Meine Zeit steht in deinen Händen

Morsch knarrten die Holzbretter unter ihren Füßen als sie über den Steg stapften. Es war ein angsteinflößendes Geräusch, das ihnen durch Mark und Bein ging. Nur ein einziger falscher Schritt und sie würden alle in ein tiefes Grab stürzen. Wie sollten sie nur jemals wieder aus dieser Situation herauskommen? Die Dämmerung stand kurz bevor und sie alle konnten fühlen, dass ihr Verfolger stündlich näher kam. Nur wenige Felsenformationen trennten sie noch voneinander. Hatten sie zu viel gewagt, ihm hierher zu folgen? Nichts zu verlieren meinten sie zu haben, doch das war ein Trugschluss, ihr Leben hatten sie noch und das wollten sie nicht hier inmitten dieses Bergzugs aufgeben.

Auf der anderen Seite der Schlucht schlugen sie ein Lager auf, bedeckt von einem Felsenvorsprung waren sie hier vor Wind und Wetter geschützt. Am Himmel konnten sie nicht eine Wolke ausmachen, es würde eine kalte Nacht bevorstehen. Dennoch trauten sie sich nicht ein Feuer zu machen, das würde ihre Position verraten. Stattdessen kauerten sich alle möglichst dicht aneinander. Waren das ihre letzten Stunden? Alle schauten sie besorgt zu ihrem König auf. War er nicht der Auserwählte? Lag nicht Gottes Zuspruch auf ihm? Erste Zweifel machten sich breit. Aber an Umkehr war jetzt nicht mehr zu denken. In dieser gottverlassenen Wüste gab es nicht viel zu Essen oder zu Trinken, dafür umso mehr Dämonen, die nachts auf ihre Seelen lauerten.

„David, du musst ihnen Mut machen. Sie haben Angst.“

Doch David selbst wusste keine Antwort auf ihre Fragen. Es waren dieselben Fragen, die auch sein Herz belasteten. Hatte er sie hier bei Maon alle in den sicheren Tod geführt? War der Zuspruch Gottes nur eine Illusion? Wann sandte er endlich seine Engel, wahr zu machen, was verheißen war? Saul war nicht mehr weit. Manchmal glaubte er seine Soldaten trampeln zu hören. Er blickte in die eingefallenen Gesichter seiner Begleiter und zog sich zurück. Was sollte er ihnen sagen, wie ihnen Mut machen? Sie hatten selbst Augen und Ohren, sie wussten wie aussichtslos ihre Lage war. Nur noch ein Wunder könnte Saul davon abhalten sie zu erreichen.

Mit zitternden Händen zog er sich zurück, hungrig und entkräftigt. Tränen schossen aus ihm heraus, er konnte sie nicht halten, sie strömten ihm übers Gesicht bis seine Wangen ganz nass waren. Zu klein war er. Was konnte er dem mächtigen Saul noch entgegenwerfen? Sein ganzer Leib bebte. All diese Menschen vertrauten auf ihn! Wer war er, dass er dieses Vertrauen verdiente? Er fiel auf die Knie. Gott wo bist du? Wo bist du?

 HERR, auf dich traue ich, lass mich nimmermehr zuschanden werden

Verwundert hörten seine Begleiter wie eine leise Stimme ein Lied anstimmte, die gebrochene Stimme ihres Königs, vom Wind wurde sie zu ihnen getragen. Ein herzzerreißendes Krächzen, erst ganz leise, dann immer lauter.

HERR, sei mir gnädig, denn mir ist Angst! Mein Auge ist trübe geworden vor Gram, matt meine Seele und mein Leib.

Es wurde von den Hügeln reflektiert bis man am Ende meinte es käme aus allen Richtungen zugleich. Seinem Gefolge stockte der Atem.

Ich aber, HERR, hoffe auf dich und spreche: Du bist mein Gott!
Meine Zeit steht in deinen Händen. Errette mich von der Hand meiner Feinde und von denen, die mich verfolgen.
Lass leuchten dein Antlitz über deinem Knecht; hilf mir durch deine Güte!
HERR, lass mich nicht zuschanden werden; denn ich rufe dich an. Die Gottlosen sollen zuschanden werden und hinabfahren zu den Toten und schweigen.
Verstummen sollen die Lügenmäuler, die da reden wider den Gerechten frech, stolz und höhnisch.

Ich sprach wohl in meinem Zagen: Ich bin von deinen Augen verstoßen. Doch du hörtest die Stimme meines Flehens, als ich zu dir schrie.
Liebet den HERRN, alle seine Heiligen! Die Gläubigen behütet der HERR und vergilt reichlich dem, der Hochmut übt.
Seid getrost und unverzagt alle, die ihr des HERRN harret!
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Veröffentlicht in Blog, Theologie
One comment on “Meine Zeit steht in deinen Händen
  1. Tolle Beschreibung! Ich konnte mich direkt in die Situation hineinversetzen.

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