Die Zeit festhalten

Du kannst sie nicht einfach stoppen, das Rad zurückdrehen und noch einmal bei jenen Menschen in jenen Momenten sein, die dich so zum Lachen, deine Synapsen derart zum Leuchten brachten.

Ich bewege mich vorwärts durch den Strom der Zeit, verändere mich, meine Umgebung und Arbeitsstelle. Und dasselbe tun jene liebgewonnen Personen der Vergangenheit. Auch sie beenden ihr Studium, ziehen um, gründen eine neue Familie an einem neuen Ort. Die alte Zeit bleibt unvergessen, aber sie kommt nie wieder. Die Vergangenheit bleibt, wo sie hingehört.

Und doch wünschte ich manchmal noch einmal dort vor dem Wohnheim im Garten zu sitzen und dessen weiße Wand im Licht der Sonne zu beobachten. In jenem Moment kommt der kleine Alexander – Kind einer kenianischen Familie – und löchert mich in perfektem Schwäbisch neugierig mit seinen vorwitzigen Fragen. Nach einer gewissen Zeit geht es die bereits von Unkraut umzingelte Außentreppe nach unten in die Küche, wo seine Mutter Phylis Popcorn gemacht hat und allen großzügig eine Schüssel entgegenstreckt.

Was würde ich darum geben noch einmal durch jenen Park zu gehen und mit meinem besten Freund über die Gemeinde, die pakistanische Kultur oder die Bewohner unseres Wohnheims zu philosophieren. Stunden vergehen wie im Flug ehe wir müde und geistig gefüllt zurück in unsere Zimmer kommen. Doch bevor wir in ihnen zu Bett gehen vergehen erst noch ein bis zwei Stunden, in denen wir im Gang oder in der Küche kindischen Quatsch treiben – üblicherweise war 23 Uhr eine gute Zeit so richtig verrückt zu werden – oder toternst über Theologie diskutieren.

Doch so sehr ich diese Zeit und diese Leute vermisse, so sehr liebe ich die gegenwärtige Zeit. Ein neues Kapitel beginnt mit meiner geliebten Laura. Die lange Zeit des Junggesellendaseins ist zu Ende. Ich habe eine wunderschöne und geistlich sehr belebende Parnterin gefunden, mit der ich tanzen und lachen kann, die für mich da ist und für die ich da sein kann. Mein Leben erhält eine neue Qualität. Die Ehe nimmt mich auf, mit auf eine neue Reise, fort von der Einsamkeit. Mit ihr darf ich Gott ganz neu entdecken. Ihre Tatkraft erweckt neue Kräfte auch in mir.

Leider wird die Brücke zwischen der alten und der neuen Zeit nur unvollständig gelingen. Bereits viele Wege haben sich in den letzten 1,5 Jahren getrennt. Viele werden auf der Hochzeit nicht kommen können, da bereits ins Ausland verzogen oder gerade in den Wehen liegend.

Ich bin gespannt auf das Neue und doch vermisse ich die Einzigartigkeit jener vergangenen Tage. Ich habe Leute kennenlernen und mein Leben mit ihnen in einer so engen Gemeinschaft bestreiten dürfen, wie es sie heutzutage kaum noch gibt. Ich durfte mit jenen Christen aus aller Welt in diesem Wohnheim Gott und seine unendliche Liebe in einer Tiefe erleben, die ich kaum in Worte fassen kann. Ich bin mit einer der gesegnetesten Menschen dieser Erde. Und doch macht es mich wehmütig, jene Menschen jetzt nicht mehr an meiner Seite zu haben. Hoffentlich – so Gott will – kreuzen sich unsere Wege eines Tages wieder.

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Veröffentlicht in Beziehungen, Gemeinschaft, Leben

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