Christ und Demokrat

Als Paulus in das römische Imperium auszog, um die gute Nachricht von einem neuen König zu verkünden, war die Botschaft weitaus leichter anzunehmen als sie es in der heutigen westlichen Welt ist. Damals herrschten Caesaren, römische Kaiser, über beinahe die gesamte bekannte Welt. Für viele Menschen war die Verkündigung eines neuen Königs, der Frieden und Gerechtigkeit vertrat, heilsam und befreiend. Für sie war es eine Hoffnung bringende Wende.

Heute jedoch leben wir in einer Demokratie und nicht mehr unter der Fuchtel grausamer Kaiser. Wir sind unsere eigenen Herren geworden, bestimmen unser Schicksal selbst. Die Verkündigung eines neuen Königs erweckt in uns keine Hoffnungen, sondern erzeugt Angst. Wir haben lange genug unter den Gewalten fremder Herrscher gelebt. Die Aussicht auf einen neuen König, so gut er auch sein mag, klingt nach einem Verlust von Freiheit und Glück. Die Botschaft zieht nicht mehr wie sie es in Monarchien und Diktaturen tat. Die Zeit von Fremdherrschaft scheint vorüber, wir sind mündig geworden. Das wollen wir um keinen Preis der Welt aufgeben.

Und dennoch müssen wir eines Tages erkennen, dass wir keineswegs unser eigener Herr sind. Spätestens wenn die sog. Mutter Natur ihr gewalttätiges Gesicht zeigt und Fluten unser Haus wegschwemmen oder Erdbeben unsere selbstgemachte Scheinwelt verwüsten, erkennen wir unsere Abhängigkeiten und dass wir nicht so viel unter Kontrolle haben wie wir glauben. Oft sind es die Krankheiten des Alters, eines zunehmend schwächer werdenden Körpers und langsamer denkenden Verstands, die uns aufzeigen, dass wir nicht unser eigener Herr sind und wie abhängig wir von äußeren Begebenheiten sind. Eine Krise oder längere Arbeitslosigkeit und wir nehmen erst wirklich wahr, welche Herren über unser Schicksal herrschen. Aber schon im Kleinen zeigt uns die moderne Psychologie die Gebundenheit und Unfreiheit unserers Wesens auf. Und wenn wir ratlos vor Klimaerwärmung, Millionen Flüchtlingen oder den herzlosen Gesetzmäßigkeiten der Marktwirtschaft stehen, begreifen wir, dass wir dem Utopia nicht so nahe sind wie wir es gerne hätten.

Welche Hoffnung ist und bleibt darin enthalten, dass ein neuer König das Ruder an sich gerissen hat: Denn Jesus hat nicht nur als politischer König den Thron bestiegen, sondern als Messias und Menschensohn, auf dass nicht nur die Politik, nicht nur wir Menschen, sondern die ganze Schöpfung erneuert werde und am Ende sogar „die Wölfe bei den Lämmern wohnen und die Panther bei den Böcken lagern“ (Jesaja 11)

Und wir müssen die bitter erkämpfte Freiheit unserer heutigen Demokratie unter diesem neuen König gar nicht beweinen. Die Offenbarung des Johannes und auch der Petrusbriefe spricht von einer neuen Weltordnung, die unter Jesus Herrschaft ankommt und nach ganz anderen Mustern verläuft als die Herrschaft menschlicher Könige: Hier sind wir als Miterben mit Jesus zusammen als Könige und Priester berufen, hier wird der Kleinste der Größte sein, der Diener wird zum Höchsten erhöht werden, der Letzte wird der Erste sein und den Armen das Reich Gottes gehören…

Lasst uns anfangen, dieses Reich zu bauen. Wie im Himmel…so auf Erden.

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Veröffentlicht in Blog, Philosophie, Politik, Theologie

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