Die Puppe

Sie saß auf dem Boden und spielte mit ihrer kleinen, bunt angemalten Puppe, jener mit den übergroßen Augen. Der Puppe fielen schon die Haare aus, das störte sie jedoch nicht. Sie war ihre Freundin, der kleine Halt, den so ein kleines Wesen in dieser großen, unbegreifbaren Welt brauchte. Die Puppe beschützte sie oder sie die Puppe, so klar war das nicht geregelt. Jedenfalls waren sie beieinander sicher.

Was es bedeutete nicht sicher zu sein, hatte sie schon erlebt. Immer dann, wenn das Monster ins Zimmer trat und mit ihm all der Schmerz. Sie ahnte als Kind noch nicht wie sie der Schmerz als Erwachsener verändern würde, was er aus ihr in ferner Zukunft machen sollte. Denn er setzte sich tief. Nichts schlägt größere Wurzeln als Kindheitserfahrungen.

Doch was sie als Erwachsene nicht mehr wusste, was sie schon längst vergessen hatte: Neben ihrem Schmerz saß irgendwo in einer kleinen, von Spinnenweben bedeckten Ecke noch immer ihre kleine, bunte Puppe. So sehr der Schmerz sich auch bemühte, ihr ganzes Wesen in Besitz zu nehmen, so gut er versuchte alles Gute in ihr zu verdecken, die kleine Puppe würde dort sitzen bleiben, warten und eine Erinnerung an das Gute stiften, bis jenes Licht des Allmächtigen wiederkäme und alle Dunkelheit des Schmerzes verbrennen würde…

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Veröffentlicht in Blog, Theologie

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