Von der Heiligung

Heiligung in der Theorie

Heiligung ist der Prozess, in dem der Heilige Geist in unserem Herzen wirkt. Dadurch verändert sich unser Handeln und Denken, ja sogar das Fühlen. Es ist das Gegenstück zur äußerlichen pharisäerischen Gesetzlichkeit.

Ich habe schon oft davon geschrieben, dass wir im Heiligen Geist eine mächtige Kraft empfangen, in der wir intim mit Gott in Kontakt treten können. Oft verleiht der Heilige Geist sogar Gaben.

Diese Kraft ist eine verändernde, eine schöpferische Kraft, sie arbeitet in uns – wenn wir es zulassen. Wie es im Alten Testament angekündigt wurde, werden mit ihr Gottes Gebote in unser Herz gegossen.

Die Pharisäer glaubten durch eine strenge Gesetzesbefolgung den Weg zum Himmel verdienen zu können. Innerlich aber waren sie überheblich und dem Sinn der Gebote, die sie so kleinlichst einhielten, ferner als die meisten Gesetzesbrecher.

Christen bestreiten einen anderen Weg: Sie sind in Gnade errettet, ganz ohne eigenen Verdienst. Sie müssen die Gebote nicht einhalten, um in den Himmel zu kommen. Mit ihrer Taufe und Bekehrung empfangen sie aber den Heiligen Geist, der sie innerlich in ihrem Charakter verändert. Ohne es je angestrebt zu haben befolgen sie damit ganz automatisch die Gebote, da es ihnen fortan innerlich weh tut sie zu brechen, sie innerlich Jesus immer ähnlicher werden.

Wie sieht das in der Praxis aus?

Das klingt ja theologisch alles ganz nett. Aber wie soll man sich das praktisch vorstellen?

In der Praxis ist Heiligung selbstverständlich immer nur ein Prozess, ein Weg. Wir erreichen nie Vollkommenheit, vor unserem Tod werden wir das Böse in uns nie ganz los. Demut ist hier ganz wichtig. Wir werden nie etwas besseres als der schlechteste Mensch, bleiben immer in Gnade gerettete Sünder.

Auch geschieht der Prozess nicht auf einen Schlag. Es braucht manchmal Jahre bis eine Veränderung durchbricht. Alles hat eben seine Zeit und seinen Zeitpunkt. Wichtig ist das stete Gebet, das Lesen der Bibel und das aktive Hören auf den Heiligen Geist.

Ich habe an mir einige Veränderungen erlebt. Wie sich mein Geschmack komplett änderte, ich andere Dinge für erstrebenswert halte als früher. Wie ich Pornografie, die für junge Männer im Internetzeitalter so leicht verfügbar ist, von einem Moment auf den anderen den Rücken kehrte. Andere Erkenntnisse kamen erst nach Jahren, manche stehen noch vor mir.

Manchmal kommt es im Traum. Im Traum erhaschte mich so manches Mal plötzlich die Erkenntnis, dass etwas, das ich für selbstverständlich hielt, gar nicht in Gottes Sinn ist. Und plötzlich fühlte ich mich für einige Tage richtig mies, wie ein Verbrecher. Ich konnte mich selbst nicht ertragen, sah im Spiegel nur einen schlechten Menschen. Die Konsequenz war, dass im selben Zeitraum das Bedürfnis nach dieser Aktivität in mir erstarb. Ich konnte sie nicht mehr ausüben, ohne das schreckliche Spiegelbild und jenen Traum vor mir zu sehen. Manchmal rebellierte ich anfangs, aber irgendwann gab ich die Sünde auf.

Und das erstaunliche: Sie fehlt mir keineswegs. Diese Sünde fällt vielmehr wie eine Last von mir. Denn man wusste ja schon damals, dass es nicht in Ordnung ist (z.B. illegal Filme zu streamen). Aber man war wie im Rausch. Alle taten es! Tausend Rechtfertigungen fielen mir ein. Und rechtlich ist es bis heute eine Grauzone. Mit der inneren Veränderung aber fällt all dies wie ein Stein vom Herz. Denn man ist vom Rausch befreit.  Man ist endlich frei!

Lässt man die Veränderung zu (die altdeutsch Buße genannt wird) fällt auch das schlechte Gefühl mit der Zeit wieder von einem. Im Abendmahl kann man sich reinwaschen lassen und sich mit seinem alten Verbrecherselbst versöhnen.

Die Veränderungen beschränken sich aber lange nicht auf das Nicht-Tun von Sünde. Sünden sind ein Hindernis, eine Mauer, die uns von Gott und dem Guten trennt. Hat man sie beiseite geschoben, warten noch viel größere Veränderungen auf einen: Die Einkehr inneren Friedens, ein Übermaß göttlicher Liebe, die mein Herz erobert, Geduld mit auch den anstrengenden Mitmenschen, der Wunsch dass es auch den bösartigen Kollegen gut geht, dass das Gute in der Welt siegt…

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: