Dreieinigkeit biblisch erklärt

Wie ist die Dreieinigkeit vor dem jüdischen Hintergrund eines strikt monotheistischen Glaubens zu verstehen?

Ich möchte hier angelehnt an N.T. Wright ein paar erklärende Akzente setzen.

Im jüdischen Glauben, waren Himmel und Erde – anders als im Platonismus, der unsere Vorstellungen stark prägte – keine fernen, strikt getrennten Welten. Dasselbe gilt für geistlich und materiell. Im antiken jüdischen Glauben wird geistlich keineswegs mit immateriell gleichgesetzt. Himmel und Erde sind vielmehr einander sehr nahe Welten, die sich durchdringen und an bestimmten Punkten in der Zeit oder im Raum sogar überlappen können. In der ursprünglichen Schöpfung waren Himmel und Erde gar eine Einheit. Erst die Rebellion gegen diese Schöpfungsordnung verschaffte der Schlange so viel negative „Energie“, dass Himmel und Erde voneinander getrennt wurden.

Ziel ist es nun in einer neuen Schöpfung diese Trennung zu überwinden, so dass am Ende aller Tage eine transformierte neue Erde und ein neuer Himmel eine wiedergewonnene Einheit bilden, mit Gott als König über Himmel wie auch Erde. Darüber habe ich schon manches geschrieben und werde noch manches schreiben.

Aber zurück zu Jesus und der Frage der Dreieinigkeit.

Um diese zu verstehen, müssen wir die Rolle des jüdischen Tempels verstehen lernen.

Der jüdische Tempel war einer jener Punkte im Raum, an dem Himmel und Erde sich überlappten. Bis zum babylonischen Exil war der Tempel und vor ihm die Stiftshütte der Ort im Raum, in den Gott seine Herrlichkeit einfließen ließ. Hier war Gott auf der Erde wahrhaft gegenwärtig. Dieser Ort war zugleich Teil der Erde und Teil des Himmels.

Die Propheten deuten an, dass Gott vor dem babylonischen Exil den Tempel als Ort seiner Gegenwart verließ und auch nachdem der zweite Tempel wiedererrichtet worden war noch nicht zum Tempel heimgekehrt ist. Die Propheten sprechen von einer Zukunft, in der Gott eines Tages wieder nach Zion zurückkommen und wieder in den Tempel heimkehren werde.

Nun kommen wir zur Rolle Jesu und seinem Selbstverständnis.

In den Reden Jesu wird deutlich, dass er sich mit diversen alttestamentlichen Prophezeiungen identifizierte und aus diesen eine Einheit schuf. So identifizierte er sich z.B. mit dem Menschensohn aus Daniel, dem verheißenen Messias und Richter der Welt, und mit dem Gottesknecht aus Jesaja, der die Sünden der Welt auf seine Schultern nehmen würde.

Jesus ging aber noch weiter. Er identifizierte sich als Person mit dem Tempel. Jesus Predigten lassen darauf schließen, dass er sich selbst als einen lebendigen Tempel betrachtete, als einen Tempel, der nicht aus Steinen sondern aus Fleisch und Blut gebaut war.

Nun kommen wir zurück zur Bedeutung des Tempels.

Der Tempel war der Ort, an dem Himmel und Erde sich überlappten. Es war der Ort, wo Gott gegenwärtig war. Mit anderen Worten glaubte Jesus, dass sich nun Himmel und Erde in IHM überlappten (wahrer Mensch und wahrer Gott), dass Gott nun in IHM gegenwärtig war, wie er es zuvor im Tempel gewesen war. Dies ist die Form der Dreieinigkeit wie sie jüdisch, undogmatisch und biblisch zu verstehen ist.

So wird auch dem Vaterunser „wie im Himmel, so auf Erden“ eine neue Richtung gegeben.
Der Himmel ist nichts fernes, das uns im Jenseits erwartet, sondern ein Reich, das erst im Tempel, dann in Jesus und wie wir gleich sehen auch in uns in die Erde hineinsticht, bis am Ende aller Tage Himmel und Erde wieder eins sind.

Und so wurde dann auch die Prophezeiung erfüllt, dass Gott heim nach Zion und zurück in den Tempel kommen werde. IN Jesus erfüllte sie sich. Die Rückkehr zum Tempel beinhaltet damit sogar eine dreifache Bedeutung. So kehrte er in Jesus in seinen lebendigen Tempel ein, in Jesus kehrte er aber auch in den steinernen Tempel nach Jerusalem zurück (siehe Geschichte von Jesus Tempelreinigung).

Die dritte Bedeutung ist aber für uns als gegenwärtige Christen am entscheidensten. Denn Jesus sagt auch zu seinen Nachfolgern, dass sie lebendige Steine werden sollen. Auch seine Nachfolger sollen ein Teil des lebendigen Tempels werden. So werden wir alle, die wir in Jesus hineingetauft wurden und den heiligen Geist empfangen haben – genau wie er – ebenfalls zu Tempeln des lebendigen Gottes. Paulus gebraucht dafür das Bild, dass wir alle im heiligen Geist zu einem Leib verschmelzen, mit Jesus als Haupt. Wir alle werden als Teil des lebendigen Tempels mit in die Dreieinigkeit hineingenommen.

Die Bibel spricht ausdrücklich davon, dass wir unsere Leiber wie einen Tempel behandeln sollen. Weil er nun der Tempel Gottes ist.

Und die Bedeutung des Tempels ist:
Im Tempel überlappen sich Himmel und Erde … überlappen heißt er ist gleichzeitig Teil des Himmels und Teil der Erde … bis eines Tages der ganze Himmel und die ganze Erde so transformiert werden, dass sie sich nicht nur überlappen sondern wieder ganz eins werden.

Und als Tempel Gottes war Gott in Jesus gegenwärtig und auch wir können Teil dieser Dreieinigkeit werden, Teil des Reichs Gottes!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: