Von Härte und Sanftmut

Manchmal muss das Wort zum Sonntag, wenn es von einem Pfarrer vorgetragen wird, einem Nachfolger Jesu, auch einmal weh tun.

Es gibt immer wieder auch die Stunde aufzustehen und ein hartes Wort zu predigen. Auch wenn alle Welt es für falsch hält und sich in ihrem Relativismus verliert. Gerade wenn wir keine absoluten Werte mehr kennen, muss der Christ hart dazwischengehen und für etwas einstehen, auch wenn es weh tut, auch wenn keiner es hören möchte. Wenn sogar wir die Augen verschließen, wer sollte dann noch übrig bleiben um Gottes Werte in diese Welt zu tragen?

Auf der anderen Seite ist das Licht, das wir in die Welt tragen wollen, ein sanftes Licht. Bei uns ist es der Schwache, der in Gott mächtig ist, der Letzte wird zum Ersten, der Kleine kommt ganz groß raus. Gottes Weg sich mit den Menschen zu versöhnen geschah nicht in einer frontalen Breitseite seines Himmelsheers, nicht durch Gewalt, sondern in Selbstaufopferung und Liebe. In seiner Menschwerdung in einem kleinen Stall und seinem demütigen Gang zu Golgatha ans Kreuz und nicht auf dem Schlachtfeld.

Uns Menschen gelingt nicht immer der Spagat zwischen nötiger Klarheit in der Überzeugung und noch viel nötigerer Sanftmut zum Menschen. Im Studium ist mir beigebracht worden, dass die beste Art geschäftlich mit anderen Menschen umzugehen darin bestünde hart in der Sache zu argumentieren, den Menschen aber weich und respektvoll zu begegnen. Auch auf diesem Blog mag dieser Balanceakt nicht immer gelingen.

Jesus konnte diesen auf eindrückliche Weise tun. Denn er vermochte als Sohn Gottes etwas, das uns oft fehlt: IN das Herz seines Gegenübers zu schauen. Und so ging er mit dem oft draufgängerischen Petrus gerne einmal sehr grob um. Nicht aus Bosheit, sondern weil Petrus mit seiner extrovertierten Persönlichkeit dieses harte Wort benötigte, um sich weiterzuentwickeln. Gleichzeitig hatte Jesus aber auch zartbesaitetere Jünger in seinem Kreis. Auf sie reagiert er wesentlich einfühlsamer und ganz ihrer feinfühligen Persönlichkeit entsprechend. Jesus weiß, wann er mit strenger Härte gegen arrogante Pharisäer wüten musste und wann es an der Zeit war wie beim neugierigen Pharisäer Nikodemus geduldig auf dessen echtes Interesse einzugehen. Jesus vertreibt die Geschäftsmänner rabiat aus seinem Tempel und geht andererseits liebevoll auf die sich innerlich quälende Maria Magdalena ein.

Beides braucht es: Eine feste Überzeugung, die je nach Situation auch einmal ein hartes Wort hervorbringt, und einfühlsame Liebe. Die Liebe aber ist immer ein Stück wichtiger als alles andere und muss selbst die streitbare Überzeugung voll und ganz umhüllen.

 

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Veröffentlicht in Blog, Theologie
One comment on “Von Härte und Sanftmut
  1. Das trifft! Ich wünsche mir ,dass ich diesen Balanceakt schaffe. Leider gehen allzuoft die Emotionen mit mir durch.

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