Ist Gott ein Theologe?

Ich möchte hier kein Theologen-Bashing betreiben, dafür liebe ich das Theologisieren zu sehr und lese die Gedanken von Theologen zu gern.Im Grunde ist dies auch ein theologischer Text.

Doch möchte ich die Frage aufwerfen, ob Gott eine systematische Theologie von seinem eigenen Handeln und Denken kennt. Ich meine das ist nicht der Fall. Gott handelt in der Bibel nicht nach einem Regelprinzip, das sich theologisch erfassen und kategorisieren lassen könnte.

Als Beispiel möchte ich die Himmelfahrt Jesu und die Ausgießung des Heiligen Geistes nennen. Üblicherweise wird gelehrt, dass Jesus in den Himmel auffahren musste, damit der Heilige Geist als unser örtlich nicht begrenzter Tröster auf die Erde kommen und so die Ausdehnung des Reichs Gottes durch seine Gemeinde erfolgen konnte.

Das klingt alles gut durchdacht und ist auch biblisch. Aber es gibt zumindest eine Ausnahme, in der die Ausgießung des Geistes und Jesus irdische Gegenwart sich nicht ausschlossen. Jesus verleiht einigen Jüngern schon zu seiner Lebzeit die Gabe  Dämonen auszutreiben. Diese Gabe kann so nur vom Heiligen Geist herrühren. (Markus 3 + 6)

Das Beispiel ist vielleicht gar nicht gut gewählt, mag so manch einer meinen. Aber es soll etwas zum Ausdruck bringen, zu dem gewiss jeder Kenner der Bibel ein paar Beispiele findet. Denn zu jeder theologischen Regel finden sich in der Bibel Ausnahmen:

M.E. handelt Gott in der Bibel nicht nach irgendeiner abstrakten theologischen Idee, es gibt auch kein „göttliches Prinzip“, dem sich Gott verschreibt.

Die Bibel an sich formuliert keine systematisierte Theologie. Vielmehr sind gefühlte 90% der Bibel historische Erlebnisberichte. Lediglich Paulus Briefe von der Gnadenlehre bilden eine in sich geschlossene theologische Lehre. Aber auch Paulus Briefe hatten diesen Anspruch nicht, auch sie sind ursprünglich Antwortschreiben an konkrete Fragestellungen und Situationen in historisch realen urchristlichen Gemeinden.

Der Gott der Bibel ist anders als ein göttliches Prinzip oder eine theologische Idee. Er ist kein Abstraktum, sondern ein lebendiger Gott. Gottes Handeln ist darum sehr viel stärker situativ als es Theologen vielleicht gerne hätten. Sein Wirken unterscheidet sich von Situation zu Situation. Weil Gott eine lebendige Person ist. Wie sonst könnten wir verstehen, dass Abraham Gott bei der Verschonung von Sodom und Gomorra runterhandeln konnte? Wer abstrakten Idealen folgt, feilscht nicht.

Wir erleben diese situative Art des Handelns ganz besonders bei Jesus Christus. Jesus reagiert auf die Menschen, die ihm begegnen. Und er reagiert auf jeden Menschen in einer individuellen Art und Weise. Dem Großmaul Petrus begegnet er wesentlich rauer und herausfordernder als manch zartbesaitetem Jünger. Selbstüberzeugten Pharisäern begegnet er anders als Nikodemus. Jesus blickt ins Herz der Menschen und wählt sein Handeln und Sprechen nicht anhand eines theologischen Prinzips, sondern anhand des Zustands, in dem sich jenes Herz zu diesem Zeitpunkt befindet. Jesus als reale historische Persönlichkeit, die ganz Mensch ist, aber eben auch ganz Gottes Wesen widerspiegelt, kann uns Gottes situatives Wirken am eindrücklichsten vor Augen führen.

Und nun verstehen wir auch, was es bedeutet eine persönliche Beziehung zu Jesus zu haben. Und was daran so wichtig ist.

Es bedeutet, nicht einem theologischen Programm zu folgen, sondern situativ auf das zu hören, das Jesus im Heiligen Geist oder durch die Bibel in unsere gegenwärte Situation hineinsprechen möchte. Mit Jesus in Beziehung zu stehen, bedeutet auf eine reale Persönlichkeit zu reagieren und nicht nur theologischen oder ethischen Richtlinien zu folgen. Eine reale Person überrascht, macht plötzlich einen Schlenker, spricht mit einem und hört im Gegenzug zu, lässt mit sich reden. Mit Jesus unterwegs zu sein, bedeutet permanent mit dem Unmöglichen zu rechnen und nicht zu wissen, wohin die Reise geht: Außer jener einen Gewissheit, Jesus geht sie mit uns, und bei ihm werden wir auch in der Ewigkeit bleiben.

Eine persönliche Beziehung zu haben, bedeutet auch, dass nicht das Rechthaben entscheidend ist, sondern wie nahe wir Jesus Christus stehen.

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