Von der Beschaffenheit des Innersten des Menschen

An einer Frage spalten sich menschliche Philosophien und Religionen, die unser Weltbild aber bis in die tiefsten Enden unseres Denkens und Erlebens prägen:

Ist der Mensch in seinem tiefsten Inneren gut oder ist er schlecht?

Die christliche Antwort ist ernüchternd und herausfordernd, sie greift unsere Eitelkeit an. Sie nämlich sagt: Der Mensch ist ein verlorener Sünder.

Von Gott getrennt ist das Böse sein „natürlicher Zustand“. Es benötigt eine große, aktive Anstrengung, um sich dem Guten zuzuwenden.

Nun wird der Mensch aber nicht in dieser demütigenden Selbsterkenntnis belassen. Ja, das Böse beherrscht die Welt und ist der „natürliche Zustand“ seines Wesens. Aber es war nicht unser Soll-Zustand.

Daher kommt nun die rettende Botschaft, dass Gott uns und die ganze Schöpfung nicht darin belassen möchte sondern zurück zu unserem Soll-Zustand bringen möchte … durch die erlösende Kraft der Liebe … durch die Hingabe von Jesus Christus am Kreuz … durch den zweiten Schöpfungsakt der Auferstehung, worin Jesus Tod und Teufel besiegt.

Mit SEINER rettenden Hand, die meine Hand feste greift und mich aus der Dunkelheit der Verdammnis reißt, stehe ich aber vor einem Rätsel:

Hat nun Gott mich so angenommen wie ich bin … dann hieße das ich könne in dem Bösen bleiben, das mein Herz umrankt. Schließlich hat er mich genau so angenommen. Er liebt mich doch so wie ich bin! Ist es nicht authentisch einfach so zu bleiben, wie ich bin? Ist alles andere nicht fromme Heuchelei?

Andererseits werden die Gebote doch nirgends aufgehoben. Der Gott, der so viel Gutes will, hat mich doch gewiss nicht gerettet um danach weiterhin stehlend und ehebrechend durch die Welt zu ziehen. Die Gebote haben ihren Sinn!

Und beides ist wahr. Wir müssen unseren Blick weiten.
Gott will das Gute! Und Gott will das Authentische.

Das bedeutet es muss irgendeine Form der Entwicklung vor uns liegen. Und zwar nicht nur eine äußerliche Entwicklung, in der ich sklavisch irgendwelche unverständlichen Gebote einhalte und die Bibel als Gesetzbuch verstehe. Es muss eine innere Entwicklung geben, eine Veränderung des inneren Menschen!
Und diese gibt es … angetrieben und bewirkt vom Heiligen Geist…aber unter unserer Mitwirkung. Denn der Heilige Geist wirkt nur, wo wir es zulassen und bejahen und mittragen.
Mit anderen Worten, der wir sind, unser authentisches Ich soll und wird Jesus immer ähnlicher werden…In Glaubensübungen üben wir die Tugenden Christis ein: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung. Unser altes Ich nimmt ab und Christi in uns nimmt zu.

Der nette Nebeneffekt ist: In dem wir uns diese zweite Natur aneignen erfüllen wir ganz automatisch das Gesetz, tun automatisch das Gute…und sind gleichzeitig authentisch wir selbst, ohne uns abmühen zu müssen. Aber wir sind nicht mehr das sündige Selbst des Alten Menschen sondern das jesusähnliche Selbst, das Kraft aus der Beziehung mit Gott zieht und eine ganz neue Weltanschauung und ganz neue Empfindungen in sich trägt.

Jedoch dürfen wir uns nie selbst täuschen…das alte Selbst mit dem Bösen als natürlicher Zustand bleibt bei uns und wird uns weiter plagen, erst im Tod vergeht es endgültig. Das jesusähnliche Selbst wiederum wird erst nach dem Tod in unserer Auferstehung ganz und gar unser wahres Selbst sein, uns erst in der neuen Welt vollständig beherrschen.

 

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