Das, was Du hier geschrieben hast, ist Wahnsinn pur FÜR MICH. Aber grossartiger Wahnsinn.
    Denn ganz genau so sieht es auch bei mir aus.
    Es sind nicht die Gleichen, nein es sind die Selben Gedanken und Gefühle, die meinen Verstand verwirren und meine Seele förmlich zerreissen.

    Nur leider mit dem einen, so wichtigen Unterschied. Dass ich gestern schon so weit war, Gott seine Allwissenheit, seine Allmacht und seine Herrlichkeit abzusprechen.

    Ich sass im Auto, erinnere ich mich und wartete, weil ich zu früh zu einem Termin war. Im Wagen wurde es immer kälter und eisiger Schneeregen verdeckte die Windschutzscheibe.

    Und ich fragte Gott, warum er es nicht schafft mir seinen Frieden, seine Freude und Zuversichert zu vermitteln. Nichts mehr bräuchte ich um mich glücklich und zufrieden zu fühlen in dieser Welt.
    Es kann doch nicht sein, sagte ich, dass ein Vater der über diese Wesenheiten verfügt nicht bereit ist, sie an seine Kinder weiter zu geben.

    Und abschliessend erinnere ich mich, dass ich gefragt hatte, ob vielleicht doch alles nur erfunden und erlogen ist.

    Und auch heute kann ich kein Licht am Ende des Tunnels sehen.
    Und DU?

    ganz liebe Grüsse
    Michi

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  2. Ich verstehe das gut. Zweifel habe auch ich hier und da. Aber keine so tiefgreifenden.

    Bei mir ist es umgekehrt. Ich habe das starke Empfinden, dass Gott der Einzige ist, der wahrhaft bei mir ist … komme was wolle.

    Während meiner Studienzeit hatte ich manchmal Angst ich pack es nicht. Und hatte dann schon die Fantasie wie ich ohne Ausbildung und ohne Job auf der Straße lande. Und was hat mich durch die Angst gebracht? Das Wissen, dass Gott mit mir auf der Straße sitzen würde. Egal was mir geschieht. Mir kann nichts geschehen. Denn das einzige, das zählt kann mir kein Mensch wegnehmen. Mein Glaube, mein Heil, meine Verbundenheit mit Gott. Auch wenn ich hier versage, in Gottes Augen bin ich heilig.

    Hinzu kommt meine persönliche Erfahrung,dass meine Ängste häufig unbegründet sind. Ich bin ungeduldig und erwarte gleich das schlimmste,wenn es nicht sofort stimmt. Mit etwas Geduld hätte ich mir aber oft den Stress sparen können. Denn am Ende gab es für alles immer doch eine Lösung. Gott reagiert,nur oft nicht auf der Stelle. Für Gott hat Zeit eine andere Bedeutung.

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  3. Liebe Michi,

    ich wünsche dir ganz viel Kraft und Mut und Zuversicht. Und eine liebevolle Berührung Gottes. ER ist gerade bei den Schwachen am stärksten.

    Ich bete für dich.
    Ich glaube du bist es Wert ein Lichtlein für dein Leben geschenkt zu bekommen.

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