Einziger von meiner Seite

Heute habe ich die erste Absage auf meine informelle Hochzeits-Voreinladungen erhalten. Es wird sicher nicht die einzige bleiben. Die Hochzeit wird von meiner Seite ein Trauerspiel werden. Von meiner verstrittenen Familie wird nur ein winzig kleiner Kern kommen (Eltern, Bruder, Oma, Onkel). Zu meinen früheren Schulfreunden habe ich mit wenigen Ausnahmen den Kontakt verloren, obwohl ich ihn noch eine ganze Zeit recht gut halten konnte. Aber in den letzten 2 Jahren ist er zunehmend abgebrochen. Unter meinen Freunden aus der Studienzeit befanden sich gefühlte 90% aus dem Ausland, die zum Zeitpunkt der Hochzeit nicht mehr in Deutschland sein werden. Und wie es eben so unter Studenten ist, nach Ende der Uni zerstreut sich alles in alle Himmelsrichtungen. Studenten sind heutzutage eben sehr mobil. Und ich war sowieso nie jemand, der tausend Freunde hatte. Es gab immer einzelne Personen, zu denen ich einen sehr, sehr engen Kontakt aufgebaut habe und ein paar außen herum. Wenn nun der eine enge wegfällt, sieht es von meiner Seite recht düster aus.

Auf der anderen Seite meine Verlobte. Sie hat es zwar auch schwer hier Freunde zu finden. Die Mentalität im Schwabenland liegt ihr nicht so. Aber sie ist eine sehr extrovertierte und lebenslustige Person, die gewiss ihre Leute zusammenbringt. Sie holt sich ihre Zusagen. Und dann ist da noch eine große Familie, die alle sicher kommen werden.

Zum ersten Mal seit Jahren fühle ich mich einsam. Es gab eine Zeit, in der meine Sozialkontakte recht begrenzt waren. Dann ab dem Masterstudium, Dank Hochschulgemeinde und Wohnheim war ich nie wieder wirklich alleine. Doch nun liegt die letzte Vorlesung auch schon wieder 2 Jahre zurück. Seit 1,5 Jahren bin ich aus dem Wohnheim ausgezogen. Durch Wohungskauf, neue Arbeitsstelle, wenig Motivation nach der Arbeit große Aktionen zu starten, neue Gemeinde etc. habe ich die alten Kontakte vernachlässigt und Stück für Stück sind sie eingebrochen. Und jetzt erkenne ich, dass kaum noch wer da ist. Mein Freundeskreis ist wieder implodiert. Und ich frage mich, ob nicht sowieso ich emotional mehr mit ihnen verbunden war als umgekehrt. Ich vermisse die Zeit im Wohnheim und einzelne Personen, die ich damals kennenlernen durfte. Ich vermisse insbesondere einen meiner Freunde, mit dem ich mich besonders verbunden gefühlt habe. Noch hoffe ich, dass wenigstens er kommt. Aber ich bezweifle es. Die Strecke ist doch sehr weit und er wird inzwischen in seiner neuen, alten Heimat und seiner neuen Arbeit sehr eingespannt sein.

Gott, wer bin ich? Wer sieht mich? Am ende bin ich doch nur ein unscheinbarer Schatten, der ungesehen durch die Welt trottet. Wie viele Menschen konnte ich je wirklich berühren, wirklich Spuren in ihnen hinterlassen?

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