Wie lindere ich Not?

Wo ich doch nur so wenig zu geben habe? So viele rennen sich im Hamsterrad zu Tode und noch mehr stürzen in das tiefe Tal finsterer Depressionen. Die Not hier im Land ist meist nicht materiell, sie ist eine geistige Leere. Wie erschreckend diese sein kann, habe ich auch schon vor ein paar Jahren erfahren. Es ist ein Abgrund tiefer als jeder Hunger. Doch was kann ich dagegen ausrichten? Wie ziehe ich die Menschen aus der Verdammnis ihrer eigenen Seele, wenn diese ihnen selbst zum Feind wird und das eiserne Dunkel aus Angst und Depression den Verstand vergiftet, die Gefühle erlahmen lässt? In diese geistige Schlucht, die Höhle innerer Hölle, wünschte ich mir einen Funken Licht hineinzustrahlen. Ich wünschte ich könnte all die Notleidenden am Schopf packen und aus ihrem Sumpf ziehen! Ich mag so gerne allen zusprechen: Glaubt. Es gibt Erlösung aus dem Dunkel! Doch klingt das nicht allzu platt? Hilft das irgendwem? Selbst wenn es Wirklichkeit werden kann, sollte man nur daran glauben?

Leichter wäre es etwas gegen die materielle Not zu tun. Doch auch hier scheint eine jede Tat ein Tropfen auf den heißen Stein. Tausende Hilfswerke existieren, in denen ich mein Geld versickern lassen kann, als ob dadurch wirklich etwas anders würde, denn Veränderung ginge nur auf ganz anderen Ebenen, in Politik und Wirtschaft. Und auch da ist man Zwängen ausgesetzt. Aber hier könnte ich wenigstens mehr als reden, richtig handeln. Doch tue ich es? Stuttgart wird von Bettlerbanden überhäuft. Das führt dazu, dass ich gar nichts mehr gebe. Denn die wahren Bettler sind schon vertrieben, jetzt sind es organisierte Gruppen, die ihr Unwesen treiben. Aber leiden tun die Menschen, die in den Gruppen gefangen sind, doch trotzdem. Aus Freude gehen auch sie nicht auf die Straße, sondern aus Not. Wie könnte ich sie erreichen? Sie sind gefangen in einem gnadenlosen System der Ausbeutung. Und wie unterscheide ich den wahrhaft Hilfsbedürftigen von dem Trickbetrüger, die es zu Hauf zu geben scheint? Gehe ich nicht allzu voreilig an allen vorüber und übersehe dabei die ein, zwei, die tatsächlich von Gott zu mir geschickt wurden, dass ich ihnen helfe? Und Gott schüttelt nur enttäuscht den Kopf, dass ich als Christ die Schwächsten unter den Schwachen so kaltherzig ignoriere und rasch wieder in meinen mp3-Liedern versunken bin. Da können die Lieder noch so geistlich sein. Andererseits arten viel Taten nur in gut gemeinten Aktionismus aus. Hilft einem Alkoholabhängigen eine Geldspende wirklich? Und sind nicht viele dieser nebenbei erledigten guten Taten irgendwo auch geheuchelte Gewissenserleichterungen? Ich weiß meine Tat verändert nicht wirklich etwas. Was für einen Sinn hat sie dann? Tue ich sie nicht vor allem für mich, aus dem bloßen Antrieb heraus ein gutes Gewissen zu haben? Moderner Ablasshandel sozusagen. Vielleicht gar aus echter Liebe manchmal, aber doch mit dem Wissen, so wirklich interessiert bist du daran nicht und so wirklich etwas erreichen tust du auch nicht. Wahre Veränderung würde ein zu großes Opfer verlangen – mich mit all meinen Ressourcen in meiner Ganzheit als Mensch. Das bin ich dann doch nicht bereit zu geben. Bin halt doch kein Jesus.

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Ein Kommentar zu „Wie lindere ich Not?

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  1. Dieses Problem kenne ich. Diesen Banden möchte man sein Geld nicht überlassen. Natürlich leiden die Menschen, die auf der Straße sitzen. Gerade diejenigen haben allerdings überhaupt nichts davon, da das erbettelte Geld wohl an andere geht…

    Traurig, dass die Hilfsbereitschaft der Menschen auf diese Weise ausgenutzt wird.

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