Wofür stehen wir eigentlich noch?

Wir leben in einer seltsam verzerrten Zeit. Wenn ich mir die älteren Generationen ansehe sind dort teils sehr stark polarisierende Persönlichkeiten vorzufinden. Ich stutze immer wieder mit welcher Überzeugung mein Chef von unterschiedlichsten politischen Standpunkten spricht, gerne und jederzeit auch kontroverse Ansichten äußert. Gar kein Problem scheint es, etwas zu sagen, das aneckt und nicht von der Mehrheit geteilt wird.

Natürlich kann das auch recht anstrengend sein. Diesen unverhohlenen Meinungsäusserungen zu begegnen, insbesondere wenn man selbst vielleicht eine etwas differenziertere, gemässigte Position einnimmt. Die leisten Töne gehen heute wie in früheren Generationen schnell unter. Der differenzierte Blick auf die Welt, der ihre Vielfalt und Komplexität anerkennt, wurde gestern wie in der gegenwärtigen Konsumgesellschaft schnell untergebuttert. Da steht man dann schnell außen und wird als Alien betrachtet, wenn man zu komplex denkt.

Auf der anderen Seite steht der Fluch unserer Generation: Auf keinen Fall eine Position beziehen, auf die man festgenagelt werden könnte. Allzu schnell könnte durch eine zu starre Festlegung eine Gelegenheit vorbeiziehen. Wahre Freiheit bedeutet doch sich nicht festzulegen, immer sich ein Hintertürchen offen zu halten. Keine kontroversen Themen anschneiden, denn damit könnte man jemandem auf den Schlips treten, sich im Networking Nachteile verschaffen. Man braucht auf der Leiter nach oben keine Feinde sondern Kontakte, Followers oder Friends, nur so geht es voran. Und wenn man dadurch tausende Kompromisse benötigt und am Ende gar keine klare Meinungen mehr hat, dann zeigt man sich doch nur flexibel. Merkel unser aller Vorbild.

Doch so werden Gespräche meist sehr eintönig und langweilig. Die goldene Regel des Small-Talk – keine Politik, keine Religion, nicht über Geld reden – bestimmt inzwischen nicht mehr nur oberflächlichen Small-Talk, sondern alle Bereiche der Kommunikation.

Und ICH bin ein Teil davon. Meine harmoniebedürftige Art, mein Wunsch andere verstehen statt überzeugen zu wollen, meine Fähigkeiten als Zuhörer, sie machen mich selbst zum Objekt meiner eigenen Kritik. Denn wofür stehe ich eigentlich?

Ich stehe ganz klar für den christlichen Glauben, mit all seinen oft unliebsamen Konsequenzen. Denn viele reagieren  schon lange nicht mehr positiv, wenn man sich als Christ „outet“.
Aber wie sieht die Realität aus? Wer weiß denn schon, wofür ich eigentlich stehe? Gehe ich nicht zu leichtfertig allen Konflikten aus dem Weg? Sollte ich nicht viel offensiver und freimütiger über meinen Glauben sprechen? Was könnte schon passieren?

Wo in meinen Leben kann denn ich behaupten:

„Hier stehe ich, ich kann nicht anders!“ (Luther)

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2 Kommentare zu „Wofür stehen wir eigentlich noch?

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    1. Ich selbst bin evangelisch. Habe aber gute Beziehungen zu Gläubigen aller Konfessionen.

      Die Bibel kann jeder lesen und im Heiligen Geist verstehen. Ich bin dafür nicht notwendigerweise auf einen Prediger angewiesen.

      Ich war auch schon in einigen Laienbewegungen, in denen es gar keinen hauptamtlichen Prediger gibt. Stattdessen kann Jeder, der sich berufen fühlt, eine Predigt vorbereiten.

      Als Evangelischer glaube ich an das Priestertum aller Gläubiger. Dass es keine Hierarchie unter den Gläubigen gibt.

      Fürs Morden kann keiner vorgeschoben werden. Denn Gott erteilt Noah das klare Gebot: Kein Mensch darf das Blut eines anderen Menschen vergießen! Und dann gibt er Mose das Gebot: Du sollst nicht töten. Und in Jesus: Liebe deine Feinde, bete für die dich verfolgen…

      Gefällt mir

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