Autoritär oder liberal – vom Gleichnis des verlorenen Sohns

Woran erkenne ich autoritäre Gedankenstrukturen, gleich welcher politischen Färbung?

Der liberale Grundgedanke unseres Grundgesetzes besagt: Alle Macht geht vom Volk aus. Das heißt in einer repräsentativen Demokratie nicht notwendigerweise, dass jede Entscheidung per Volksabstimmung erfolgen muss, aber jede Machtausübung muss unmittelbar oder mittelbar auf das Volk zurückzuführen sein.

Grob vereinfacht kann man also sagen, die Gedanken des Volkes formen die Staatsmacht.

Autoritäre Staaten oder Ideologien haben die unangenehme Tendenz stets irgendwann zu versuchen den Spieß umzudrehen. Der Staat versucht die Gedanken des Volkes zu formen.

Ein beliebtes Mittel hierfür ist die Sprache. Man denke nur an die deutsche Geschichte und die Sprachverwirrungen des NS-Regimes oder der bürokratisierte Sprachstil der DDR. Die meisten entsinnen sich vielleicht noch an George Orwells Klassiker 1984, in dem ein sozialistisch-faschistisches Regime die Sprache derart umformte, dass kein regimekritischer Gedanke mehr ausgesprochen oder auch nur gedacht werden konnte.

Dem Liberalismus wird oft vorgeworfen sein Menschenbild sei unrealistisch gut. Der Liberalismus gehe fälschlicherweise von einem an sich guten Menschen aus, von einem mündigen Bürger, der seine Wahlentscheidungen rational und moralisch einwandfrei trifft. Dies sei jedoch nicht der Fall, der Mensch ist Produkt seiner Erziehung. Der Mensch müsse also erst durch Erziehung gut gemacht werden. Der Liberalismus und seine politische Verwirklichung in Form der Demokratie müsse daher in einer Katastrophe enden.

Autoritären Strukturen wiederum lässt sich entgegenbringen, dass ihr Menschenbild von der Masse vielleicht realistischer ist, das der Machthaber aber ebenso unrealistisch. Denn die Machthaber, die Erzieher, die Lenker des Staates sind keine besseren Menschen als die Menschen der breiten Masse. Misstraut man der breiten Masse und traut ihnen nicht die moralische Reife zu einen Staat zu lenken, muss man logischerweise auch dem oder den Machthabern misstrauen. Es gibt keinen logischen Grund, warum ausgerechnet sie sich dauerhaft auf außergewöhnliche Weise von der „Güte“ der Masse abheben sollten. Hinzu kommt die verlockende Verführung der Macht, die bei einzelnen Machthabern viel stärker wirkt, als bei auf die breite Masse verteilten Machtstrukturen.

Aus christlicher Sicht kann ich beiden Kritiken zustimmen. Der Mensch ist von Natur aus ein Sünder. Er ist nicht einfach gut und trifft einfach so gute Entscheidungen. Aber das gilt für die Machthaber genauso wie für die breite Masse des Volks. Der Vorteil der liberalen Gesellschaft ist nicht, dass sie moralischer Entscheidungen trifft. Aus christlicher Sicht keineswegs. Der Vorteil ist, dass ich in einer freien Gesellschaft meine Machthaber wieder loswerden kann. Weil Macht korrumpiert und absolute Macht absolut korrumpiert, werde ich auch in der bestgemeinten autoritären Gesellschaft niemals den erhofften „wohlwollenden“ Diktator bekommen. Ich bekomme am Ende immer einen Tyrannen, das beweisen all die vielen fehlgeschlagenen Versuche der Vergangenheit. Und so weit sollte ich es daher gar nicht erst kommen lassen.

Die Bibel zeigt mir ausgerechnet vom himmlischen Vater – dem einzig Wahren, dem Allmächtigen, der tatsächlich wohlwollend regieren würde wenn wir es zuließen – ein seltsam liberales Bild. Im Gleichnis vom verlorenen Sohn lässt ER – der Himmel und Erde erschaffen hat und mit einem Fingerschnippen Berge versetzen kann – seinen Sohn frei in die Irre laufen. Er gibt seinem rebellischen Sohn sein ganzes Erbteil und lässt ihn einfach ziehen, obwohl er weiß in welches Unglück er ziehen wird. Es ist dennoch die freie Entscheidung des fehlgeleiteten Sohns, er darf seine eigenen Erfahrungen machen. Der Vater schreibt ihm nicht vor, was er zu tun hat und wie er sein Erbteil ausgeben muss. Der Vater bleibt ihm einfach nur in absoluter Liebe treu und hofft darauf, dass sein Sohn eines Tages wieder zur Vernunft kommen wird. Der einzige, der durch seine Vorraussicht und seine unendliche Liebe zu den Menschen ein wahrhaft wohlwollender Diktator sein könnte, schafft ein vollkommen liberales System. Er drängt sich keinem auf und lässt einen jeden ziehen.

Darum: Bleibt wachsam und verlernt das Denken nicht!

Der, die, das Gendergap wird man in meinem Blog vergeblich suchen. Ich bin und bleibe Anhänger einer freien Gesellschaft und damit Gegner des Gender Mainstreams und anderer linksautoritärer Ideologien.

Eine freie Gesellschaft wird von den Gedanken der Menschen geformt, nicht umgekehrt, und schafft sich kein politisches Neusprech. Sie kann unterschiedliche Meinungen aushalten.

Und sie kann auch unterschiedliche Kulturen aushalten. Denn das nationale Volk ist nur ein irdisches, das ich mir nie erwählte. Meine eigentlich bedeutende Staatsbürgerschaft ist eine himmlische, die kein schwarz oder weiß kennt. In Christus ist der Nigerianer mein Bruder, noch mehr als mein irdischer. Darum auch eine Absage an Rechtsautoritäre.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: