Mit Angst umgehen lernen

Angst ist das vielleicht zerstörerischste Gift, das sich unserer Seele bemächtigen kann. Ihren Anfangspunkt hat sie oft gar nicht im Irrationalen. Ihre größten Ausmaße erreicht sie, wenn sie unseren ach so rationalen Verstand zum Ursprung hat.

Unser Gehirn ist zu so vielen wunderbaren Gedanken fähig, es kann sich Gebäude vorstellen und ihre Statik berechnen noch lange bevor sie gebaut wurden. Aus bloßer Gedankenkraft wurde die Relativitätstheorie geboren, deren Vorhersagen erst im Nachhinein experimentell bestätigt wurden. Mit bloßer Vorstellungskraft erschafft der taube Beethoven Meisterwerke der Musik.

Eben jene unendlich erscheinende Fantasie kann sich aber auch gegen uns wenden und unermessliche Ängste hervorrufen. Die Vorstellung des Bohrers beim Zahnarzt und des damit einhergehenden Schmerzes, der durch Mark und Bein gehenden Geräusche, des unangenehmen Gefühls der Saugapparatur unter der Zunge. Oder nehmen wir als Beispiel die Fantasie von einem verlorenen Dasein, unbezahlter Rechnungen, der Verlust des Eigentums, gar einer Existenz unter der Brücke, angesichts schlechter Wirtschaftszahlen des eigenen Unternehmens oder eines barsch auftretenden Chefs, der von einem nicht sehr viel hält.

Wie gehe ich mit diesen Ängsten um, wenn sie sich nachts in meine Träume schleichen und mir tags jeden Gedanken dunkel einfärben? Was tue ich, wenn ich mich kaum auf die vielen schönen Details des Lebens konzentrieren kann, von denen ich in „Von der Qualität des Lebens“ geschrieben habe, stattdessen schleichen sich mannigfaltige Wenn und Abers ein. Meine Gedanken sind von der Zukunft, und was in ihr schief gehen kann, gefangen, befeuert von der Vergangenheit, und was in ihr bereits schief gegangen ist oder Ausgangspunkt für die befürchtete Katastrophe werden könnte.

Ein Schlüsselelement kann es nur sein mich von diesen Gedanken an die bedrohliche Zukunft und die Fehler der Vergangenheit lösen zu können und meine ganze Achtsamkeit auf die Qualität der Details der Gegenwart zu lenken. Das weiß ich. Doch wie komme ich dort hin? Irgendwie muss ich diese belastenden Fantasien, was alles passieren könnte, abstellen und meine negativen Erinnerungen abgeben und vergeben können. Wie aber? Manchmal gelingt es mir und manchmal versage ich. Meine Seele ist ein Wasser, das leicht in Schwingungen geraten und gar große Wellen schlagen kann.

Für wirklich ernsthafte Angststörungen ist an dieser Stelle der Gang zur Seelsorge dringend anzuraten. Angst als Krankheit darf nie und nimmer unterschätzt werden! Als Krankheit kann sie sowohl seelische wie auch körperliche Ursachen haben.

Ich persönlich habe gelernt, dass ich bei meinen kleinen Ängsten weit komme, wenn ich mir die Bibel zur Hand nehme, insbesondere die Psalmen sind eine große Ermutigung oder das Neue Testament. Aber auch in die Stille zu gehen, in ein meditatives Gebet zum Beispiel.

Was diesem Rat zugrunde liegt ist ein Perspektivwechsel. Meine Angst kommt von einem Fokus auf das Negative und ich blähe mich und meine Probleme über Maßen auf. Doch ich bin nur ein Sandkorn. Trotz meiner Winzigkeit aber kann ich eine Vielzahl an Segen erkennen, die meinen Lebensweg begleiten. An allen Ecken entdecke ich Positives, das mir widerfahren ist, Schutz und Bewahrung, wie sonst wäre ich noch am Leben, seltsame Zufälle, schöne Erinnerungen.

Indem ich meinen Fokus auf diese lenke fällt es mir leichter zu vertrauen, Vertrauen darin zu fassen, dass auch die Zukunft Segen für mich bereit hält. Und letztlich sogar die Zuversicht, dass ich mit Gott an meiner Seite sogar negative zukünftige Ereignisse, wie schlimm sie auch sein mögen, mit der Kraft des Glaubens durchstehen kann.

Kann ich gerade keine positiven Erinnerungen entdecken, an denen ich mich festhalten könnte, dann zumindest doch die Zusage, dass alles Negative aus meiner Vergangenheit bei Gott Versöhnung finden kann. Musik hilft außerdem mir neuen Mut zuzusingen. Aber nichts ist hilfreicher als die Erinnerung an all die vielen Momente, in denen ich zuvor bereits Angst aufgebläht hatte, nur um dann das Gefühl danach zu erleben „so schlimm war es dann ja doch nicht.“ Ein Spaziergang hilft auch manchmal die Perspektive zu wechseln, ein Blick auf die Natur lässt Ruhe einkehren, mit jedem Schritt kehrt mehr Ordnung ins Wirrwarr der Gedanken ein.

All das sind aber nur kleine Gedankenanstöße aus meiner Erfahrungswelt. Probiert aus, was euch hilft.

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Veröffentlicht in Alltag, Blog
2 comments on “Mit Angst umgehen lernen
  1. Reiner sagt:

    Was trägt, ist mein Glaube.
    Danke für die Erinnerung.

    Gefällt 1 Person

  2. ananda75 sagt:

    Ich hatte – ich weiß warum, aber das erzähl ich nich – jahrelang Albträume und jetzt noch immer ab und zu mal
    Ich habe schon so ungefähr alle vorstellbaren Versionen durch in Farbe und Spielfilm-Länge zu dem Thema „Jemand will mich umbringen“
    Ich hatte schon Menschen, Monster, Aliens
    Locations jeglicher Art, gerne so ganz finstere, eklige, unterirdische Gänge und so
    Fies wird es, wenn man es nicht schafft, wach zu werden, dieser seltsame Zwischen-Zustand, keine Ahnung, was das is, irgendwo zwischen Unter- und Bewusstsein.
    Fies sind auch diese Momente, wo man rennen will und nicht kann
    Und da, wo man schreien will, aber es kommt nix raus
    Warum erzähl ich das?
    Da war so ein Satz oben mit Traum und Tag
    Nun, was Träume angeht, da kann ich mitreden 😉
    Trotzdem hab ich keine Angst, vor fast nix und auf jeden Fall sehr viel weniger als viele andere Menschen
    Warum ist das so?
    Zum einen hab ich natürlich schon ne Menge überlebt, das stärkt
    Wichtiger aber – Was kann mir schon passieren?
    Sicher, es gibt so manches, was ich nich wirklich brauche
    Aber Tatsache ist doch:
    You can’t always get what you want
    But if you try some time
    Then you might find
    That you get what you need

    Irgendwann habe ich begriffen – manchmal hapert’s noch ein wenig in der Praxis 😉
    Was die da meinen in der Bibel mit heiß oder kalt aber nicht lau
    Früher dachte ich immer – Komisch – lau is doch immer noch besser als ganz kalt 😆
    Nein – Wenn ich glaube dann vertraue ich
    Und da gibt’s kein manchmal oder ein bisschen oder vielleicht auch mal nicht.

    Und nur dann – wenn man es voll und ganz annimmt, alles was passiert,
    dann passiert etwas – man erreicht tatsächlich eine andere Dimension des Seins
    Schwierig in Worte zu fassen und deshalb sag ich mal lieber nix weiter da
    Ich glaub, du weißt, was ich mein
    Wenn man es einmal erlebt hat – es geht immer mal wieder verloren im Gewühl des täglichen Lebens, aber man findet es immer wiedet

    Und es wird immer besser 🙂

    Liebe Grüße auch an die Frau Bilanz-Buchhalterin, die müsste eigentlich auch eine Ahnung davon haben was ich meine … ❤

    Gefällt 1 Person

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