Gottvertrauen im Leid

1280px-buchenwald-100625-14486-schwerte-hellWir hörten heute eine Predigt darüber, wie Gott vor Leid nicht zurückschreckt, Jesus seine Augen nicht verschließt, mitten ins Leid geht und es mit uns teilt, im Leid für uns da ist, nicht von unserer Seite weicht.

All diese Worte sind richtig und gut, aber sind sie nicht auch sehr theoretisch?

Meine Frau hat mit unangenehmen Fragen reagiert, da sie selbst als Kind viel Leid ausgesetzt war. Typisch christliche Ratschläge, Gott zu vertrauen, auch mitten im Leid oder in Angst, klingen in den Ohren des Leidenden wie Hohn. Was bedeutet Gottvertrauen denn in der Praxis, wenn man Schmerzen aushalten muss, ab einem gewissen Alter oder Grad der Schädigung vielleicht gar ohne Aussicht auf Besserung? Wie soll man da konkret Gott vertrauen? Gibt es dafür eine Formel, die man erlernen könnte? Was außer schönen Worten verbirgt sich dahinter? Was bedeutet dies praktisch? Wie erkläre ich jemandem, der mitten im Leid gefangen ist, was er dafür tun muss, welche Schritte er zu gehen hat, wie er Gottvertrauen erlernen kann? Ist das überhaupt möglich?

Ist nicht jede Hoffnung, die ich in dieser grausamen Situation zu transportieren versuche, nur ein Vertrösten auf die Zukunft? Und damit ein Nicht-Ernstnehmen des Leidenden und seiner schrecklichen Qualen, die er jetzt unmittelbar mit all ihrer Wucht erleben muss? Kann ich dieses Erleben wirklich kleinreden, indem ich auf die sicher wahren aber in diesem Moment eben überhaupt nicht wahrnehmbaren Verheißungen der Bibel (Off 21+21) oder die Nähe Gottes zum Schwachen verweise? Sind gut gemeinte Ratschläge nicht genau das, was Hiobs Freunde taten, ohne damit Hiob zu helfen und von Gott sogar nur eine Zurechtweisung zu ernten?

Wie mache ich diese Predigt, mit ihrer hoffnungsvollen Botschaft, greifbar und praktikabel? So dass daraus wahre Hoffnung geschöpft werden kann und die leidende, sich unverstanden fühlende Seele nicht noch weiter gebrochen wird, so dass ein Licht inmitten der Dunkelheit aufgeht. Oder bleibt im Angesicht der Schrecklichkeiten, die einem in Angst, Gewalt oder Krankheit zugefügt werden können, nichts weiter zu sagen als empathisches Schweigen?

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Veröffentlicht in Alltag, Blog
2 comments on “Gottvertrauen im Leid
  1. Reiner sagt:

    Wer leidet, braucht Trost und Beistand.
    Wer sich selbst bemitleidet (!), braucht klare Worte
    und manchmal einen Tritt in den Hintern.

    Grüße aus dem Tal der Wupper!

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