Bin ich Eigentum?

Unweigerlich sind wir in unserer Welt in Organisationen und Machtstrukturen eingebettet. Es gibt Menschen, denen das Unternehmen gehört, für das ich arbeite. In diesem Unternehmen existieren Hierarchieebenen. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass ich nicht ganz oben lande sondern immer irgendjemanden über mir haben werde.

Die Logik dieser Unternehmen ist kalt und berechnend, es gilt den Unternehmenswert zu steigern. Das ist gar nichts Verwerfliches, sondern eine Notwendigkeit unseres Wirtschaftskreislaufs. Nur auf diese Weise kann sichergestellt werden, dass die Kunden das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bekommen und das Unternehmen vor feindlichen Übernahmen geschützt ist. Kein anderes System fördert den technischen Fortschritt und Produktivitätssteigerungen in einem auch nur annähernd vergleichbaren Maß. Davon profitieren auch die Angestellten, in Form höherer Löhne oder niedrigerer Arbeitszeiten. Zu Karl Marx Zeiten war noch die 60 Stundenwoche der Normalfall.

Doch dessen ungeachtet führt das System zu einer Vergötzung. Es fordert von einem Götzendienste. Fortschritt, Hierarchien, Karriere, wir opfern sprichwörtlich unsere Seelen dafür. Es gibt Verhaltensweisen, die mich vorankommen lassen, und welche, mit denen ich gegen eine Mauer laufe und es nie „zu etwas bringen“ werde. Sind diese Verhaltensweisen, die mich voran bringen, dass ich es im Unternehmen zu etwas bringe, aber auch die „Guten“, die Gott gefallen?

Wir begeben uns in diesem System schnell in eine selbstgewählte Form der Versklavung. Auch wenn ich  mich auf der Siegerstraße wähne, das Verhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung fällt spätestens beim Blick auf geistliche Schätze immer ein wenig zu meinem Ungunsten aus. Das hat aber auch schon im rein Materiellen einen simplen Grund: In einem gut funktionierenden Unternehmen ist jeder ersetzbar. Der Mensch als Einzelner wird bedeutungslos und nur noch ein Zahnrad im Getriebe, eine betriebswirtschaftliche Funktion. In einem funktionierenden Unternehmen, werde ich zum Eigentum, muss mich und meine Bedürfnisse, Begabungen und Denkweisen unterordnen. Es ist kein Geschäft unter gleichen.

Gott aber ist Mensch geworden, um mich aus aller Versklavung zu befreien. Sicher, er will, dass ich meinen Beruf gut und gewissenhaft ausführe und mich in die gegebenen Ordnungen einfüge. Er möchte nicht, dass ich zur Waffe greife und aus eigener Kraft eine Revolution anzettele, mit dem Ziel einen wie auch immer gearteten Gottesstaat zu errichten. Er gibt mir die Aufgabe, ein guter und treuer Verwalter zu sein, auch und gerade im Berufsleben und im Umgang mit dem ungerechten Mammon. Aber er möchte auch einen weisen Verwalter aus mir machen. Und weise ist nicht, wer sich zum Eigentum eines anderen Menschen machen lässt, weise ist, wer Gott alleine die Ehre gibt. Jesus hat uns befreit! Lasst uns nicht wieder in Gefangenschaft geraten!

Das bedeutet möglicherweise aber einen hohen Preis bezahlen zu müssen. Der treue Verwalter ist ein gern gesehener Arbeitnehmer. Er führt seine Aufgaben gewissenhaft aus und überzeugt durch Ehrlichkeit und erfüllt seine Aufgaben mit dem gebotenen Ernst. Aber er wird es nie nach oben bringen. Denn der freie, der von Jesus befreite treue Verwalter, buckelt vor keiner Hierarchie. Er sieht nur Jesus und das rechte Handeln, das in dessen Nachfolge anzutreten ist. Aber die eigene Karriere, das eigene Ansehen vor Vorgesetzten, Kollegen oder anderen Menschen, die weltlichen Ansichten eines profitorientierten Unternehmens, all die Leid-enschaften, die notwendig sind um es im Unternehmen „zu etwas zu bringen“, sind ihm gleichgültig. Sein Blick richtet sich ganz auf die himmlischen Schätze, die er in Treue und Integrität erwerben kann, nicht die weltlichen Besitztümer, die er durch ein karriereoptimiertes Verhalten möglicherweise ergattern kann. Und diese Ignoranz für den Götzen kann die Karriere kosten. Diese Freiheit hat einen Preis. Die Nachfolge Jesu führt ans Kreuz.

Denn der Götze möchte verehrt werden. Missachtung der Verehrungswürdigkeit des Vorstands oder Vorgesetzten ist Blasphemie. Wer nicht bei jedem Gedanken vor Augen hat, wie wohl die nächsthöhere Hierarchieebene befriedigt werden kann, wird nicht vorwärts kommen. Diese Götzen fordern irgendwann von einem ein, was eigentlich nur Gott zusteht. Sie setzen denjenigen in eine Sackgasse, der es ihnen nicht gibt. Die Götzen drehen die Verhältnisse um: Sie machen Menschen zu Göttern. Bei Gott dagegen sind alle Menschen gleich. Die Götzen verlangen Rechenschaft und Gehorsam, Gott auf der anderen Seite macht uns zu Priestern und Königen,die nur ihm alleine Rechenschaft schuldig sind, er gibt uns die ganze Erde zur Leihgabe und bettet uns in seinen Schöpfungsakt als Mitschöpfende ein.

 

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