Ich kann meinen Nächsten nicht leiden

Wie soll ich ihn je lieben?

Mein Nächster kann manchmal ein richtiges Arschloch sein. Ich komme mit ihm einfach nicht klar. Entweder auf persönlicher Ebene oder auf Ebene unserer Werte, es liegen Welten zwischen uns.

Vielleicht ist er gar kein übler Kerl, aber unsere Persönlichkeiten sind einfach zu verschieden, wir finden kein gemeinsames Gesprächsthema und wenn wir miteinander reden, dann nur aneinander vorbei. Oder wir finden kein gemeinsames moralischen Fundament. Er bringt meinen Vorstellungen von einem christlichen Leben keinerlei Wertschätzung entgegen, spottet womöglich darüber, diffamiert es oder versucht sogar meine christlichen Werte politisch zu bekämpfen.

Wie soll ich so einen Menschen lieben?

Aber was erwarten wir Christen eigentlich? Setzen wir unsere eigene Heiligung als Voraussetzung für unsere Nächstenliebe, wo wir doch selbst nicht vollkommen sind? Wie wollen wir dann vor Gott bestehen, sollte er ebenfalls seine Maßstäbe an uns anlegen?

Woher sollte ein moderner Mensch in der gegenwärtigen Zeit unsere Wertmaßstäbe denn herbekommen, wenn er den Heiligen Geist noch gar nicht kennt? In einer Welt, in der sich alles nur um Sex, um das eigene Wohlbefinden oder den eigenen Konsum dreht, wie sollen Menschen, die Gott noch nicht kennengelernt haben, Selbstbeherrschung oder Keuschheit als etwas Positives empfinden? Als Torheit muss es ihnen erscheinen, wird ihnen doch von der Werbung, den Filmen, Serien und dem wettbewerbsorientierten Berufsalltag etwas ganz anderes vorgelebt. Unsere Werte sind nicht logisch hergeleitet, sie kommen aus unserer Beziehung zu Jesus.

Wir können die Wertschätzung gegenüber christlichen Werten nicht zur Voraussetzung erklären. Wir werden an jeder Stelle unserer Gesellschaft mit unseren Werten anecken. Und doch ist es ein immanenter Ausdruck christlichen Lebens und das Höchstmaß an Heiligung, die wir durch den Heiligen Geist in uns erfahren können, wenn wir allen Menschen dieser Gesellschaft trotzdem unbedingte Liebe entgegenbringen. Jesus hat Prostitution auch nicht gut geheißen, aber er hat Prostituierten seine unbedingte Liebe gezeigt, er ist ihnen in unendlicher Liebe entgegengetreten. Wir leben nun in einer Welt, in der gerade die sexuellen Moralvorstellungen sich enorm von unseren christlichen fortbewegt haben. In manchen Swingerkreisen, ist es vollkommen normal untreu zu leben. Wir müssen das nicht gutheißen, aber warum sollten diese Menschen auf unserem Weg der Heiligung sein, ihn auch nur verstehen können, wenn sie Gott gar nicht kennen? Wir sind  auf diesem Weg, wir haben uns für diesen entschieden, und wir sind gerade darum aufgefordert sie zu lieben wie Jesus es vormachte!

Meine Nächstenliebe kann daher unmöglich aus mir selbst heraus kommen. Ich als Mensch mag den einen Nächsten sehr und den anderen kann ich einfach nicht ausstehen. Da kann ich mich noch so bemühen, „Arschloch“ bleibt „Arschloch“. Die einzige Chance in dem „Arschloch“ – wie ich ihn subjektiv wahrnehme – das unendlich wertvolle Geschöpf zu erkennen, das er objektiv betrachtet in Wahrheit in Gottes Augen ist, empfange ich alleine durch den Heiligen Geist. Nur im Heiligen Geist werde ich alle Nächsten lieben können, ohne gleichzeitig selbst in die Gefahr zu geraten meinen eigenen spirituellen Weg zu verlassen.

Im Gebet, im Abendmahl, in christlicher Meditation, im Einladen und Hören auf Gottes Wort, kann ich mir Gottes Liebe aneignen, meine eigenen Vorstellungen kreuzigen. ER wird mich verändern, so dass ich alle seine Früchte hervorbringen kann, von Selbstbeherrschung über Geduld bis hin zur unendlichen göttlichen Liebe.

 

 

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Veröffentlicht in Blog, Theologie
6 comments on “Ich kann meinen Nächsten nicht leiden
  1. ananda75 sagt:

    Sieh Gott und das Gute in jedem Gesicht lautet das Rezept und das is eine Frage des Guckens.
    Am besten übt es sich in dem du den Menschen anguckst (unauffällig 😉 und dir Zeit lässt, nix denkst außer an Gott, dann wirst du irgendwann was sehen, was du noch gar nich kennst

    einfach mal gucken 😉

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  2. Reiner sagt:

    Ich kann und muss nicht jeden lieben. Bei manchen Zeitgenossen ist es mir schon ein riesiger Gewinn, im mitunter unvermeidlichen Dialog auf Schuldzuweisungen oder gar wenig schmeichelhafte Attribute zu verzichten, sprich, mich aus einen nach Möglichkeit respektvollen und sachlichen Austausch zu beschränken.

    Das tue ich dann nicht für mein Gegenüber, sondern für mich. Um meine Menschen-Würde nicht zu verzocken und ein wenig mehr Gott-gefällig zu leben. Arschloch bleibt Arschloch, aber indem ich einem Arschloch den Spiegel vorhalte, bewege ich garantiert nichts zu besseren. Erlebe allenfalls eine kurze und sehr flüchtige Befriedigung. Nichts von Dauer, sozusagen 😉

    Gefällt 1 Person

  3. Anne sagt:

    Hey, guter Artikel! Danke. Ich finde das Thema auch nicht allzu einfach, habe aber seit Kurzem mehr den liebevollen Blick für Menschen bekommen, indem ich in ihnen, wie der Kommentar oben schon sagte, Gottes Schönheit suche/sehe und mir bewusst werde, dass sie gewollte Geschöpfe Gottes sind, nach seinem Ebenbild geschaffen.
    Habe neulich auch einen Post zu dem Thema geschrieben: http://anny-thing.de/2016/04/01/gedankentauchen-11-sehfehler-die-beziehungen-verhindern/
    lg!

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