Was ist so schwer am Vertrauen?

Was ist so schwer daran anderen Menschen wirkliches Vertrauen zu schenken? Ich glaube es liegt daran, dass es – anders als in Hollywood – in der Wirklichkeit nicht den Helden und den Bösewicht gibt. Jeder trifft Entscheidungen aus irgendwelchen meist ganz gut nachvollziehbaren Gründen. Und erst das Ende zeigt, ob die Entscheidung richtig oder falsch war.

Gut, man kann sich an Prinzipien orientieren. Loyalität, Treue, Ehrlichkeit… Aber höchstens geben diese eine Grenze vor, aber keine Richtung. Spätestens wenn verschiedene Loyalitäten einander gegenüberstehen wird es schon hier ein wenig komplizierter.

Und dann sind da die vielen kleinen Verletzungen und Minderwertigkeitsgefühle, die wir selbst an uns gar nicht erkennen, die aber unsere Entscheidungen sehr stark beeinflussen und unsere Fähihkeit gut und schlecht zu unterscheiden vernebeln.

Gerade weil ich all das nachvollziehen kann und selbst bei falschen Entscheidungen oft erkennen muss, dass dahinter nachvollziehbare Gefühle und Gedanken standen, meistens nichts aus reiner Boshaftigkeit geschah, genau wegen dieser Fähigkeit zur Empathie, fällt es schwer zu vertrauen. Weil das Böse nicht einfach von Monstern gemacht wird. Es kommt von Leuten wie du und ich. Ich selbst mag hier und da welches hervorbringen, das ich auch gleich wunderbar wegrationalisiere. Spätestens beim Blick zum mp3-Player bin ich kein Heiliger mehr.

Und eine kleine Wurzel des Bösen liegt bereits im Misstrauen selbst beinhaltet. Es fällt mir schwer zu vertrauen, weil ich ein Ego habe. Ich fürchte etwas . Steckt in dieser Furcht nicht bereits ein kleiner Narzissmus? Ich halte mich selbst für so wichtig oder zumindest für so verletzlich, dass ich mich schützen muss. Das klingt wie der Beginn einer Geschichte, die nicht gut endet. Und nicht die anderen werden sich im Laufe dieser Geschichte zum Bösewicht entwickeln.

Wohin ich also muss: Zu einem gnädigeren Umgang mit mir und mit anderen. Allen hohen Idealen zum Trotz. Je höher sie hängen, desto mehr werde ich und andere sie verfehlen. Mit der letzten Konsequenz weder mir noch anderen wirklich vertrauen zu können. Ist es nicht besser seiner eigenen Fehlbarkeit und Schwäche und der anderer ins Auge zu zu blicken und ihr mit Gnade zu begegnen? Dann kann ich lockerer sein und vertrauen aufbauen. Denn ich erhalte die Freiheit Schuld zu bekennen. Ich habe die Freiheit zu vergeben und Vergebung zu empfangen. Damit können Brücken geschlagen werden und seelische Heilung erfolgen, die evtl. eines Tages in Vertrauen mündet. Doch dazu müssen schier unüberwindbare Mauern übersprungen werden. Denn zuerst kommt das erkennen, dann das bekennen und dann die Gnade und erst zum Ende die Heilung…

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