Nichts ist wirklich sicher!

Welche Sicherheiten gibt es denn auf dieser Erde wirklich?

Mir ist letzte Woche hierzu ein Zeitungsartikel zur Notwendigkeit von Riester-Renten ins Auge gefallen. Nach Senkung des Rentenniveaus ist sie unser aller Heil für unsere Zukunft. Ich halte diese Sicherheit für trügerisch. Oft lohnt sie sich ökonomisch noch nicht einmal, weil es dem Versicherungsnehmer nicht gelingt ein unrealistisch hohes Lebensalter zu erreichen aber gleichzeitig nur ein Anteil als Kapitalisierung in einem Einmalbetrag ausgezahlt werden kann.

Die Natur jener Sicherheit versprechenden Versicherungen kommt bei einer nicht massiv wachsenden Wirtschaft und im Fall einer anhaltend Niedrigzinsphase deutlich zum Vorschein: Es handelt sich um eine Wette. In einer stark wachsenden Wirtschaft mag sich der Kuchen so schnell vergrößern, dass beide Seiten ausreichend Gewinne einfahren. Aber im Grunde ihres Wesens sind Lebensversicherungen mit lebenslanger Rentenauszahlung eine Wette auf das Leben des Versicherungsnehmers. Die Versicherung wettet er stirbt vor der durchschnittlichen Lebenserwartung und der Versicherungsnehmer wettet, dass er älter wird. Diese Lebenserwartung wird analog zur grünen Null beim Roulette natürlich so berechnet, dass immer etwas mehr als 50% der Menschen vorher sterben.

Was unser Erfindergeist am Beispiel von Finanzprodukten, aber auch im Bereich der Gesundheitsindustrie und vielen anderen kaschieren will ist die unserem Leben inne wohnende Unsicherheit.

Mit aller Macht und allem Geld dieser Welt wollen wir uns mehr Sekunden auf diesem Planeten erschleichen. Und wir wollen diese Sekunden nicht dem Zufall überlassen, sie sollen durchgeplant sein. Keine Überraschungen dürfen sie beinhalten, vor allem natürlich keine bösen. Es ist die Angst vor der Sterblichkeit. Aber es ist mehr als dieses Raubtier, das uns jagt, und am Ende alle holen wird. Es ist auch die Angst vor der eigenen Schwäche. Wer kennt nicht irgendeinen Menschen, der lebensunwürdig in irgendeiner billigen Pflegeeinrichtung vor sich hinvegetiert? Die Altersarmut, die uns aufgrund der demographischen Entwicklung, in der Zeit unserer größten körperlichen wie geistigen Schwäche drohend bevorsteht, sie ist ein großes Ungetüm, das um jeden Preis verhindert werden muss. Als junge Hüpfer können wir vielleicht noch mit jeder Herausforderung zurecht kommen, aber in Schwäche, Krankheit und Alter sind wir auf Vorsorge angewiesen. Wir müssen während wir noch stark sind unsere ganze Kraft dafür aufwenden, die Zeit kontrollierbar und planbar zu machen, in der wir einmal schwach sein werden und nicht mehr aus eigener Kraft Kontrolle und Sicherheit erkämpfen können.

Die Bibel rät uns – wie so oft – etwas ganz anderes.

Auch sie plädiert sehr wohl für einen weisen Umgang mit unseren Finanzen. Als treue Verwalter sollen wir mit ihnen klug umgehen. Im Prediger wird der Rat gegeben unsere Finanzen auf möglichst viele Anlagen zu verteilen. Gerade in einer Agrargesellschaft war man sich nämlich sehr im Klaren darüber, wie schnell eine Existenz verloren sein konnte, wenn eine Naturkatastrophe den einzigen Acker zerstörte. Darum solle man sein Vermögen lieber auf mehrere Töpfe verteilen, diversifizieren nennt sich das heute (Prediger 11,2).

Doch die Bibel sagt uns, wir müssen uns stets vor Augen führen, dass wir nur Verwalter und nie Eigentümer sind. Alles auf diesem Planeten ist eine Leihgabe Gottes an die Menschen. Er ist und bleibt der Eigentümer, wir bleiben von ihm und seiner Gnade abhängig. Jesus rät im Angesicht dieser Unsicherheit zu einer uns irrational erscheinenden Vorgehensweise: Wie die Vögel sollen wir nur von Tag zu Tag denken, uns nicht von den Unsicherheiten der Zukunft einschüchtern lassen (Matthäus 6). Angesichts der Versuche für unser Alter vorzusorgen und der sehr realen Bedrohung durch Altersarmut erscheint uns dieser Rat naiv. Jesus aber behauptet, wenn letztlich alles von Gottes Gnade abhängt, wird er uns versorgen. Wir werden nie zu kurz kommen, wenn wir auf Gott vertrauen. Selbst nicht wenn uns mal Schlechtes widerfährt.

Wer vermag es nun diese zwei biblischen Ratschläge vom weisen Verwalter und der sorglosen Bindung an des Vaters Gnade in die Praxis umzusetzen?

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Veröffentlicht in Blog, Politik, Theologie
2 comments on “Nichts ist wirklich sicher!
  1. Utopio sagt:

    Noch etwas zum Thema Wette, damit es nicht zu polemisch klingt.

    In normalen Zeiten mit auf langer Frist „normalem“ Zinsniveau und Wachstum steht eine andere Wette im Vordergrund:

    Das Versicherungsunternehmen wettet, das es mit dem Geld der Versicherungsnehmer mehr Rendite erwirtschaften kann als er ihm als garantierte Mindestverzinsung zusichert. Dies gelingt i.d.R. auch, wenn man sich nicht gerade in einer Niedrigzinsphase und Rezession befindet. Schließlich arbeiten dort Profis, die nichts anderes tun als die Kapitalanlagen zu managen.

    Im Grunde lautet das Geschäft dann: Der Versicherungsnehmer verzichtet auf zumindest einen Teil dieser Mehrrendite, die mit seinem Geld eigentlich möglich wäre, um dafür im Gegenzug die Sicherheit der garantierten Mindestverzinsung zu erlangen. Würde er selbst am Kapitalmarkt aktiv könnte er mit seinem Geld auch diese höhere Rendite erwirtschaften, aber er könnte auch alles verlieren. Für die Sicherheit der Mindestverzinsung gibt er einen Teil des Mehrgewinns auf.

    Das funktioniert bei lebenslangen Renten aber natürlich auch nur wenn die Nebenwette auf das Lebensalter nicht total daneben liegt und der Versicherungsnehmer nicht unerwartet ein biblisches Alter erreicht.

    Ohne Risiko ist das auch nicht. Hinter jeder Verzinsung über Null steckt immer ein Risiko. Und bei starkem Wirtschaftswachstum könnte es der Fall sein, dass die Mindestverzinsung viel zu niedrig ist und evtl. sogar von der Inflation aufgefressen wird. Andererseits kann man davon ausgehen, dass über Jahrzehnte betrachtet sich immer Boom und Rezession, Hoch- und Niedrigzinsphasen abwechseln und daher die Mindestverzinsung eine goldene Mitte bietet, man gewinnt nicht soo viel, verliert aber auch nicht alles. Letztlich lohnt es sich statistisch für das Versicherungsunternehmen aber immer etwas mehr als für den Versicherungsnehmer.

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