Die Stellung der Frau

Das christliche Rollenbild orientiert sich i.d.R. an Paulus Aussage der Mann sei Oberhaupt der Familie und die Frau ihm Untertan. Mein Fokus darauf war bislang immer der nächste Satz. Der Mann habe die Frau zu lieben wie Christus die Gemeinde. Und liest man Matthäus so steht da zu Christus Liebe für die Gemeinde:
„Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen…“

In dieser Form interpretiert fordert Paulus zur gegenseitigen Dienerschaft auf. Das gefällt mir. Keine Hierarchie, stattdessen Freiheit. Im Verhältnis Sklave – Herr, das im Bibeltext dem Verhältnis Mann – Frau unmittelbar folgt, wird es vielleicht noch deutlicher: Der Herr hat sich dem Sklave gegenüber so zu verhalten wie es in der damaligen Welt vom Sklave gegenüber dem Herrn erwartet wird. Denn vor Gott sind beide gleich. Dennoch hebt Paulus in seinen Ausführungen weder die gesellschaftliche Rolle des Sklaven auf, noch rebelliert er gegen die Rolle der Frau. Er beginnt mit deren gewohnter Rolle und hinterfragt sie nicht. Wie gehen wir damit um, in unserer modernen Gesellschaft?

Akzeptieren wir, dass sich die Gesellschaft gewandelt hat, und fokussieren uns auf den zweiten Teil seiner Ausführung, das für damalige Verhältnisse Radikale: Die Reaktion des Manns Liebe und Aufopferungsbereitschaft zu schenken? Oder müssen wir als Gläubige alles 1:1 auf die heutige Gesellschaft übertragen?

Das ist durchaus ein Gewissenskonflikt für viele junge christliche Paare.

Wenn wir uns dazu entscheiden es nicht 1:1 auf unsere moderne Kultur zu übertragen, sondern die Gegenseitigkeit zu betonen, wo hören wir dann auf? Müssen wir dann nicht jede Aussage in der Bibel in Frage stellen?
Andererseits widerstrebt es mir dieses Rollenbild ungefiltert zu übernehmen. Nicht jeder Mann ist dominant, nicht jede Frau ist unterwürfig. Wir haben ein breites Spektrum an Persönlichkeiten, die alle von Gott geliebt werden. Müssen wir nicht unseren Platz in Gottes Reich als der finden, der wir sind? Ich bin ein harmoniebedürftiger Mensch, der nicht alles jederzeit bestimmen muss. In Teams bin ich nicht der Alpharüde, der alles an sich reißt, sondern derjenige, der versucht die Gruppe zusammenzuhalten und Konflikte zu befrieden. Warum sollte ich bei der familiären Rollenverteilung ein anderer werden müssen und plötzlich das Alphamännlein raushängen lassen, das so gar nicht zu mir passt? Gibt es nicht ohnehin moderne und weit effizientere Formen der Organisation, die dem alten autoritär-militärischen Stil überlegen sind?

Mir gefällt da eine andere Stelle viel besser:
„Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.“

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4 Kommentare zu „Die Stellung der Frau

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  1. Die Paulus-Briefe haben weder den Charakter noch den Anspruch göttliche Gesetzgebung darzustellen. Das würde dem darin verkündeten Evangelium ekklatant widersprechen. Ich glaube nicht, dass ein angemessener Umgang mit den Paulusbriefen darin besteht, alle im Imperativ geschriebenen Sätze als allgemeingültige Anweisungen Gottes zu betrachten, die gefälligst zu befolgen sind.
    In gewissem Sinne ist in der Tat jede Aussage der Bibel in Frage zu stellen: Von wem wurde sie wann in welchem Zusammenhang gemacht usw… bis hin zur Bedeutung für jetzt und hier und für mich.
    Das ist zumindest der rationale Zugang. Das schließt natürlich nicht aus, dass ich von Gott beim Lesen der Schrift „angesprochen“ werden kann, dass dadurch Erkenntnis bewirkt und Glaube geweckt wird, würde ich sagen.

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  2. Ja…ein Großteil der Paulusbriefe drehen sich ja eigentlich um die Gnadenlehre, dass wir durch Jesus vom Gesetz befreit wurden. Es werden auch immer wieder Warnungen vor Irrlehrern wiederholt, die uns zurück in die Gesetzlichkeit führen wollen.

    Irgendwie ist es paradox gerade aus seinen Briefen Gesetze/Gebote herauslesen zu wollen. Aber doch ist es das, was in vielen Kirchen gepredigt wird und mich doch irgendwie verunsichert. Die Anhänger einer strengen Lehre können recht überzeugend auftreten…

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  3. Lass dich NICHT verunsichern. Denn Christus steht für Freiheit, Freiheit des Geistes in Verantwortung. Er hat besonders betont, dass die Frau gleichberechtigt ist. Er hat das Gesetz aufgehoben und in der Tat war das auch Thema im AT, denn Gott sagte ja, dass das Gesetz für eine (relativ) kurze Periode gegeben wurde, damit die Lüge usw. erkannt werden. Das Dilemma der Amtskirchen und der dogmatischen Lehre ist in der Tat was du empfindest. Seltsamerweise neigen Menschen dazu, andere zu unterdrücken. Nichts anderes haben die Amtkirchen getan und tun es in gewisser Weise bis heute, denn sie beharren auch auf einer Hierarchie, die nicht von Gott ist. Was Paulus angeht, so kann man ziemlich klar erkennen, wann er aus der Schwäche des Mannes sprach und wann durch die Führung des Heiligen Geistes. – Wenn du unsicher bist, lass dich vom heiligen Geist führen. Es wird sicher geschehen, wenn du fragst. Du wirst Hinweise und Fügungen erhalten, Literatur wird dir gezeigt und die Stellen der Bibel beleuchtet. Es dauert seine Zeit, aber es geschieht.

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