5 Schritte zur Vergebung – Angelehnt an Anselm Grün

Gestern war ich auf einem Vortrag von Anselm Grün. Eine Person mit wahrhaft glühender Aura. Dabei hängen geblieben sind u.a. seine 5 Schritte zur Vergebung, die ich auch hier mit eigenen Worten widergeben möchte.

  1. Den Schmerz zulassen

Nicht so tun als sei alles sofort vergeben und vergessen, nicht den anderen schon gleich entschuldigen und möglichst viele Erklärungen für sein Verhalten suchen. Nein, das Gefühl des Schmerzes ist da. Man wurde verletzt. Auf die Verletzung mit Schmerz zu reagieren ist ganz natürlich. Ihn zu verdrängen kann gar schädlich sein.

 2. Wütend sein

Durch Wut gelingt es mir mich vom anderen zu distanzieren, Abstand zwischen mir und dem anderen zu schaffen. Diese ist anfangs notwendig, insbesondere als Hinleitung zu Schritt 3. Die Wut befreit mich außerdem von meiner Opferrolle. Denn sie ist eine aktive Emotion. In ihr erkenne ich, dass mir Unrecht getan wurde.

3. Die Siutation objektiv von außen betrachten

Hier nun – und erst hier – kann ich Erklärungsansätze suchen. Warum ist die Situation so eskaliert? Was liegt hinter der Reaktion des anderen. Wie habe ich agiert? Versuchen den anderen verstehen zu lernen (was nicht bedeutet seine Tat auch zu rechtfertigen, manche Taten sind und bleiben böse, auch wenn ich ihre Entstehungsgeschichte verstehe). Ich versuche in diesem Schritt die ganze Situation von einem analytischen Blickwinkel aus zu betrachten.

4. Vergeben

Nicht als etwas Passives, sondern als ein Akt der Befreiung. Vergebung heißt sich zu lösen, loszulassen, Frieden zu schließen. Es heißt nicht Vergessen und nicht Wiederherstellung der alten Beziehung, die Beziehung wird vielleicht nie mehr wie sie war. Aber es bedeutet, dass diese Tat meine Gedanken und meine Gefühle nicht mehr im Griff haben. Ich zirkle nicht mehr um den anderen. Ich bin von ihm befreit. Ich bin von seiner Tat befreit. Das Nicht-Vergeben hält mich immer in seiner Macht, alles dreht sich um ihn. Durch Vergebung löse ich mich von ihm, bin nicht mehr sein Gefangener.

5. Das Gold hinter den Wunden

Hier wird Anselm Grün sehr spirituell. Er beschreibt wie in der Kunstgeschichte die Wunden Jesu oft golden gezeichnet wurden, weil hinter ihnen der Zugang zum wahren Ich, dem spirituellen Selbst offen liegt. Nach der Vergebung kann ich einen Entwicklungsschritt tun. Durch meinen Schmerz hindurch entdecke ich einen neuen Teil meines Selbst. Ich komme mir und Gott näher.

 

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Veröffentlicht in Blog, Theologie

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