Gnade – ihre essenzielle Bedeutung für Beziehungen

Was das Wort Gnade bedeutet lernt man selbst als Christ eigentlich erst so richtig in engen Beziehungen. Dort ist sie dafür umso wichtiger. Keine gute Beziehung funktioniert ohne sie.

Denn wir alle sind fehlbare Menschen und jeder von uns hat seinen eigenen Dickkopf.

Wenn dann einmal nicht alles so läuft wie man es sich vorstellt, die Erwartungen nicht ganz erfüllt werden oder einmal die Gemüter hochkochen, dann ist es Gnade, welche die große Explosion verhindert und die beiden Streithähne wieder zusammenführt.

Gnade in meiner Beziehung zu meiner Frau oder meinen Freunden, bedeutet mir ein großherziges, vergebendes Herz anzutrainieren. Gerade im Alltag treffen schnell einmal unterschiedliche Vorstellungen von Sauberkeit, Aufgabenverteilung, Prioritäten, unterschiedliche Meinungen und Wahrnehmungen… aufeinander. Schnell können sich Kleinigkeiten zu einem riesigen Streit auftürmen. In solchen sinnlosen Streitigkeiten sagt man auch schnell Dinge, die man gar nicht so meinte, aber sehr verletzend sein können.

Hier ist nun plötzlich jenes Wort aus der Sonntagpredigt ganz wichtig, das kaum einer so richtig versteht.
Verständlich wird es erst in Beziehungen. Und hier wird aus diesem abstrakten theologischen Konzept etwas unglaublich Praktisches und Überlebensnotwendiges.

Wer kennt nicht Beziehungen, die „gnaden-los“ sind:

Er hält ihr auch 20 Jahre später noch vor einen Kratzer in sein Auto gemacht zu haben. Sie kann es einfach nicht sehen, wie er die Spülmaschine einräumt.
Beide sind sich etwas schuldig geworden, haben Erwartungen des anderen nicht erfüllt oder untertroffen. Aber keiner hat sich ent-schuldigt, keiner hat es vergeben, jeder wirft es dem anderen vor. Beim nächsten Streit werden sofort alle alten Enttäuschungen wieder hervorgeholt und der Haufen unvergebener Schuld wird von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr immer höher und höher … bis am Ende nur noch Bitterkeit und Verachtung für den einst geliebten Partner übrig bleiben.

Hier wäre es auch dem Atheist gut geraten das Wort Gnade zu erlernen. Jede Beziehung braucht sie. Wir alle bleiben einander ständig etwas schuldig. Wir alle werden irgendwann enttäuscht. Ent-Schuldigung und Vergebung muss mein täglich Brot werden.

In der Bibel gibt es den guten Rat: Lasst die Sonne nicht vor eurem Zorn untergehen.

Das soll heißen: Habt vor dem zu Bett gehen euren Streit gelöst. Auf diese Weise könnt ihr am nächsten Morgen wieder frei und in Frieden  aufstehen. Anderenfalls brütet ihr noch die ganze Nacht und sogar in euren Träumen darüber. Und je länger der Streit in meinem Kopf tobt, je größer wird er, bis aus der Mücke ein Elefant wurde, der unter seinen Füßen die Beziehung zermalmt.

Darum: Übt Gnade!

Und nun geht in den Abend unter der Gnade unseres Herrn Jesus Christus.

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Veröffentlicht in Alltag, Beziehungen, Leben, Liebe, Theologie
11 comments on “Gnade – ihre essenzielle Bedeutung für Beziehungen
  1. Muriel sagt:

    Und … Du meinst, Atheisten würden das Wort nicht kennen? Oder wie?

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    • Das Wort Wort Gnade in seiner theologischen Bedeutung wird heutzutage doch praktisch nur noch von Christen verwendet. Ich konnte damit früher jedenfalls nichts anfangen.

      Aber mit kennen meine ich eher dessen Bedeutung in der Praxis kennenlernen. Also das dies ein Tipp ist, der nicht nur etwas für fromme Christen ist, sondern jeder Beziehung helfen kann.

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  2. Tut mir leid, das kam vielleicht falsch rüber.
    Dass auch der Atheist das Wort Gnade erlernen sollte, klingt nach Vokabelpauken. Ich meinte nicht das Wort in seiner Bedeutung laut Duden zu erlernen sondern die praktische Umsetzung im Alltag einzuüben. Das soll heißen, dass diese praktische Umsetzung nicht nur was für Christen ist, die immer von Gnade, Gnade, Gnade predigen, sondern für ALLE Beziehungen notwendig ist, Christ oder Nicht-Christ.

    Denn ohne einen gnädigen Umgang miteinander landet man dort, wo meine Eltern sind:
    Ständiger Streit, wo ständig die alten Sachen wieder hervorgekramt werden. Weil das Alte nicht vergeben wurde.

    Und der Punkt Vergebung ist etwas, wo der theologische Begriff Gnade weiter geht als die umgangssprachliche Bedeutung oder das juristische begnadigen.

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    • Muriel sagt:

      Aber so ganz verstehe ich es trotzdem nicht. Also, ich zum Beispiel. Ich bin ja Atheist. Was müsste ich deiner Meinung nach noch lernen über Gnade, was mir bisher fehlt?

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      • Es geht nicht darum, was du als Atheist lernen musst.

        Sondern was in allen Beziehungen praktiziert werden sollte.

        Wenn deine Freundin/Frau und du das schon beherzigen wäre das ja sehr gut.

        Das Konzept praktizierter Gnadw leite ich aus dem christlichen Glauben ab. Kann aber auch von Nicht-Christen gelebt werden. Da es für alle Beziehungen wichtig ist.

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  3. Muriel sagt:

    Ich weiß ja halt nicht, ob wir das beherzigen, weil ich nicht sicher bin, was du mit der theologischen Bedeutung siehst, und wo du deren Relevanz für das irdische siehst.
    Du hast dir doch sicher was bei dem Hinweis gedacht, dass Atheisten da was zu lernen haben.

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    • Du hast das Wort „auch“ überlesen.

      In seiner Beziehung gnädig mit einander umzugehen. Sich zu entschuldigen, einander zu vergeben, sich Schuld nicht anzurechnen, wen man sich versöhnt hat.

      Das kann AUCH ein Atheist erlernen. Da es dafür keinen Glauben braucht

      Gnade theologisch heißt Gott hat uns vergeben, sich am Kreuz mit uns versöhnt. Er war dem Mensch gnädig.

      Das geht über die juristische Gnade. Die verzichtet nur auf Strafe. Während jene theologische wahre Versöhnung sucht. Das kann man auch in der Beziehung Mensch – Mensch praktizieren, auch wenn man nicht an Gott und seine Gnade glaubt.

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  4. Muriel sagt:

    Ich hab das mit der Schuld eh nie richtig verstanden. Ist für mich wiederum ein eher theologisches Konzept, wenn du mir den kleinen Seitenhieb gnädig verzeihen magst.
    Danke jedenfalls für die Erläuterung.

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    • Auf zwischenmenschlicher Ebene ist das keineswegs abstrakt. Man bleibt sich ständig etwas schuldig. Niemand ist perfekt. Der eine ist morgens launisch, der andere hilft nicht gescheit im Haushalt mit. Im Streit wird schnell mal was gesagt, das man bereut.

      Oft sind es ja solche Kleinigkeiten, über die gestritten wird. Diese „Kleinigkeiten“ werden dann schnell zum Ende einer Beziehung wenn sie nicht verarbeitet und vergeben werden. Gerade so kleine Verletzungen können Beziehungen unheimlich belasten, wenn nicht drüber gesprochen und daran gearbeitet wird. Das sagt dir auch jeder Paar-Therapeut.

      Zur theologischen Sicht:
      Dass der Mensch nicht perfekt ist erkennt die Bibel schon sehr richtig.

      Man muss das nicht als Schuld bezeichnen. Sünde heißt eigentlich nicht Schuld sondern „Zielverfehlung“.
      Das Ziel wäre es gewesen, dass der Mensch nicht streitsüchtig, nicht egoistisch, … ist und in Harmonie mit Gott lebt. Dass er das Ziel verfehlt hat wird dann aber von Gott durch Jesus geheilt.

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