Religiöse Pflichten eines Christen?

Viele glauben ein Christ müsse sich an die Bibel und insbesondere an die 10 Gebote halten. Es gäbe religiöse Pflichten wie das Fasten vor Ostern oder der sonntägliche Gang in die Kirche. Aber das könnte nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein. Ich stelle die steile These auf: Es ist sogar das Gegenteil der Fall. Dies will ich im Folgenden erläutern.

Im Kern des christlichen Glaubens steht nämlich die frohe Botschaft, dass durch den Erlösungsakt Jesu alle religiösen Pflichten von seinen Schultern genommen wurden. Der Christ wurde befreit vom Gesetz, das Pflichten vorgibt, um Gott zu gefallen.

Der Christ versteht sich anders als z.B. der Moslem nicht als Sklave Gottes, der das Dienen und Befolgen der Pflichten einüben muss. Vielmehr sieht sich ein Christ als Kind Gottes, als Sohn oder Tochter, die als Freie an den Tisch des himmlischen Vaters treten dürfen. So glaubt der Moslem das Himmelreich nur sehen zu dürfen, wenn er alle religiösen Pflichten kleinlichst befolgt, insbesondere die fünf Säulen des Islam, aber grundsätzlich alles in Koran und lt. Sunniten der Sunnah bzw. gemäß der Hadithen.

Christen dagegen glauben der Eingang ins Himmelreich hängt nicht an ihrer Pflichterfüllung. Die menschliche Natur sei gar nicht stark genug alle religiösen Pflichten erfüllen zu können. Die Erlösung hängt alleine an Gott. Das bedeutet: Wir treten ins Himmelsreich ein, indem wir auf seinen Sohn Jesus Christus vertrauen und unsere ganze Hoffnung darin setzen, durch diesen Glauben die Gnade Gottes zu empfangen. Weil der Christ dem Sohn Gottes vertraute wird er mit Gott versöhnt, obwohl er nie göttliche Perfektion erreicht hat. Seine Sünden sind ihm vergeben.

Kurzum christliche Überzeugung ist: Wir werden nicht gerecht, indem wir Gerechtes tun. Gott macht uns vielmehr durch unseren Glauben gerecht. Er stülpt uns seine Gerechtigkeit über, die wir aus eigener Anstrengung nie erlangen könnten.

Bedeutet diese Befreiung von den Pflichten, dass der Christ tun und lassen kann, was immer er möchte?

Ja und Nein.
Rein theoretisch gäbe es nach meinen bisherigen Ausführungen keine Pflichten mehr, die der Christ befolgen müsste. Ihm ist ALLES erlaubt, wie Paulus sagt.
Der entscheidende Bruchpunkt aber ist: Nicht alles dient auch zum Guten. Und der Christ ist als Nachfolger Jesus aufgerufen Licht für die Welt zu sein, das Gute und Göttliche in die Welt hineinzutragen.
Man kann auch die Existenz des Schlechten in der Welt ohne große Verrenkungen kaum wegdiskutieren. Wir sehen es täglich in der Tagesschau. Es gibt Gutes und Böses. Und Gott will, dass sich das Gute verbreitet, dem Bösen aber, das in Sünden wirksam wird, setzt er Schranken. Das Gebot „Du sollst nicht töten“ hat für uns alle einen recht einleuchtenden Sinn. Die ganze Gesellschaft ist darauf angewiesen, dass alle seine Mitglieder es einhalten, selbst wenn sie nicht den mosaischen Geboten auf die alte gesetzliche Weise folgen.

Trotzdem bleibe ich bei der Aussage: Ein Christ befolgt die Gebote nicht mehr als eine bloße religiöse Pflicht. Denn bei einer bloßen Pflicht wird man irgendwann schwach werden und es doch einmal tun. Wie heißt es so schön, der Geist ist willig aber das Fleisch ist schwach. Auf Dauer können wir nichts befolgen, das nicht aus unserem Innersten kommt. Eine bloße Pflichterfüllung ist nur ein äußerlicher Akt, zu dem wir uns zwingen müssen. Er endet letztendlich in Heuchelei und wartet nur darauf irgendwann gebrochen zu werden. Bei gesetzlicher Pflichterfüllung kreieren wir eine fromme Fassade ohne Substanz. Diese wird bröckeln, sobald wir uns in einer Krise befinden.

Es benötigt etwas tiefgreifenderes als einen äußerlichen Akt: Eine innere Verwandlung. Und der Christ glaubt, dass diese ihm tatsächlich von Gott geschenkt wird:

Die Liebe Gottes zieht in Form des Heiligen Geistes in die Herzen der Gläubigen ein. Wer diese Liebe Gottes im Herzen trägt, der WILL gar nicht mehr töten, stehlen, ehebrechen…Dieses Bedürfnis kann neben dem Heiligen Geist keinen Bestand haben und wird allmählich von ihm verdrängt, da fortan die Liebe Gottes das Herz regiert. Dies geschieht bei einigen wenigen auf einen Schlag während des Bekehrungsmoments, oft jedoch ist es ein langer, nicht selten ein lebenslanger Prozess. Die innere Verwandlung braucht die Mitwirkung des Gläubigen, in dem er dem Heiligen Geist in sich Raum gewährt. Die Gebote werden in Folge dieser Veränderung eingehalten, obwohl sie nicht pflichtmäßig befolgt werden. Und sie werden sogar auf einem viel höheren Niveau als auf dem Niveau der Pflichterfüllung gehalten. Die Pflichterfüllung kann nämlich nicht eigenständig denken sondern nur Befehle befolgen, der Heilige Geist dagegen reagiert situativ auf die individuelle Begebenheit.

Als Fazit kann festgehalten werden: Das Gerechte zu tun ist im Christentum keine religiöse Pflicht. Das Gerechte zu tun ist eine Frucht/Auswirkung… der Liebe, die ein Christ durch seinen Glauben geschenkt bekommt. Der Christ muss sich nicht mehr zum Guten zwingen, aller Zwang wurde am Kreuz aufgelöst, stattdessen wurde von Gott persönlich eine Sehnsucht nach Gutem in ihn eingeimpft. Das Innerste wird verwandelt.

Oder wie schon Augustinus sagte:
Liebe … und dann tue, was du willst.

Advertisements

2 Kommentare zu „Religiöse Pflichten eines Christen?

Gib deinen ab

  1. Die Menschen mit religiösen Geboten erziehen zu wollen zeigt nur das mangelnde Vertrauen in die individuelle Beziehung zu Gott. Was früher einmal sinnvoll gewesen sein mag, hat sich heute überlebt. Nicht nur Christus hat alle Gebote auf ein Gebot verkürzt, auch der himmlische Vater hat seine Schöpfung auf zwei Säulen aufgebaut: Freiheit und Liebe. Wenn wir das erkennen, werden wir auch keine Differenzen der Religionen mehr haben.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: