Kleine Innenschau

Eisige Windböen nagen an meiner Haut, bohren sich ins Fleisch hinein bis ich am Ende von Innen heraus friere. Frostig testet mich jener glasklare Fluss, auf dem ich segele. Hier im Gewässer ist jeder ein Einzelner. Kleine Wellen bringen das Boot in Schwingung, kaum vorzustellen was eine größere bewirken würde. Balance zu halten, so lautet das oberste Gebot. Für sich zu stehen und auch die Engstellen wohl zu überstehen. Ich darf nicht nachgeben, nur einer passiert sie. Unter mir liegt tiefe Dunkelheit, ich vermag es nicht einmal den Boden zu erkennen. Über mir verdecken schwere, graue Wolken die Sicht auf den Himmel.

Ich sehne mich nach einer warmen Seele, die mir die Fähigkeit verleiht den kalten Äußerlichkeiten inneres Feuer entgegenzusetzen. Doch der Wind nagt an meiner Eigenwärme bis er mein Herz selbst anbohrt, ich nichts anderes als Kälte mehr fühle,  innerlich erfriere, neues Eis aus mir heraus erzeuge. Woher bringe ich die Energie auf, die in mir das Feuer warm hält, welche mich auch Stürme trotzen lässt? In Frost erstarrt vermögen es meine frierenden Finger kaum das Segel neu zu setzen, mein Boot erliegt dem Schicksal von den Winden und nicht mir seine Richtung vorgegeben zu bekommen. Zweifel schlagen Wurzeln, dass es überhaupt möglich sei eine eigene Richtung zu bestimmen, gegen Wind und Strömung Kurs zu setzen. Das Schicksal anderer Boote ist mir völlig gleichgültig geworden, mein Fluss ist das, die Engstelle bietet nicht Platz für jeden.

Und dennoch; Ich sehne mich noch immer nach der Wärme, die ich noch aus vergangenen Tagen kannte. Welche Energie steckte in ihr? Wie kann ich sie in mir konservieren, wenn ich sie äußerlich nicht erfahre? Es muss doch einen Weg geben sie in sich zu bewahren, auch wenn der Wind auf dem Fluss kein Erbarmen zeigt. Oder bin ich darauf angewiesen, dass warme Winde wehen? Bin ich abhängig von anderen oder vom Wetter, dass sie sich meiner erbarmen, dass sie mir Wärme schenken? Kannte ich nicht ein Feuer, das von Innen her kommt, welches Wind und Wetter trotzt? Mich zieht es ins Innere des Boots, da schlage ich das gute Buch auf und beginne zu lesen…

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5 Kommentare zu „Kleine Innenschau

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    1. Auf den Geist Gottes hören ja 🙂

      Ich habe im Moment jedenfalls den Eindruck, dass gerade ziemlich dämonische Mächte um sich greifen. Die Herzen werden immer kälter.

      Beispiel Flüchtlinge: Statt von Individuen zu sprechen werden wie in der Betriebswirtschaft Kapazitäten berechnet, wobei, noch nicht einmal ausgerechnet, nur mal pauschal als unzureichend deklariert. Aber wir reden hier von keiner Firma, bei der ich berechnen kann, wie viele Kapazitäten ich benötige um einen Motor herzustellen.

      Und auch in Geschäftsleben. Da wird versucht einem ein ökonomisch unterkühltes Denken einzutrichtern, bis es irgendwann aus einem selbst hervorblubbert. Dabei wird gleichzeitig mit einem Unternehmensimage geworben, das eigentlich menschliche Wärme verspricht (Beruf und Familie z.B.).

      Und dann sehe ich Menschen, die einsam sind und sich nach dieser Wärme so sehr sehnen. Und dann den Fehler machen zu glauben, das immer in Äußerlichkeiten suchen zu müssen und so ständig an komische Partner geraten, die ihnen seelisch eher noch schaden als helfen.

      Darum ja werdet stille und höret auf den Geist Gottes. Oder wie hast du einmal zitiert…mache dich auf und werde Licht. Und Licht strahlt von Innen nach außen 😉

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      1. ich glaub das is auch dieses Vor-Oster-Gefühl

        solche Zeiten SIND – existent – fühlbar, spürbar, heute is Palm-Sonntag…. stll dir mal vor, wie das damals war… und wir wissen ja schon, wie es weiter ging…

        ob das nun heute war oder morgen oder auch nich, das is ganz egal, durch die Tradition, durch das Begehen dieser Fest-Tage ist es Wirklichkeit geworden – hatte heute schon meine ersten Karfreitags-Gefühle/ Gedanken

        für mich immer ein besonderer Tag – schon immer – sehr kraftvoll, aber halt auch sehr düster… darauf geht es jetzt zu – heute auch die ersten Erinnerungen an die spanischen Oster-Prozessionen – das is düster! da biste hinterher ganz woanders…

        und wieder werde ich am Samstag zur Osternacht gehen –
        und wieder werden im Laufe des Gottesdienstes mehr und mehr Lichter angezündet werden –
        und wieder wird es der reinste Kinder-Chaos-„FamilienGottesDienst“ werden, wie das in unserer Kirche so üblich ist :lol
        und wieder werden wir das Osterfeuer entzünden und ganz laut rufen, so laut, dass es die ganze Stadt hört:
        Christ ist erstanden – Ja! Er ist wahrhaftig auferstanden

        Denn wir lassen uns nicht unterkriegen und wir zünden Lichter an und lächeln Menschen an und versuchen, zu wärmen wo wir können.
        Wie sagten die Indianer?
        Howgh – Ich, Ananda, habe gesprochen 😆

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  1. Stimmt…daran hab ich gar nicht gedacht. Wir gehen auf Karfreitag zu.

    Mir ist das auch erst vor kurzem so wirklich bewusst geworden. Hosanna ist kein feierlicher Ruf sondern ein Hilfeschrei.

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