Ökonomisierung der Gesellschaft

Wir können beobachten, wie sich eine bittere Kälte in unserer Welt ausbreitet:

Soziologen sprechen von einer Ökonomisierung unserer Gesellschaft. Das ökonomische Denken bleibt nicht mehr nur auf die Wirtschaft und unser Arbeitsleben beschränkt, es erfasst unser ganzes Leben und alle Bereiche unserer Gesellschaft. Wie eine Riesenkrake greift es um sich. Einen Bereich unseres Lebens erobert, startet schon die Invasion des nächsten.

Das Kosten-Nutzen-Kalkül, das auf einem Wettbewerbsdenken aufbaut, es reicht hinein bis in intimsten Beziehungen und bis hinein in unsere Sexualität. Nichts bleibt davon ausgeschlossen.

Das Fundament des Kosten-Nutzen-Kalküls ist die Überlegung nach alternativen Ressourcenverwendungen. Sinn dieser in der Wirtschaft unabdingbaren Bewertung liegt darin verschiedene Alternativen in Konkurrenz zueinander zu setzen, um an Ende die beste aller Möglichkeiten auszuwählen…bis eine bessere gewählt werden kann.

Ich stehe irgendwann eventuell vor der Entscheidung: Soll ich ein Haus bauen? Dann habe ich zu Anfang zwei Alternativen: Ja oder Nein. Ein Haus ist eine große Investition. Es bindet mich an einen Ort. Das Geld könnte ich auch für Autos oder für Reisen ausgeben. Dafür befreit es mich dauerhaft von monatlichen Mietzahlungen und bietet mir somit langfristige Stabilität und senkt meine Ausgaben im Alter. Habe ich mich für das Haus entschieden kommen bei genauem Hinschauen hinter dem einen Ja noch viele weitere Alternativen zum Vorschein. Ich kann mein Haus in verschiedenen Größen, aus verschiedenen Materialien, in verschiedenen Stilen errichten lassen. Eine Kosten-Nutzen-Analyse soll mir aufzeigen welche Größe, welches Material, welcher Stil für mich zum optimalen Ergebnis führt. D.h. die verschiedenen Größen, Materialien, Stile stehen in Wettbewerb zueinander. Ich denke in Wettbewerbsstrukturen. Ich denke in Alternativen. Am Ende entscheide ich mich für jene Alternativen mit den subjektiv besten Preis-Leistungs-Verhältnissen. Entdecke ich irgendwann eine lukrativere Investition verkaufe ich mein altes Objekt und investiere in das neue.

Was bei einem Haus, Handy oder einem Unternehmen sehr nützlich sein kann, wird mich jedoch in tiefste Abgründe führen wende ich es auch auf meine zwischenmenschlichen Beziehungen an. Was ist die Kosten-Nutzen-Bilanz meiner gegenwärtigen Beziehungen? Muss ich bei jemand anderem vielleicht weniger Kraft (Kosten) investieren. Bekomme ich von einem anderen Partner vielleicht noch mehr Befriedigung (Nutzen)? Dieses Denken greift zunehmend um sich. Psychologen beobachten eine vermehrte Bindungsunfähigkeit, weil ja an jeder Ecke eine bessere Alternative warten könnte.

Aber ein solches Denken ist tödlich für jede Beziehung. Denn es vernichtet Nähe. Und Intimität macht eine Beziehung überhaupt erst zu etwas Besonderem. Indem ich ständig in ökonomischen Wettbewerbsstrukturen denke, kann ich nie wirkliche emotionale Nähe herstellen. Ich kann auch niemals Vertrauen aufbauen, da ich davon ausgehen muss, dass mein Partner ebenso stets nach Alternativen Ausschau halten muss. Meine Seele steht ständig unter Strom. Ich kann mich nie einfach fallen lassen. Denn lässt meine eigene Leistung nach, sinkt der Nutzen meines Partners, den er aus mir gewinnt. Dann muss er mich aus Kosten-Nutzen-Gründen fallen lassen. Sinkt meine Aufmerksamkeit, könnte ich eine bessere Alternative verpassen. Die Beziehung wird zum Stress. Sie ist nicht mehr menschlich, sondern eine mathematisch berechenbare Funktion. Meine Beziehungen erkalten und werden von Angst geprägt. So werden sie mit Sicherheit scheitern.

Der grundlegende Fehlschluss: Mein Nächster wird als Ressource verstanden. Nicht als einzigartiges Geschöpf Gottes. Wir drehen uns gedanklich um uns selbst, beziehen Gott und unsere Nächsten auf uns, statt Gott und unseren Nächsten als souveräne Wesen zu erkennen.

Ironischerweise verschafft uns das Wettbewerbsdenken in unseren Beziehungen grundsätzlich unzufriedenstellende Ergebnisse. Das System zwingt uns stets nach dem Optimum Ausschau zu halten. Aber weil wir dem System glauben wird das Optimum stets verfehlt werden. Denn unser Nutzen (Glücksempfinden) sinkt, wenn wir uns im ständigen Stress befinden.

Das wahre emotionale Optimum findet sich erst in Gottes Gnade. In der Freiheit, die uns Gott von diesem sündigen System schenkt. Wir müssen Gott nur glauben! Wir müssen nur glauben, dass wir aus dem System aussteigen können.

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