Von der Verführung

Die verführerischste Macht auf Erden ist die des Todes. Alle kurzweiligen aber auf lange Frist destruktiven Verlockungen sind letztlich von der Macht des Todes getrieben.

Der Tod umgarnt uns wie dichter Nebel, liebreizend eingekleitet streicht er über uns, zieht uns an sich. Die gewisse Sicherheit von Vergänglichkeit und Verfall stehen an seiner Seite. Lust, Gier und allerlei Betäubendes sind seine Begleiter, sie bieten sich den Menschen in Anbetracht ihres Todes an. Ihr Geruch lockt betörend in die Falle. Die Menschen in ihrer Not lauschen besonders aufmerksam, wenn sich die Stimme des Todes wie Sirenenklänge in ihre Ohren träufelt. Schmecken sie seinen süßen Kuss auf ihren Lippen, schlägt das Herz lebendig wie nie. Wild pocht es in den Adern, wenn er seinen großen Auftritt hat und seine kräftige Gestalt aus dem Schatten tritt, seine Aura den Raum erfüllt.

Der Mensch wird entweder weise oder wahnsinnig, wenn er dem Tod begegnet.

Der Weise kennt das Kreuz und lernt daraus. Der Wahnsinnige sieht nur sich und seinen Verfall, verliert sich in des Todes Begleitern, im Wahn ihm dort entfliehen zu können, und macht auf diese Weise die Welt zum Irrenhaus, sich selbst zum Totengräber.

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Veröffentlicht in Blog, Theologie

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