Von selektiver Wahrnehmung

Wir alle sitzen fest in unserem eigenen kleinen, von Facebook und Stammtisch geförderten Stück Realität. Wie schwer fällt es oft die Perspektive zu wechseln, ohne andererseits seine eigene Identität und Meinung aufzugeben?

Facebook fördert diese Fokussierung unserer selektiv geformten Wirklichkeit. Denn die Algorithmen Facebooks filtern alle Einträge bevor wir sie zu Gesicht bekommen. Alle Inhalte werden mit unseren Vorlieben, unserem Posting-, Suchverhalten, der Struktur unseres Freundeskreises etc.pp. abgeglichen. Die Folge: Man sieht vor allem die Meinungen und Nachrichten, die der eigenen Meinung und den eigenen Interessen entsprechen.

Wir alle kapseln uns damit in unsere eigene kleine Parallelgesellschaft ab. Aber tun wir ja nicht so, als sei dies ein gänzlich neues Phänomen. Facebook gelingt es lediglich den Stammtisch auf neue globale Dimensionen auszudehnen, mehr nicht. Soziologen untersuchen seit Jahrzehnten sog. Milieus. Diese sind oft überraschend undurchdringlich. Durch Beruf, Interessen, politische Meinungen, Glaube, Hobbies, vergraben wir uns in uns selbst. Denn gleich und gleich gesellt sich gern. Nur wenigen Menschen gelingt es diese Schranken auf wirklich tiefgreifende Art zu überspringen. Oft bleiben die Kontakte mit Menschen jenseits unserer Parallelgesellschaft im Oberflächlichen. Der Vorstandsvorsitzende spricht mit dem Obdachlosen nicht nur aus Überheblichkeit nicht, ihre Welten berühren sich schlicht nirgends auf einschneidende Weise.

Und so ist es auch zu erklären, dass selbst hier in Deutschland, einzelne Menschen radikalen Ideologien wie dem Islamismus verfallen. In ihrer subjektiven, selektiv geformten Wirklichkeit scheint dieser Schritt sehr logisch.

Aber das soll nun gar nicht dazu aufrufen dieses Phänomen künstlich über irgendwelche Zwangsmaßnahmen ins Gegenteil zu verkehren. Das bringt nichts und widerspricht dem Gedanken einer freiheitlichen Gesellschaft. Es ist gar kein Phänomen, das nur die Radikalen betrifft. Vielmehr ist es die Normalität und jene „Grenzüberschreiter“, die ihre eigenen sozialen Grenzen sprengen, sind die ganz große Ausnahme. Denn es ist Teil unserer menschlichen Natur. Wir können unsere selektive Wahrnehmung, das Baden im eigenen Mist gar nicht ganz verhindern. Aber wir sollten uns dessen bewusst sein, um uns stets selbst reflektieren zu könnnen.

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