Fahrt durch den Schnee

Es ist eine eigentümlich wunderschöne und gleichzeitig gruslige Atmosphäre.  Die Sicht nach vorne beträgt nur wenige Meter und vom Vordermann ist nicht mehr als seine Rücklichter zu erkennen. Schneeflocken strömen der Windschutzscheibe entgegen, manchmal scheint es sie verformten sich zu Streifen, als wäre die Scheibe magnetisch und sie stürzten sich auf sie. Die Gefühle sind hin- und hergerissen zwischen, „so hätte es Weihnachten aussehen sollen“, und „wenn jetzt am Wegrand plötzlich ein Mensch wie aus dem Nichts erschiene gäbe das einen krassen Horrorfilm“.

Manchmal ist das Leben nicht anders als diese Szenerie. Die Sicht nach vorne ist getrübt. Etwas strömt uns scheinbar entgegen. In Wirklichkeit sind es aber wir, die uns nach vorne bewegen. Die Gefühle sind sich uneins. einerseits von der reinen Schönheit der Schöpfung eingefangen, andererseits furchtsam und allerlei Fragen ausgesetzt. Unser fragender Blick auf die Welt ist aber ihrerseits Schönheit in sich selbst. Ein Horrofilm sogar ist eigentlich nichts Schlechtes, die Gruselatmosphäre hat ihre eigene innere, reizvolle Anmut.

Wir Menschen sind die einzigen zu Selbstbewusstsein fähigen Lebewesen, von denen wir wissen. Wir öffnen unsere Augen und machen uns Gedanken über alles, das sie vor sich erblicken. Über uns selbst und das Universum um uns. Was ist unser Platz in ihm, was ist das Universum, wer sind wir, was fangen wir mit jener gegenwärtigen Szenerie an? Wir können uns und die Welt von außen betrachten. Uns, sie und alle Dinge hinterfragen. Auch die Furcht ist ein Resultat dessen, dass wir die Dinge von außen beobachten und durchdenken können, auf diese Weise eben auch in seinen Risiken und Gefahren. Aber genau diese Fähigkeit schenkt uns außerdem die einmalige Gabe Schönheit zu erkennen und die Rätselhaftigkeit aller Dinge. Daraus erwachsen Philosophien, Religionen und tausend wunderschöne Gedichte und Geschichten.

Der Schnee kalt und jede Flocke ein Unikum mit unverwechselbarem Muster senkt sich derweil hinab auf diese Welt, unbeeindruckt von unseren Gedanken, um dort liegen zu bleiben oder seinen Aggregatzustand ein weiteres Mal zu verändern. Im Dunkel der Nacht erreichen wir unser Ziel, geschützt vom wärmenden Auto und setzen dann unseren Weg fort, in eine neue Umgebung hinein, mit den Gedanken bereits jetzt ganz bei der nächsten Situation und ihrer Atmosphäre, um auf auf ein Neues sie und uns neu zu entdecken…

 

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