Das Babylon System – systemimmanente Gottlosigkeit

Obgleich ich in meinem vorigen Beitrag den Gender-Pay-Gap zurückgewiesen habe, muss ich noch etwas zum Thema Ungerechtigkeit sagen. Ungerechtigkeit ist sehr wohl vorhanden und das systemimmanent. Aber auf einer weit höheren systemischen Ebene als die heimtückische Benachteiligung einzelner Personengruppen durch ein auf ominöse Weise organisiertes und zementiertes Patriarchat.

Der kapitalistische Markt würde ein solches Patriarchat gar nicht zur vollen Entfaltung kommen lassen. Der kapitalistische Markt ist – anders als der einst patriarchale Feudalismus – in seinen schumpeterischen Mechanismen viel besser evolutionsbiologisch zu verstehen. „Survival of the fittest“ ist ein elementares Prinzip von Konkurrenzsystemen. Und der kapitalistische Markt ist ein solches Konkurrenzsystem, er ist auf Wettbewerb ausgelegt. Verzichtet oder diskriminiert ein Unternehmen aus ideologischen Gründen das Arbeitspotential von 50% der (weiblichen) Bevölkerung wird es auf kurz oder lang im Wettbewerb Probleme bekommen. Denn Unternehmen, welche diese 50% nicht ausklammern oder diskriminieren, werden bedeutend bessere Chancen haben aufgrund eines größeren Bewerberpools passendes Personal zu finden und flexibel auf Marktveränderungen und Knappheiten zu reagieren. Mit anderen Worten, es ist „fitter“. Fälschlicherweise wird dieses Evolutionsprinzip im Deutschen oft mit Überleben des Stärken übersetzt, bedeuet aber eigentlich Überleben des Anpassungsfähigeren. Und wie in der Natur ein großer Genpool die Anpassungsfähigkeit verbessert, gilt dies auch für einen möglichst breiten Kapitalpool, Humankapital (Arbeitnehmer) eingeschlossen.

Wer bei den gewählten Begrifflichkeiten und Argumentationsketten einen kalten Schauer bekommt, der täuscht trotzdem nicht. Diese Logik ist sehr kühl und durch und durch „sozialdarwinistisch“. Was ihr fehlt ist jeglicher Sinn für Moral und Ethik, für gerechte Verteilung und für unveräußerliche Rechte. Das Wirtschaftssystem ist an sich a-moralisch. Und wenn kein Mensch dahinter steht, der es reguliert, kann es sogar a-sozial werden.

Was das Marktsystem besser kann als jedes andere – weswegen jegliche sozialistische Planwirtschaft zum Scheitern verurteilt war – : Es kann besser als alle anderen Systeme durch Wettbewerb die effizienteste aller Methoden herauskitzeln und Wachstum generieren. Die Effizienz wird von Ökonomen an Hand des Pareto-Optimums beschrieben. Nehmen wir an es gibt nur 2 Menschen auf der Welt. Der effizienteste Zustand zwischen diesen zwei Menschen wurde dann erreicht, wenn keiner von beiden sich verbessern kann, ohne dass der andere sich verschlechtert.

Das ist ein gutes Effizienzkriterium, aber ein sehr schlechtes Gerechtigkeitskriterium. Denken wir es zu Ende: Wenn einer von beiden alles besitzt und der andere gar nichts, wird das Kriterium erfüllt. Das wäre auch ein pareto-optimaler Zustand. Der nichts besitzt kann sich nicht verbessern, ohne dem anderen etwas wegzunehmen. Es gibt keinen Zustand, der insgesamt besser wäre. Aber die Verteilung zwischen beiden ist ungerecht, es ist der effizienteste und trotzdem auch der a-sozialste denkbare Zustand.

Und nun nehmen wir einen Aspekt hinzu, den Soziologen gegenwärtig zunehmend beobachten: Die Ökonomisierung unserer Gesellschaft. Die Ökonomisierung zwischenmenschlicher Beziehungen.

Dieses oben beschriebene Wettbewerbsdenken greift zunehmend von der kapitalistischen Wirtschaft auf unsere normalen Alltagsbeziehungen über. Auch weil die Grenzen zwischen Wirtschaft und Alltag verschwimmen. Dem Wettbewerbsdenken wohnt das Denken in Alternativen inne. Ist das IPhone oder Samsung besser? Ich vergleiche die technischen Details und setze sie ins Verhältnis zum Preis. Was mir subjektiv das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bietet, das wähle ich. Und 1 Jahr später komm ein neues IPhone und Samsung auf den Markt und auch die Chinesen haben plötzlich einen eigenen Anbieter. Ich beginne von Neuem zu vergleichen und von Neuem zu rechnen und meine vorige Entscheidung zu revidieren.

Nun überlegen Sie, was passiert, wenn diese Prinzipien auf alle Bereiche des Lebens übertragen werden. Wenn dieses Phänomen nun z.B. auch auf Beziehungen zwischen Menschen übergreift begreifen wir aktuelle Beobachtungen: Zunehmende Partnerwechsel, Scheidungen, Verlustängste, Untreue, Bindungsängste, die Unfähigkeit Entscheidungen zu treffen und bei diesen zu bleiben, zerbrochene Familien, Misstrauen und Paranoia gegenüber anderen Menschen, der Politik, den Medien, Abtreibung behinderter Menschen, Abschiebung alter und kranker Menschen, jeglicher Verlust von Stabilität und Werten. Was für den kapitalistischen Markt konstitutionell ist, zerfrisst unsere menschlichen Beziehungen und hetzt uns gegeneinander auf, bis der Sozialdarwinismus alles durchfrisst.

Denn das oberste Prinzip dieser Ökonomisierung lautet: Nutzenmaximierung. Mein Nutzen, den ICH aus allen Dingen Ziehe. Es ist die Ursünde, die hier wieder zugreift: Ich will Gott sein und nicht Gott als meinen Gott akzeptieren. Das Geld kann als messbares Substitut zum Nutzen dienen. Doch die Bibel warnt ganz klar: Man kann nur einem Herrn dienen, entweder dem Geld oder Gott.

Wir erkennen in einem System zu leben, das wider-göttlich ist. Auf einer weit höheren Ebene als Gender-Pay-Gaps. Und weit weniger leicht zu überwinden … ohne Erlösung durch den einen wahren, lebendigen Gott.

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