Das Leben wäre leicht…

… wenn …

… wir nichts wollten. Ich denke zurück an meine Studienzeit und meine Zeit in Nepal. Um glücklich zu sein brauchte ich nichts. Ich war zufrieden mit einer Matratze zum Schlafen und einem kleinen Zimmer. Ich hatte die liebsten Menschen um mich herum, die ich mir nur wünschen konnte, und sehr viel Zeit. Ich war frei. In diesen Tagen blühte ich auf und wuchs über mich hinaus.

Aber es wird schwerer diese Unbekümmertheit zu finden, wenn man etwas hat. Denn das zu erhalten bedeutet Verpflichtungen einzugehen. Die neue Wohnung verlangt nach einem Kredit. Der Kredit verlangt nach einem gewissen Einkommen. Das Einkommen bedeutet nicht frei mit seiner Zeit wirtschaften zu können und Dinge tun zu müssen, die nicht immer Spaß machen. Es bedeutet Leistung auf Knopfdruck und unter Beobachtung bringen zu müssen und die Furcht, ob man zu viele Fehler macht. Man möchte schließlich aufsteigen und nicht das sichere Einkommen gefährden. Und da dreht sich plötzlich alles Denken um diese Verpflichtungen, während die Uhr laut tickend, aber ohne große Aufmerksamkeit gescheinkt zu bekommen, eine Sekunde nach der anderen verabschiedet.

Andererseits lohnt es sich nicht für bestimmte Ziele Opfer einzugehen? Die Ehe ist so ein Ziel. Sie bedeutet gewiss Unfreiheit, ich bin nicht mehr mein eigener Herr, vor allem nicht meiner Zeit und meiner Ressourcen. Aber ich bin auch nicht mehr einsam. Ich habe eine Ratgeberin an meiner Seite. Ich sehe das wunderschöne Gesicht meiner Frau, wenn ich morgens aufstehe. Jemand sorgt sich um mich und würde mich vermissen, wenn es mich nicht gäbe. Jemand hilft mir, wo ich Schwächen habe und erweitert meinen Horizont. Jemand berührt mich.

Wenn wir nichts wollten, bestände dann nicht auch die Gefahr keine Spuren im Leben zu hinerlassen? Der einsame Wolf mag manchmal glücklicher gewesen zu sein, vor allem rückblickend auf die manchmal etwas beschönte Vergangenheit. Aber würde ihn jemand vermissen? Gab es da nicht auch viele Stunden der Einsamkeit und Traurigkeit?

Das wirklich wichtige sind am Ende immer Beziehungen. Und hier stecke ich immer irgendwo in der Zwickmühle. Man kann von beiden Seiten vom Pferd fallen. Verpflichtungen vernebeln manchmal den Weg zu Beziehungen. Denn Zeit ist manchmal zu knapp. Wo ich einst ganze Tage mit anderen Menschen verbringen konnte, weil mich keine großen Verpflichtungen banden, quetscht sich nun alles auf das Wochenende oder wenige Abendstunden. Andererseits bedeutet Beziehungspflege auch immer automatisch die Bejaung von Verpflichtungen. Denn tiefe Beziehungen bedeuten sich zu investieren, sich wirklich umeinander zu kümmern, nicht nur nach der eigenen Laune zu schauen … und sie verlangen Loyalität.

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Ein Kommentar zu „Das Leben wäre leicht…

Gib deinen ab

  1. Treue bis zum Ende

    2. Timotheus 4, 1 – 5

    „Denn es wird eine Zeit kommen, in der die Menschen
    die unverfälschte Lehre nicht mehr ertragen, sondern für sich selbst massenhaft Lehrer herbeischaffen werden, weil es ihnen in den Ohren kitzelt. Sie werden der Wahrheit kein Gehör mehr schenken und sich den Mythen zuwenden.
    Doch du sollst in allen Lebenslagen nüchtern sein und bereit, das Leiden zu ertragen. Arbeite als Evangelist, also als Botschafter der guten Nachricht, und fülle so deine Aufgabe voll aus!

    Aus „das buch“ Neues Testament von Roland Werner

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