Wissenschaft und Glaube – kein Widerspruch

Ich bin davon überzeugt, dass Wissenschaft und Glaube kein Widerspruch sein müssen. Hierfür ist es jedoch wichtig, die Bibel richtig zu verstehen und das in ihr zu suchen, das auch wirklich in ihr beabsichtigt war und gefunden werden kann. Und andererseits muss man die Fähigkeiten und Grenzen wissenschaftlicher Erkenntnissuche realistisch einschätzen können.

Wissenschaftliche Methodik und Wunder

Die Frage lautet: Wäre es möglich Wunder wissenschaftlich zu untermauern, unter der hypothetischen Annahme es gäbe tatsächlich Wunder.

Die Antwort lautet: Nein.
Selbst wenn es Wunder gäbe, wir könnten sie nicht wissenschaftlich belegen.

Das hat einen einfachen Grund:
Wunder sind per Definition Anomalien. Sie sind Abweichungen von der Regel, von der Gesetzmäßigkeit. Sie sind einzigartige, einmalige Ereignisse, die nicht ihren Ursrung immanent in der Beschaffenheit des Universums haben.
Die ganze wissenschaftliche Methodik ist jedoch darauf ausgelegt Gesetzmäßigkeiten zu identifizieren.
Darum ist ein zentrales Kriterium der wissenschaftlichen Methodik die Reproduzierbarkeit.
Eine Messung wird nur dann von der Wissenschaft anerkannt, wenn sie unabhängig vom Messer jederzeit von jedem beliebigen Wissenschaftler reproduziert werden kann. D.h. bei einer Wiederholung des Experiments muss man zu demselben Ergebnis gelangen.

Ein Wunder ist als einzigartiges Ereignis jedoch per Definition nicht reproduzierbar. Würde ein Wissenschaftler zufällig ein Wunder messen, würde es der wissenschaftlichen Überprüfung nicht standhalten. Der Versuch die Messergebnisse zu wiederholen würden scheitern. Das Wunder wäre eine Anomalie in der Datenreihe des Wissenschaftlers, die einfach ausselektiert würde. Womöglich bekäme sie außer dem Wissenschaftler nie jemand zu Gesicht. Publiziert werden nur die reproduzierbaren Ergebnisse. Jeder Wissenschaftler hat damit zu kämpfen. Aus verschiedenen Gründen gibt es immer wieder Abweichungen und Anomalien in den gesammelten Daten, die aussortiert werden müssen. In aller Regel sind daran Unsauberkeiten Schuld. Wissenschaflter sind eben doch auch nur Menschen, die montags früh genauso müde sind wie jeder andere Arbeiter auch. Gründe für diese Anomalien sind in der Regel: Das Reagenzglas war verunreinigt. Der Versuchsaufbau war nicht abgeschottet genug und ließ Verzerrungen zu. Ein Sensor war defekt und lieferte falsche Daten. … Und wenn zwischendrin tatsächlich ein echtes Wunder gemessen würde, es landete auf demselben Stapel aussortierter Messergebnisse.

Denn: Ein Wunder ist keine Gesetzmäßigkeit des Universums. Das Wunder liegt damit gar nicht im Fokus wissenschaftlicher Erkenntnissuche. Die Wissenschaft kann nichts darüber aussagen, selbst wenn sie wollte. Aber was manche zu vergessen scheinen und noch viel wichtiger ist: Die Wissenschaft will gar nichts darüber aussagen. Sie will reproduzierbare Gesetzmäßigkeiten finden. Nicht mehr und nicht weniger. Von Wunder bis Gott … die Wissenschaft kann und will nichts darüber sagen.


Die Bibel ist kein Wissenschaftsbuch

Will die Bibel eine wissenschaftliche Erklärung unserer Welt liefern?

Nein, das will sie nicht. Sie will etwas über die geistlichen Dinge hinter der natürlichen/materiellen/messbaren Welt aussagen. Wie Prof. Harald Lesch einmal formulierte: Die Wissenschaft sucht nach den vorletzten Dingen. Wie funktioniert diese Welt? Die Bibel sucht nach den letzten Dingen. Wozu sind wir in dieser Welt?

Aber vor allem erzählt die Bibel, wenn sie Dinge der Natur streift, in „Bienchen und Blümchen“ – Sprache.

Im alten Hebräisch gäbe es gar nicht die Vokabeln in einer wissenschaftlich korrekten Form von der Welt zu sprechen. Selbst wenn Gott den Israeliten gerne etwas von Quantenphysik und Relativitätstheorie hätte erzählen wollen, die hebräische Sprache hätte es gar nicht hergegeben diese komplizierten Konstrukte zu kommunizieren. Gott hätte erst die passende Sprache dazu entwickeln müssen. Die dann aber der wissenschaftlich ungebildete Israelit gar nicht verstanden hätte. Also spricht die Bibel ebenso simpel von der Welt wie ein Vater zu einem Kind sprechen würde. Wie wir es heutzutage mit der Bienchen und Blümchen Metapher kennen.

Die meiste Zeit geht es in der Bibel ohnehin nicht darum über Theorien zu philosophieren. Vielmehr wird das Leben der Israeliten mit ihrem Gott nacherzählt. Für Theorien und philosophische Erklärungen ist kaum Platz. Aber wo es dann doch einmal philosophischer wird verwendet die Bibel eine möglichst einfache Bildsprache. Denn die Moral von der Geschichte ist den Autoren wichtiger als eine Erklärung davon, wie die Dinge funktionieren. Diese Bildsprache muss übersetzt werden, so dass wir ihren wahren Kern verstehen.

Fazit:
Beide haben ihren Platz. Wir dürfen uns dem Konflikt entziehen, wenn wir klar unterscheiden können, was uns die Wissenschaft/Bibel sagen kann und wo Grenzen sind.

Advertisements

2 Kommentare zu „Wissenschaft und Glaube – kein Widerspruch

Gib deinen ab

  1. Gute Gedanken! Zum Thema Wunder finde ich noch folgende Überlegung hilfreich: Wenn wir an Gott als den Schöpfer und Erhalter der Welt glauben, dann ist sein Wirken gar nicht in erster Linie an den über-natürlichen (und wissenschaftlich nicht erfassbaren) Wundern zu sehen, sondern in der Welt, wie wir sie wahrnehmen und erleben. Wenn wir damit rechnen, dass diese Schöpfung gut gelungen ist, warum sollte dann Gott sich dauernd durch das Hinwegsetzen über diese gelungenen Gesetzmäßigkeiten offenbaren? Man kann also auch die Ergebnisse der Naturwissenschaften als eine Folge des Wirkens Gottes auffassen, allerdings in einer begrenzten Weise, mit bestimmten Fragestellungen, die nur bestimmte Aspekte der Natur betreffen.

    Gefällt mir

  2. Wir Menschen können schlecht ertragen, einfach so zu existieren. Wir brauchen die Vorstellung eines sinnvollen Lebens. Aber weniger denn je wissen wir, was diesen Lebenssinn eigentlich ausmacht.Daß Sinn knapp wird, liegt ganz wesentlich an der Rolle der Wissenschaften, die langsam und stetig zur »Entzauberung der Welt« beigetragen haben, weshalb wir jetzt immer mehr bereit sind, alles in Frage zu stellen auch uns selbst.

    Ich persönlich denke, dass sich nicht umsonst immer mehr Menschen im Glauben oder einer anderen Form von Spiritualität versuchen zu finden.
    Sie fragen nach einem Sinn und aber auch:Nach einem Zauber…Ich spreche gar nicht von Hokuspokus sondern viel mehr von sowas wie Wunder und diese müssen gar nicht zwangsläufig biblischen Ausmaßes sein sondern viel mehr durch endschleunigen im Alltag wieder entdeckt werden

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: