Vom Fall der menschlichen Eitelkeit

miedo-ajeno

Im Gebet wende ich mich jener Kraft zu, die meine Begrenztheit übersteigt. Mein Verstehen stößt heute wieder an eine Mauer, da wo ich auf das Leid stoße, das Böse, das mordend durch die Straßen marschiert. Schockstarre macht sich breit und mit ihr die Angst vor dem Unheil, das auch für mich und jeden von uns hinter jeder Ecke lauern könnte. Sind wir denn irgendwo sicher?

Wir erwachen aus einem Traum, den uns Lebensversicherungen und Gesundheitspillen schmackhaft gemacht haben. Unser Leben aber ist kein Sparplan, mit berechenbaren Zinsen und Rückversicherungen gegen potentielle Verluste. Sogar unser Überleben ist ungewiss. Nichts auf dieser Welt, nicht einmal die elementaren physikalischen Größen, nichts lässt sich mit Gewissheit bestimmten, lediglich mit Wahrscheinlichkeiten. Wahrscheinlichkeiten sagen aber über mich als Individuum nichts aus.

Es ist eine grausame, heilsame Erkenntnis, sie tastet nach unserer falschen Eitelkeit, die uns zum Mittelpunkt des Universums erhob. Was in aller Welt veranlasst uns dazu, uns für etwas so besonders, besseres zu halten? Es ist mir ein Rätsel. Natürlich trifft es nicht immer nur die anderen! Was könnte uns nur auf den Gedanken bringen, wir könnten uns von der Welt und dem Bösen in ihr absetzen, dass wir das Leben als Ganzes beherrschbar machen?

Im Gebet erkenne ich, dass ich nicht Gott bin. Ich erkenne es an. Ich gebe dem die Ehre, der es ist. Der an Karfreitag, am Kreuz, eine Antwort auf das Böse gegeben hat, in dem er es selbst in all seiner Grausamkeit leidend auf sich zog, um es dann an Ostern in der Auferstehung zu überwinden.

Im Gebet erhalte ich auch eine Antwort von Gott. Ganz leise legt er seine Hand auf mich. Eine Träne kullert über meine Wange im Angesicht des vielen Leids. Und so hoffe ich ermattet auf das Ostern der Menschheit, dass es nicht mehr allzu lange auf sich warten lässt.

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Veröffentlicht in Alltag, Blog, Theologie

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