Ich gehe auf die Knie

Ich stehe hier und spreche mit meiner Wand, in dem Glauben es befindet sich in diesem Raum eine Präsenz, die ich nicht sehen kann. Wahnsinn mag das sein. Aber wenn ich den Wahnsinn sehe, den sich Menschen antuen, sicher nicht der größte.

Ich beuge mich, nicht nur vor meinem Gott, von dem ich glaube, dass seine Herrlichkeit alles überstrahlt, ich will mich jetzt einmal vor dem Menschen beugen. Denn auch wenn mein Nächster oft gar nicht selbst versteht welches Wunder er ist, ich sehe die Gottes-Gabe aus ihm strahlen, die er ist. Vor dieser innerlich verborgenen Perle werden meine Ich-zentrierten Gedanken und Meinungen unbedeutend. Welch Narr ich manchmal bin, wenn sich meine Empfindungen überhöhen und mich zum Zentrum meiner Welt machen. Aber erst wenn ich mich beuge, finde ich mich selbst, denn dann weicht das verführerische Gift der Selbsttäuschung, fällt mir wie Schuppen von den Augen. Ich bin eben kein Superheld und nicht das Zentrum des Universums.

Diese Momente reichen nicht ewig. Sie sind im Pendel der Zeit ein Ausschlag in eine Richtung. Sie helfen aber den Verstand zurechtzurücken.

Auch der andere Ausschlag ist übrigens wichtig. Ich darf mich auch vor mir beugen. Denn wie ich die anderen sehe, bin auch ich, insbesondere auch dann wenn sich die Selbsterniedrigung in mir austobt, wenn ich mich in Selbstkritik zerfleische und kein gutes Haar an mir entdecken kann. Denn auch ich bin eine Gottes-Gabe. Erst mein abwertendes Urteil macht weniger aus mir als ich bin.

Und jetzt? Was machen ich mit dieser Erkenntnis? Ich gehe zu meiner Verlobten und küsse sie … morgen wenn ich sie dann sehe. Ich genieße zu sein. Ich muss nicht perfekt sein und darf das Sein trotzdem genießen. Und morgen nehme ich mir vor für einen Kollegen ein besonders nettes Wort zu haben.

Im „drögen“ Alltag mag ich das Quäntchen Glück suchen, das sich schon am Firmament ankündet.

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