Der Himmel ist kein ferner Ort

Im christlichen Glaube geht es, anders als es viele vermuten, gar nicht darum in den Himmel zu kommen. Im Kern geht es um die gute Botschaft: Gott wird wieder König dieser Erde. Die Hoffnung ist: Wie im Himmel so auf Erden. Es geht um eine neue Schöpfung. Und Jesus ist der Prototyp. Seine Auferstehung ist ein Vorgeschmack auf die neue Schöpfung, die uns alle erwartet.

Himmel und Erde sind auch nicht sehr ferne Dinge, die nichts miteinander zu tun haben. Es sind nicht wir Menschen „da unten“ und das Göttliche irgendwo weit entfernt „da oben“. Himmel und Erde trennt nur ein schmaler Schleier und hier und da überlappen sie sich sogar. Hier und da sticht etwas Himmel in die Erde hinein. Am Anfang waren sie eins, erst danach entstand der Schleier. Am Ende wird Gott seine Herrlichkeit wieder in die materielle Welt einfließen lassen und sie damit vollkommen durchdringen, so dass es wieder heißen wird: Die Erde ist der Himmel.

Damit durchkreuzt Christus die griechische Philosophie, die in Form von Platon die Wurzel allen Übels in den materiellen Dingen sah, und als Heil die Überwindung alles Materiellen. Die Folge war ein körper-feindliches Weltbild, eine Überhöhung des Immateriellen, der Seele. Und die Folge war, dass man sich nicht mehr um das Hier und Jetzt zu sorgen brauchte oder sich sogar davon „weltfremd“ zurückzog, da ja das eigentlich Wahre erst im fernen, immateriellen Jenseits „da oben“ stattfinden würde. Leider hat dieser platonische Gedanke das ganze westliche Denken invasiert und im Mittelalter sogar die eigentlich christlichen Kirchen überrannt. So dass viele heutigen Zeitgenossen den dualistischen, körperfeindlichen Platonismus für christlich halten.

Aber zunehmend finden Christen zur ursprünglichen Botschaft zurück:

  1. Die Schöpfung ist gut.
  2. Gott wollte das Materielle und auch die zukünftige Hoffnung (neue Schöpfung) wird leiblich sein.
  3. Die Schöpfung ist aber nicht gleich Gott (Ablehnung des Panteismus). Gott hat aus Liebe etwas anderes als sich selbst geschaffen und diesem einen freien Willen geschenkt.
  4. Die Schöpfung ist gefallen und wird seither von Tod und Teufel beherrscht.
  5. Die Schöpfung wird eines Tages von Gott wieder zu dem transformiert werden, das sie von Beginn an sein sollte.
  6. Die Transformation hat vor 2000 Jahren mit der Auferstehung von Jesus, dem Christus, begonnen.
  7. Bereits jetzt sticht Reich Gottes unsichtbar in diese Welt hinein, immer dort, wo der Heilige Geist am Werk ist. Jesus ist bereits jetzt zum König gekrönt. Aber sein Werk ist noch nicht vollendet.
  8. Die Auferstehung ist ein Vorzeichen dafür, was mit dem ganzen Kosmos geschehen wird.
  9. Ziel des Christen ist es also nicht in den Himmel zu kommen.
  10. Ziel des Christen ist die Auferstehung des ganzen Kosmos, auf dass es wieder heißt: Wie im Himmel so auf Erden bzw. Gott lebt wieder mitten unter seinen Geschöpfen, Himmel und Erde werden wiedervereinigt.
  11. In einem zweiten Schöpfungsakt werden alle Jesus-Leute und mit ihnen die ganze Schöpfung in einer großen Auferstehung erneuert (siehe neuer Himmel, neue Erde, neues Jerusalem).
  12. Wir werden nicht als bloße Seelen oder Geister in ein immaterielles Jenseits eingehen. Es wird eine materielle Auferstehung sein.
  13. Jesus hat den Tod in seiner Auferstehung besiegt. In der zweiten Schöpfung wird der Tod besiegt worden sein.

Das führt mich zu einer ganz anderen Betrachtung der Welt und ganz anderen Konsequenzen.

Ich erkenne, mein Körper, meine Sinne und die Schöpfung sind gottgewollt. Ich wertschätze sie. Sie sind etwas Tolles und sie werden auch in Gottes neuer Schöpfung auf irgendeine Wese vorhanden sein. Sie sind jedoch nicht Gott und noch nicht mit Gott wiedervereinigt, d.h. Bösem ausgesetzt, Leid, Tod und Verwesung. Aber Jesus ist auferstanden, ich kann sie bereits jetzt in Jesus ein Stück Himmel erfahren lassen.

Es bringt mich auch dazu zu verstehen, warum Jesus die Kranken und Lahmen nicht auf ein fernes Jenseits vertröstete, dass dieses Hier und Jetzt wichtig ist. Weil Gott uns nicht daraus befreien möchte, es nicht zu einer blassen Erinnerung macht, sondern in Mitten des Leids der Schöpfung einen neuen Schöpfungsakt begehen will. Das Hier und Jetzt ist wichtig und wird in der Auferstehung münden.

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