Die produktivsten Zeit – nachdem es schief lief

Kennt das jemand? Ich bin am wachsten und produktivsten kurz nachdem etwas schief gelaufen ist. Ist bis zu diesem Moment alles mehr oder weniger vor sich hingedümpelt: Sobald etwas schief geht bin ich wie geladen. Die Motivation heißt Angst oder manchmal gar Panik. Kaum geht etwas daneben spielt mir meine Fantasie einen Streich. Ich stelle mir die schlimmsten Szenarien vor. Mein Kopfkino zeigt mir wie dieser eine Moment alles dominoartig zum Einsturz bringt. Nichts bleibt davor verschont.

Und als Folge schreite ich zur Tat. Mein Gehirn sucht verzweifelt nach Plan B und nach Plan C. Ich werde aktiv. Manchmal artet es in Aktivismus aus. Dann reagiere ich über. Der schadet i.d.R. zwar nicht, aber wenige Tage später muss ich erkennen, dass er gar nicht notwendig gewesen wäre und vielleicht gar etwas peinlich ist. Aber es nicht immer so. Dieser Aktivismus kann auch richtig produktiv sein. Nun bin ich nicht mehr nur der abwartende, der aus Scheu vor einem Fehlschlag nur zögerlich agiert und jede Aktion drei Mal überdenkt. Jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen, der Fehlschlag bereits da. Das befreit innerlich, um alles Zögern abzulegen. Denn was soll jetzt noch schlimmeres passieren? Nun ist es das Nichts-Tun, das es noch schlimmer machen würde. So spinnt sich mein Gehirn die spannendsten Lösungsideen zusammen. Kreativ suche ich nach Auswegen, nach Alternativen und sehe auf einen Schlag Wege, die mir vorher nicht in den Sinn gekommen wären. Am Ende geht in der Tat meistens alles gut.

Ist es nicht seltsam, dass es erst jenen Rückschlag braucht, um diese Form der aktiven Produktivität zu erreichen? Braucht es vielleicht hin und wieder einen Dämpfer, um neue Fähigkeiten aus sich herauskitzeln zu können?

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5 Kommentare zu „Die produktivsten Zeit – nachdem es schief lief

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  1. What goes up must come down – und andersrum 😉

    Im Grunde, denke ich, ganz normal und auch gut so.

    Die heftigen Ausschläge, mit denen man eine Menge Energie verpulvert, kann man mit Übung/ Training besser in den Griff kriegen.
    Sei es das „bis 10 zählen“, das „erst mal drüber schlafen“, oder einfach tägliche Meditation, egal was passiert, das hilft auch ungemein.
    Der Buddhismus hat da ein paar gute Tipps auf Lager 😉
    Denn da geht es ja darum, einen ausgeglichenen Gemütszustand zu bewahren, egal, was passiert und wie es uns geht.

    Rein körperlich ist das wohl das Adrenalin und wir haben halt auch noch immer das Neandertaler-Hirn in uns. Damals war so manches ja tatsächlich lebensbedrohlich…

    Alles Liebe und ein friedvolles WE für dich 🙂

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  2. Ich weiß gar nicht, ob ein stets ausgeglichener Gemütszustand für mich ein lohnenswertes Ziel wäre. Die meisten Gefühle sind bei genauem Hinschauen schon sinnvoll. Ohne sie verliere ich ja den Kontakt zu einem Teil meiner Seele. Insbesondere bei Gefühlen, die etwas schwerer zu greifen sind als die hier beschriebene unmittelbare Reaktion auf ein gerade erst stattgefundenes Ereignis. Bei komplizierteren Gefühlen drückt sich ein Teil meines Unterbewusstseins aus. Wenn ich diese Gefühle durch Meditation, Hypnose… unterdrücke verliere ich die Möglichkeit das ans Licht zu holen, das mich hinter den Gefühlen beschäftigt.

    Eigentlich möchte ich eher lernen, ihren tieferen Sinn zu erkennen und für mich nutzbar zu machen. Aber ohne mich von ihnen beherrschen zu lassen.

    Was Meditation angeht fand ich die Meditation der katholischen Mönche spannend. Da geht es nicht nur darum sich innerlich zu leeren, sondern darum sich für den Heiligen Geist zu öffnen, seinen eigenen Geist auf den heiligen Geist zu konzentrieren und sich mit ihm zu füllen.

    Auch dir ein wunderschönes WE 🙂

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  3. Das ist ein – übliches – Missverständnis und vielleicht auch gar nicht möglich, über den Verstand zu „verstehen“.

    Es geht nicht darum, sich seiner Gefühle zu entledigen.
    Gefühle sind ein wichtiger Wegweiser.
    Was wäre ein Mensch ohne Gefühle?
    Man sehe sich an, wie gefühllose / Menschen mit wenig Gefühl handeln…
    Es geht viel mehr darum, die Gefühle wahrzunehmen, sich auch davon leiten, sich aber nicht wegreissen, überwältigen zu lassen.
    Meine Gefühle sind meine Gefühle, nicht mehr und nicht weniger.
    Ich bin nicht meine Gefühle.
    Ich bin nicht meine Gedanken.
    Alles an seinem Platz.
    Alles hat seine Funktion.
    Wer ist der Herr im Haus?
    Glück und Leid, das Auf und Ab des Lebens und der Gefühle bleibt, die Frage ist, was wir damit machen bzw. ob wir mit uns machen lassen.

    Was die Meditation betrifft:
    Wenn man sich innerlich leer macht, kommt der Heilige Geist von ganz alleine 🙂
    Darum geht’s ja 🙂
    Der Buddhismus gilt als Nicht-Religion und ist es in unserem Sinne des Wortes auch.
    Aber nehmen wir nur einmal das Mantra Om Mani Padme Hum.
    Über die Bedeutung wurden Bücher geschrieben.
    Die „einfachste“, gebräuchlichste Übersetzung ist „Heil dem Juwel in der Lotusblüte“.
    Was mag wohl mit diesem Juwel gemeint sein?
    Das „entleeren“ in der Meditation ist das „Selig sind die geistlich Armen, denn ihrer ist das Himmelreich“.
    Gerne verhumbugt als „Die Doofen haben’s leichter, denn sie machen sich keine Gedanken“.
    Es ist aber doch so: solange wir denken und planen und machen und tun – wie soll Gottes Stimme zu uns durch dringen?

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  4. Ich würde dem großteils zustimmen. Christen und Buddhisten haben ja im Groben ähnliche Verständnisse von Gut und Böse. Beide meinen, dass Gefühle einen nicht kontrollieren sollten.

    Meditation kann hier ein Instrument sein, sein Inneres zu beobachten. Wenngleich jeder den Weg entdecken muss, der zu ihm passt. Ich kenne auch einige, die bei Meditation bestenfalls einschlafen. Denen hilft vielleicht ein Gesprächspartner besser ihr Inneres wahrzunehmen.

    Meditation ist jedoch nicht der Weg, um mit den Gefühlen an sich umgehen zu lernen. Dann wären wir bei Unterdrückung von Gefühlen. Wenn man Meditation zur bloßen Beobachtung einsetzt, kann es jedoch hilfreich sein.

    Was meine ich:
    In meinem Unterbewusstsein ist beispielsweise irgendein Gefühl vergraben, das aus einer negativen Kindheitserfahrung stammt. Das kommt zu verschiedenen Anlässen hervor. Meditation bringt mir nichts, mit dem Gefühl fertig zu werden…außer ich nutze Meditation zum Zweck der Selbsthypnose (das ist möglich, habe als Jugendlicher paar Bücher zur Selbsthypnose gelesen) und unterdrücke das Gefühl.

    Vielleicht nutzt mir die innere Stille der Meditation allerdings den Sinn und Ursprung des Gefühls zu erkennen. Dann ist es sinnvoll.

    Um mit dem Gefühl an sich fertig zu werden, darf ich aber nicht beim Gefühl stehen bleiben. Dann muss ich an diese Kindheitserfahrung ran und mich mit ihr versöhnen.
    Letztendlich könnte ich hier aber an eine menschliche Grenze stoßen.
    Da komme ich nun wieder als Christ. Wenn ich durch Jesus mit Gott versöhnt werde, dann bietet er mir auch die Möglichkeit mich mit mir zu versöhnen und meine schlechten Erfahrungen vors Kreuz zu bringen.

    Sobald ich mich mit allen schwierigen Teilen meiner Seele versöhnt habe, werden meine negativen Gefühle auch wieder abdämmen.

    Das wichtige ist: Die Gefühle sind nur das Symptom.
    Um die Ursache muss ich mich kümmern.
    Im Zweifelsfall ist das ein Prozess, den ich nicht nur im stillen Kämmerlein in einem Stadium der Trance machen kann. Dieser Verarbeitungsprozess kann ein sehr aktiver sein. Evtl. muss ich das Gespräch mit anderen Menschen suchen (z.B. bei Schuldgefühlen)…

    Ich würde auch nicht zustimmen, dass der Heilige Geist automatisch kommt. Gott vergewaltigt nicht. D.h. er kommt nur, wenn man ihn sucht und in sich einlädt.

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  5. Stimme dir alles in allem zu.

    Eines noch zu den Erlebnissen, sei es aus der Kindheit oder auch später.
    – Wobei der Unterschied ist, dass die frühen Erfahrungen das Verhalten prägen . –

    Es gibt eine Grenze, da wo es in’s Traumatische geht.
    (Bei traumatischen Erlebnissen, trennen sich die beiden Gedächtnisse, das, welches die Empfindungen und das, welches die Daten speichert. Das bewirkt, dass wir, durch was auch immer an die traumatischen Erlebnisse erinnert, dasselbe wieder empfinden wie damals, weil unser Gedächtnis einfach nicht weiß, dass das vor 5 Jahren war und nicht jetzt ist)
    Da ist Vorsicht geboten.
    Das kann uns aus den Schuhen hauen.
    Mit „normalen“ Erfahrungen sollte man sich auseinander setzen, das sehe ich genau so.

    Aussöhnung ist das Wort.

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