Ich flüchte nicht vor meiner Dunkelheit

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Wer kann denn das Licht erkennen als nur der die Dunkelheit durchschritten hat? Im tiefsten Leid fällt das ganze Gewicht meiner Isolation auf mich nieder. Ich erschaudere vor dem sinnlosen Rad der Zeit, das uns alle zermalmt. Vergänglichkeit greift mit seinen knöchrigen Fingern nach mir und meiner Umgebung. In das Zwielicht nebulöser Sehnsüchte gestoßen werde ich rasend, zwanghaft meiner Einsamkeit zu entkommen. Grauschattierungen verheißen mir mein Wund geschlagenes Fleisch zu überdecken, wo nichts klare Kante hat, ich die Kontraste hinter mir lasse. Da wartet angeblich doch Freiheit. Oder doch wenigstens Lust. Mindestens aber die erhoffte Loslösung vor mir selbst. Will ich wirklich wissen, was ich bin und wie ich zu mir komme? Gebe mir doch lieber mehr Grau!

Steige ich aus meinen Hamsterrad und stoße in der dortigen Wüste auf mich, begreife ich wie allein ich doch auf meiner Wanderschaft war und bin. Wohin sich meine Wege auch verschlagen, ich finde doch immer nur mich selbst hinter jedem Busch und Stein. Was anderes als Dunkelheit könnte es sein, in das der Wüste Erkenntnis mich stößt? Das graue Hamsterrad lässt mich wenigstens nicht zur Ruhe kommen und vergessen, wie isoliert ich bin. Aber will ich wirklich in einer Lüge verharren? Ist da nicht doch irgendwo der Hunger nach außen zu treten und mich meiner Dunkelheit zu stellen? Mich mitten in mein Alleinsein zu begeben, direkt auf das zermalmende Rad meiner Endlichkeit zuzutreten und mich dem Unausweichlichen zu stellen? Bebend stelle ich mich hier dem Gevatter, der auf uns alle wartet, auf die eine oder andere Weise, äußerlich wie innerlich.

Meinen ganzen Mut balle ich zusammen und fliehe nicht mehr. Ganz umhüllt werde ich vom sinnlosen Streben meiner rastlosen Seele. Ein Einsamer bin ich, alles andere doch nur eine Reflexion meiner selbst.

Und dann geschieht es. In jenem Moment, in dem ich ganz auf mich geworfen von der Finsternis meines sinnentleerten Leids vollkommen umhüllt und durchdrungen bin:

Da erkenne ich den Morgenstern, der das Licht trägt. Wo ich mein Alleinsein aushalte und mitten in meine Einsamkeit trete, wo ich nicht mehr renne, da verschwindet der graue Nebel und die Kontraste werden ganz klar. In der Dunkelheit meiner eigenen Endlichkeit und Isolation stehend, sie aushaltend, erhellt das Licht Gottes mich von Innen her. Denn auf dem Grund meiner eigenen Einsamkeit, auf dem Boden meiner Finsternis … wartet Gott und zeigt mir mein Ziel. In einem strahlenden Licht reißt er mich nach oben zu sich hin, auf dass alles Licht werde…

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Veröffentlicht in Alltag, Blog
3 comments on “Ich flüchte nicht vor meiner Dunkelheit
  1. Gerade erlebe ich ein solches Dasein und nicht weglaufen können. Ich bin zurückgeworfen auf mich selbst. Alles übergebe ich Jesus und erlebe Heilung jeden Tag. Jeden Tag spüre ich, ich bin hineingenommen in die große Gruppe derer die der Hilfe bedürfen und die zu Gott um Hilfe rufen und deren Bedürftigkeit von Gott beachtet und beantwortet wird. Ich weiß nicht was kommt, ich weiß nur dass mir Hilfe zuteil wird. Ich kann am Morgen aufstehen und die Angst schwindet, Vertrauen und Wärme breiten sich in meinem Körper und meiner Seele aus. Ich bin dankbar.

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    • Utopio sagt:

      Es freut mich, dass du Heilung erfährst. Ich bete, dass du mit allen Problemen vorwärts kommst. Die Seele ist ein kompliziertes Ding und reagiert langsam. Aber sie ist auch sehr wandelbar. Und Gott ist mit uns…:)

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