Sind wir Menschen nichts weiter als Maschinen?

Ist der menschliche Körper nichts weiter als eine biologische Maschine, zusammengehalten nicht von Drähten und Schrauben, sondern von Zellen, die Knochen, Haut und Muskeln formen? Unser Betriebssystem ist das Bewusstsein und das Gehirn sein Computer, ein verschachteltes, sich flexibel anpassendes Netz an elektronischen Schaltungen, aus Nervenzellen, Synapsen, Neurotransmittern, …

Die Vorstellung des Menschen als Maschine ist verführerisch und beängstigend zugleich. Es ist die Spitze dessen, was man materialistische Reduktion nennt. Wir sind nichts weiter als Materie, die Summe dieser Materie bildet uns. Die Konsequenz ist, dass unser menschliches Leben nichts Mystisches sondern etwas Maschinenhaftes hat und kein Leben jenseits der Deaktivierung, des Todes, zu entdecken ist.

Das Bedrohliche an diesem Weltbild liegt darin, dass Maschinen gebaut werden, um einen Nutzen zu erfüllen. Doch bleibt in einer materialistisch reduzierten Weltanschauung weder ein Bezugssystem, diesen Nutzen zu messen, noch eine rationale Verwendung für „nutzlos“ gewordene menschliche Maschinen.

Andererseits deckt sich diese Vorstellung mit unserer Beobachtungswelt. Insbesondere wenn es zu Krankheiten kommt, lässt sich der Körper doch auf diese Weise erstaunlich gut beschreiben. Im Defizit des Kranken, Behinderten, Verstümmelten, … entdecken wir die Funktionsweisen der Körperteile und wie diese absterben ohne gute Durchblutung (Ressourcenzuführung), wie Zahnräder ineinandergreifen, von künstlichen Protesen ersetzt werden können, ganz wie eine biologische Maschine zu funktionieren scheinen…

Das Weltbild greift m.E. jedoch zu kurz. Denn implizit unterstellt es einen Dualismus:

Dass fassbare Materie und „mystischer“ Geist einander ausschließen. Das Gegenstück zu einer materialistisch reduzierten Wirklichkeitsanschauung muss eine immaterielle, unphysikalische Wirklichkeit sein.

Das ist aber keineswegs der Fall. Materie und Geist könnten in der Tat nicht dualistische Gegensätze sondern sich ergänzende und bedingende Komplementäre sein.

Jesus Christus dient hier als Urprinzip. Sein auferstandener Körper war physisch, wenngleich anders als sein physischer Körper vor Kreuzigung. Gerade im jüdisch-christlichen Glauben spielen Geist und Körper keine Widersprüche. Geist, Seele und Körper sind ineinander verwoben. Oft äußern sich geistliche Erlebnisse (z.B. Visionen) in seelischen Ereignissen (Träume), die bewiesermaßen mit dem materiellen Körper interagieren (siehe psychosomatische Forschung, das zunehmend als komplex erkannte Wechselspiel zwischen Psyche (Seele) und Körper, körperliche Befinden, die sich in seelischen Erlebnissen ausdrücken…).

Und so kann der Mensch gleichzeitig eine ganz und gar physikalische, maschinenhaft scheinende körperliche Biologie haben, aber auch eine geistliche Hoffnung, die das rein Materielle transzendiert, und sogar einen Gott über Raum und Zeit.

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Veröffentlicht in Alltag, Blog, Philosophie, Theologie
2 comments on “Sind wir Menschen nichts weiter als Maschinen?
  1. Reiner sagt:

    🙂
    Es ist und bleibt leider zwiespältig. Beruflich habe ich eine Funktion, die ich auszufüllen habe, für die ich bezahlt werde.

    Als Mensch bin ich zu Materie gewordenes Bewußtsein, mit diesen meinen Anlagen auf Erden. Der einzige Sinn hier ist Besserung, Fortschritt, Entwicklung, weg vom gierigen Ego hin zu den anderen Menschen.

    Das, was die „Welt da draußen“ uns glauben machen möchte, dient überwiegend dem Ziel, uns als Funktionsträger zu erhalten. Davon leben wir als Staaten-Gemeinschaft. Wer nicht zu tief gräbt, kommt damit irgendwie klar. Zumal es viele Möglichkeiten gibt, mich als Mensch weiter zu entwickeln. Fängt hier zuhause an 😉

    Lieben Gruß aus dem Tal der Wupper!

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    • ananda75 sagt:

      grad gestern Morgen hörte ich (hab jetzt die Hörbücher entdeckt, zum morgens laufen lassen, um dem Tag die richtige Richtung zu geben 😉
      den Dalai Lama zum Thema Religion und Wissenschaft
      Das Empfinden der Freude über einen strahlenden Frühlingstag, die Trauer über den Verlust eines geliebten Menschen, die tiefe Sammlung in der Meditation etcpppppppp…………..
      In diesem Zusammenhang – das kann keine Wissenschaft erfassen.
      Zu deinem Thema – das kann wohl auch keine Maschine erleben.

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