Die drei christlichen Tugenden – Glaube, Liebe, Hoffnung

Vor der moralischen Frage stehend, was richtiges Verhalten ist, stecken wir zwischen zwei radikalen Strömungen.

Die legalistische Radikalströmung verlangt ein Befolgen von Regeln aus Geboten und Verboten, durch das rechtes Handeln sicher gestellt ist.

Die romantische Radikalströmung besagt, dass man nur sich selbst authentisch sein muss und auf „sein Herz hören“, dann werde man schon für sich den richtigen Weg finden.

Beides ist aus christlicher Sicht falsch.

Regeln können nie für jede Lebenssituation ausreichend sein. Es gibt immer Situationen, für die es noch keine Regel gibt, oder die bestehenden Regeln falsche Ergebnisse hervorriefen. Regeln haben einen Sinn, dürfen aber nie Selbstzweck werden. Sie dienen z.B. als Wegweißer für einen Verirrten, damit er vor einer Kreuzung die richtige Himmelsrichtung angezeigt bekommt, oder als Leitplanken auf einer Straße, als letzter Stopp bevor man vom Weg abkommt.

Sich nur selbst authentisch zu sein kann ebensowenig die Lösung aller Lebensfragen sein. Stehlen, lügen und betrügen sind Handlungsweisen, die oft weit natürlicher aus meinem Inneren kommen als Selbstbeherrschung und Freundlichkeit. Der pädophile Kinderschänder hat durchaus „auf sein Herz gehört“ als er seine grausame Tat beging. Mir nur selbst authentisch sein zu müssen unterstellt, dass ich im Innersten durch und durch gut bin und alles böse mir erst von außen übergestülpt wurde. Das aber entspricht nicht der Wirklichkeit.

Die christliche Antwort lautet Glaube, Liebe, Hoffnung

Unser Charakter soll nach drei ewigen Tugenden unter Anleitung und Wirkung des Heiligen Geistes neu geformt werden. Diese Tugenden lauten Glaube, Liebe und Hoffnung, wobei Liebe über allem steht.

Diese sind keine gesetzlichen Regeln. Sie sind Charaktereinstellungen, aus denen sich Handlungen ableiten, aber es sind keine exakten Handlungsanweisungen. Für die konkrete Einzelsituation ist jeder Christ individuell gefragt aus den drei Tugenden eine optimale Handlungsweise abzuleiten.

Diese Tugenden kommen nicht authentisch aus unserem Inneren, jedenfalls nicht in ihrer vollen Fülle, sondern in ihrer ganzen Kraft erst aus Gottes Herz. Wir müssen sie erst erlernen und in der täglichen Anwendung zu unserer „zweiten Natur“ machen. Bis sie uns eines Tages so selbstverständlich sind, dass man meinen könnte sie kämen tatsächlich authentisch aus uns. Aber es sind nicht wir, sondern es ist Gott in uns, der sie bewirkt. In dem wir Jesus immer mehr Platz in uns einnehmen lassen, nehmen auch diese Tugenden und ihre Früchte immer mehr Platz in uns ein.

Glaube ist das unerschütterliche Vertrauen in den einen wahren Gott und dessen Gerechtigkeit. Ein Vertrauen in Gott und seine Güte, auch wenn wir ihn nicht sehen können und Leid oder Probleme vor uns haben, Probleme, zu deren Lösungen der Verstand allzu leicht zu lieblosen oder gar destruktiven Mitteln greifen möchte.

Hoffnung ist die unzerstörliche Zuversicht in Gottes neue Welt, dass Gott uns als seine Kinder angenommen hat, uns nie verlassen und schon gar nicht verdammen wird. Es ist die Hoffnung, dass immer neue Lebensfülle vor uns liegt, die nur darauf wartet von uns entdeckt zu werden.

Liebe ist jenes großes Mysterium, das uns ermöglicht von uns selbst wegzuschauen und stattdessen auf Gott oder unseren Nächsten zu blicken. Liebe erst ist es, die uns eine Verbindung zu anderen ermöglicht, zu Gott und zu anderen Menschen. Die Liebe strickt ein Band zwischen uns und ihnen. Durch Liebe alleine wollen wir den anderen nicht mehr verletzen. Und durch dieses nicht verletzen Wollen, ja sogar positiver noch sich zu wünschen ihn wachsen und gedeihen zu sehen, werden alle Regeln automatisch miterfüllt.

Fazit

In einem Leben in Liebe, Hoffnung und Glauben sind a) alle Regeln erfüllt und wir erlernen b) jenes authentische Ich kennen, zu dem Gott uns vor dem Sündenfall geschaffen hat.

Wir erfahren Gottes authentisches Ich im Heiligen Geist durch die Frucht von Glaube, Liebe und Hoffnung.

 

 

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Veröffentlicht in Blog, Theologie

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