Sind Männer unreligiöser als Frauen?

Überall derselbe Anblick, egal ob Freikirche oder Landeskirche, noch schlimmer bei Joga-Kursen oder anderen nicht-kirchlichen spirituellen Bewegungen: Die Männer fehlen.

Der Frauenanteil insbesondere im aktiven, ehrenamtlichen Bereich ist überproportional. Das bringt die Katholische Kirche mancherorts in ziemliche Schwierigkeiten, sind in dieser der Frau doch gewisse Restriktionen auferlegt, kann aber kaum eine Veranstaltung überleben, lässt man die wesentlich engagierteren und zahlenmäßig überlegenen Frauen nicht ebenfalls mit ans Ruder.

Woran liegt das?

Sind Männer von Natur aus unreligiöser oder unspirituell als Frauen? Ist Glaube etwas Weibliches?

Oder ist unsere moderne gefühlsbetonte Form der Spiritualität so sehr verweiblicht, dass Männer sich einfach nicht zu Hause fühlen?

Ich muss schon sagen, die Gemeinden, die tatsächlich großes Wachstum verzeichnen, sind zumeist charismatischer Prägung. Obgleich ich mit dem Heiligen Geists und seinen Gaben, sowie seiner Mystik, sehr wohl etwas anfangen kann, der sehr erfahrungs- und gefühlsüberladene Frömmigkeitsstil charismatischer Gruppen sagt mir meist gar nicht zu.

Ich persönlich habe meinen Glaubensweg eher mit „alten“, nicht selten kopflastigen Büchern und mit philosophischen Diskussionen begonnen. Am Anfang meines Wegs hin zum Glauben standen ganz nüchterne Fragen zum Sinn des Lebens. Eine emotionale Erfahrung des Heiligen Geists hätte mir in dieser Phase nicht weitergeholfen, mich im Gegenteil eher abgeschreckt. Solchen Erfahrungen konnte ich mich erst wesentlich später öffnen, als meine intellektuellen Fragen zufriedengestellt waren. Gerade wo Gottesdienste freier gestaltet werden, nimmt auch die weibliche Art Dinge zu gestalten zu.

Andererseits sehe icht mich auch nicht gerade als den Urtypus eines Klischee-Mannes, um meine hier gestellte Frage befriedigend beantworten zu können. Mich bewegten manche dramatischen Geschichten und Jesus Erlösungsweg doch auch emotional sehr. Um eine allgemeingültige Antwort für „den“ Durchschnittsmann zu finden, bin ich wohl ein wenig zu anders, feinfühlig, verstand mich mit Frauen meist besser als mit oft viel zu wettbewerbsorientierten Männern. Unter meinen Männerfreundschaften waren auch eher außergewöhnliche Persönlichkeiten überproportional vertreten, entweder der in sich gewandte Denker, der schon fast autistische Züge aufweist, oder ebenfalls recht sensible Charaktere.

Damit bleibt für mich die Frage nicht voll zufriedenstellend beantwortet:

Warum ist Spiritualität irgendwie nichts für Männer?

 

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Veröffentlicht in Blog, Theologie
27 comments on “Sind Männer unreligiöser als Frauen?
  1. Reiner sagt:

    Es gibt solche und solche.

    Selbst habe ich mehr als einen Wandel erfahren, die mich zu meinem Glauben geführt haben. Vielleicht bedarf es eine Reihe leidvoller Erfahrungen, um dort hin zu kommen. Auch, wenn ich mit den Ritualen meiner Kirche nicht viel anfangen kann, möchte ich mir mein Leben ohne meinen mich liebenden Gott nicht mehr vorstellen.

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    • Utopio sagt:

      Ja Leid scheint irgendwo eine Rolle zu spielen.

      Wenn ich zurückdenke: In der Phase, in der ich zum Glauben zurückfand, hatte ich große, krankhafte Angstzustände. Meine „Rückkehr“ zur Suche nach Gott hatte zwar schon vor den Ängsten begonnen, aber irgendwie spielten die doch eine große Rolle.

      Vielleicht muss Man(n) erst vom Ross fallen…

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  2. ananda75 sagt:

    „Das bringt die Katholische Kirche mancherorts in ziemliche Schwierigkeiten“
    – kicher kicher

    hat sicherlich was damit zu tun, dass Frauen nicht logisch denken können, ich meine, so als Mann, der das kann, da sieht man doch gleich, dass das Humbug ist, über’s Wasser laufen und so – und wenn, was ist so Besonderes daran, Basilisken können das schließlich auch und das sind nur dumme kleine Tierchen –

    oder sind Frauen vielleicht mutiger ?
    ist ja so ne Sache, sich einlassen auf etwas, das man nicht kontrollieren kann…

    man fragt sich ja eh – Frauen-„Rechte“ – heutzutage „dürfen“ die Frauen ja schon alles, aber das meiste noch nicht lange, nach Jahrhunderten bis Jahrtausenden schwer erkämpft –
    Warum ist das? Woher kommt das?
    „Normal“ wäre doch alle sind gleich-be-rechtigt
    Unterdrückung – wie alles Negative hat immer den Ur-Grund in Angst
    Warum hatten/ haben (?) Männer Angst vor Frauen?
    Warum müssen sie immer die Stärkeren sein?
    Klar – Glaube an etwas, das größer ist als wir, das könnte ja auch in Schwäche enden…

    Männer vor – Was sagt ihr dazu?

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  3. Guter beitrage, genau diese Frage beschäftig mich auch.
    Ich glaube nicht, dass wir Männer weniger Gottessuchend sind.
    Das Problem liegt warscheinliche her daran, dass die Männer in den Gemeinden sich Verstecken oder zur Passivität neigen. Statt aufzustehen und die Verantwortungen welche Ihnen gegeben wurde wahrzunehmen, versuchen Sie möglichst unauffällig durchzuschleichen. Durch das sind natürlich auch ausenstehende Männer eher geneigt nicht in eien Gemeinde zu kommen, da Männer schon lieber mit andern Männern zusammen austauschen und Diskutieren.

    Ich glaube wir Männer müssen wieder Aktiver werden, wieder mehr etwas anpacken und weniger einfach nur passivität leben. Dann wird es in diesem bereich sicherlich auch wieder vorwärts gehen.

    Viele Männer haben nun mal einen anderen zugang zu Gott als in vielen Kirchen momentan gelebt wird, aber dies liegt daran, dass die Männer welche etwas ändern können in diesem Bereich dies nciht machen.

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    • Utopio sagt:

      Ja, wo schon viel ist (Aktivität von Männern) kommt auch viel dazu. Und wo das wie häufig nicht ist, schreckt es neu hinzukommende eher noch ab.

      Vielleicht kann man das Maß an Aktivität ja in ganz alltäglichen Begebenheiten begründen. Auch heutzutage ist es noch immer so, dass Männer i.d.R. einer Vollzeitarbeit nachgehen. Die Teilzeitangebote werden nach wie vor hauptsächlich von Frauen wahrgenommen , welche in der restlichen Zeit dann natürlich viel mehr Ressourcen für Familie und eben auch für Gemeinde investieren können.

      Was mich stark interessiert ist dein letzter Punkt: Männer haben einen anderen Zugang zu Gott.
      Könntest du das noch weiter erklären? Wo siehst du hier nach deinen eigenen Erfahrungen den Unterschied?

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      • Mit dem Zugang meine ich das, was du auch geschrieben hast. Männer sind meistens weniger auf der eotionaler ebene ansprechbar, sondern mehr auf der Denker und Macher seite. Klar gibt es ausnahmen, aber viele Männer brauchen keine wohlfühl wellness kur, sondern müssen die elemente spühren um gott zu erkennen.

        Spannend ist halt dass viele Männer welche sich bekehrt haben (Inklusive mir), dies erst an einem sehr tiefen Punkt im Leben getan haben, dann wenn Sie erkenen dass es einfach nicht alleine geht und es noch etwas stärkers geben muss. Dieses erlebnis braucht es bei Frauen sicherlich weniger. Aber genau in solchen Situationen ist es unendlich wichtig, dass dann Männer beriet stehen um diese Männer abzuholen und weiter zu Gott zu bringen.

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      • ananda75 sagt:

        Das stimmt nicht, dass Frauen mehr ehrenamtlich u.ä. unterwegs sind, weil sie nur Teilzeit arbeiten – jedenfalls nicht für die Frauen, die ich kenne.

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      • Utopio sagt:

        Das wäre nur eine – vielleicht ja auch komplett falsche – Vermutung.

        Ich merk es vor allem umgekehrt. Eine Vollzeitstelle schlaucht. Da hat Mann oft keine große Lust sich abends noch tiefschürfend zu engagieren. Da ich bei uns personalseitig die Auswertungen programmiere, weiß ich wie hoch die Teilzeitquote bei Männern ist. Praktisch vernachlässigbar. Und das obwohl das Unternehmen, bei dem ich arbeite, was Arbeitszeitmodelle angeht weit flexibler ist als z.B. produzierende Betriebe.

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      • ananda75 sagt:

        Frauen haben das eher in den Genen, sich zu verausgaben 😉

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      • Utopio sagt:

        Das ist jetzt aber sexistisch. 😉

        Wenn ich mir anschaue wie viel Energie Männer in ihren Fußballclub, die Eisenbahnsammlung, oder irgendwelche andere Dinge stecken, die sie packen…dann liegt es glaube ich weniger an der Energie als am Interesse. Warum ist Glaube für viele Männer nicht so packend wie für mich?

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      • ananda75 sagt:

        das is nich sexistisch, mit den Genen meinte ich das mit den Kindern auf dem Rücken Holz sammeln gehen
        hmmm…. Fußball-Klub, Eisenbahn, vielleicht besser als Fernsehen 😉 aber Glaube hat doch wohl eher was damit zu tun, etwas von seiner Zeit und Energie anderen zu geben, da fängt’s doch an, anstrengend zu werden, gell
        Interesse an anderen statt Eigen-Interesse, ich glaub schon, dass das was mit der biologisch-genetischen Veranlagung s.o. zu tun hat

        und zu deiner letzten Frage habe ich oben was geschrieben, da ist bis jetzt noch niemand drauf eingegangen….

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  4. Utopio sagt:

    Das Interesse anderer vor das Eigen-Interesse zu stellen ist keine rein weibliche Veranlagung.
    Frauen und Männer sind nur evtl. dazu veranlagt dieses hinten an stellen der Eigeninteressen auf unterschiedliche Art und Weisen auszudrücken. 😉

    Das Fußballspiel ist ja z.B. ein Mannschaftssport, bei dem nicht das Team gewinnt, das aus lauter Individualisten besteht. Und auch auf Fanseite liegt der Reiz für viele Männer denke ich vor allem in der Kameradschaftlichkeit, die sie sozial mit anderen Fans verbindet.

    Zum Kind auf dem Rücken tragen, während man Holz sammelt: Ich bin kein Biologe und meine historische Bildung über steinzeitliches Familienleben ist nicht groß ausgeprägt. Aber nehmen wir mal das bekannteste Klischee, in der Hoffnung, dass darin eine gewisse Kernwahrheit enthalten ist: Mann ging auf die Jagd und Frau sorgte sich um die Kinder. Der Mann ist dabei nicht nur für sich selbst und seinen eigenen Bedarf auf die Jagd gegangen (obwohl jede Jagd mit dem eigenen Leben bezahlt werden konnte) – Er hat so viel gejagt, dass es für die ganze Gruppe reicht. Er stelle sein Eigeninteresse zurück um die Gruppe ernähren zu können.

    Womöglich wird moderne Spiritualität zu sehr mit weiblichen Formen, sich umeinander zu kümmern, gleichgesetzt. Diese sind gewiss wichtig. Heutzutage ist z.B. Seelsorge ein großes Thema, wo Depressionen und Burn-Out zur Volkskrankheit werden. Gerade im Christlichen sieht man aber vielleicht die z.B. etwas „körperlicheren“ Formen, sich um einander zu kümmern, nicht so sehr, die dann aber wieder eher männlichen Interessen oder Veranlagungen entsprächen? (stark vereinfacht und zugespitzt)

    Zum letzten Satz. Meinst du das hier? “ Glaube an etwas, das größer ist als wir, das könnte ja auch in Schwäche enden“

    Ich denke die Frage ist die passende Ergänzung zu Rainers Kommentar.

    Das männliche Ego steht uns Männern hier vielleicht im Weg.

    Wer stark ist oder glaubt es zu sein, glaubt auch alles alleine schaffen zu können. Gott findet man aber oft erst in der eigenen Schwäche, welche Männer nicht gerne bei sich sehen.

    Manche Männer müssen daher vielleicht erst von ihrem hohen Ross fliegen, um für Gott offen zu werden. Aber ich glaube das passiert mit den meisten Männern auch irgendwann in ihrem Leben. Die Mid-Life-Crisis hat hier vielleicht einen göttlichen Sinn, kann wie jede Krise aber in beide Richtungen führen.

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    • ananda75 sagt:

      ja – ich denke, so in die Richtung geht das, mit der Männlichkeit und der Spiritualität

      Was Fußball betrifft – da kommen wir nicht zusammen – das ist Brot und Spiele, das hat nix mit sozial zu tun – aber lassen wir das Thema, ich kann das einfach nicht nachvollziehen und vielleicht seh ich es ja falsch –

      wenn man zum Frauen in die Kirche-Thema mal nicht bis in die Steinzeit, sondern ein paar Generationen zurück guckt – da ging Mann arbeiten, Frau blieb zu Hause und durfte außer Haus auch nicht machen, was sie wollte – da war Kirche und alles was damit zusammen hing natürlich DIE Gelegenheit aus dem Haus zu kommen – und wenn man mal in einen ganz normalen Sonntag-Morgen-Gottesdienst geht, dann liegt das Durchschnitts-Alter der dort anwesenden weiblichen Bevölkerung bei ca. 75 – davon wahrscheinlich 95 % Witwen – das muss man ja auch mal so sehen

      und Yoga machen die wenigsten als Lebens-Weg zur Spirituellen Vollendung sondern für ne gute Figur – auch das muss man mal so sehen

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      • Utopio sagt:

        Ich selbst bin kein Fußballfan. Ich mag das Spiel einfach nicht.

        Aber sozial auf diakonisch zu begrenzen geht in die falsche Richtung. Beim Fußball und anderen wenig intellektuellen Aktivitäten geht es vor allem um zwischenmenschliche Beziehungen. Männerfreundschaften. Oder noch skurriler als Fußball ist vielleicht Angeln. Zwei Männer, die stundenlang schweigend nebeneinander sitzen. Das ist die wahrscheinlich sinnloseste Art seine Zeit zu verschwenden seit Menschen gedenken. Aber aus einem Grund, den Frauen vielleicht gar nie nachvollziehen werden, entsteht während dieser von außen betrachtet scheinbar sinnlosen Aktivität eine soziale Bande zwischen den beiden Männern. Und das ist das Soziale daran.

        Wird sozial auf messbaren, diakonischen Aktivismus reduziert, verlieren wir ganz normale menschliche Beziehungen wie Freundschaften, deren Qualität weder in Geld noch in der Anzahl geretteter Kinder, gefütterter Hungernder, aufgebauter Krankenhäuser oder dergleichen gemessen werden kann. Gott hat uns zwar geschaffen, um an der Schöpfung mitzuschaffen bzw. nach ihrem Sündenfall mitzuhelfen sie wieder zu reparieren, aber auch nicht, damit wir vor lauter Aktivitäten gar keine Zeit mehr für stinknormale, „sinnlose“ Beziehungen haben. Ich denke da nur an die Geschichte von Jesus mit Maria und Martha.

        Manchmal ist das miteinander Zeit verbringen sozialer als das füreinander Zeit einsetzen 😉

        Deine Beschreibung ist ganz richtig, aber für meine Generation ist das keine Realität mehr. Die jugendlichen Freikirchen, die ich kennengelernt habe, weisen trotz der veränderten Gesellschaftssituation keinen allzu großen Männeranteil auf. Ich würde sagen 2/3 Frauen, 1/3 Männer. Und dabei war keiner von denen über 35. Keine der Frauen in diesen Kirchen gehört noch in die Kategorie, in der sie nichts anderes hätte tun dürfen. Im Gegenteil, die Frauen dort sind i.d.R. Akademikerinnen. Denn die zweite große Gruppe, die im Gottesdienst fehlt, ist die Unterschicht. Meistens werden christliche Veranstaltungen von der normalen bis gehobenen Mittelschicht besucht (im Gegensatz zu den ersten Jüngern Jesu). Wobei das ein Thema für einen anderen Tag ist.

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      • ananda75 sagt:

        miteinander Zeit verbringen – Ja, Zeit ist das schönste Geschenk, das man jemandem machen kann – und schweigend einfach beisammen sein – eine vergessene Kunst – da wird gequatscht und gequatscht und gequatscht – womit ich nicht miteinander reden meine 😉 – beim Walken, beim Fahrrad fahren, in Wald und Natur, da fällt mir das immer besonders auf – Es leben das miteinander Angeln 🙂

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      • Utopio sagt:

        Ich denke du begreifst, was ich meine. Und manche erleben das halt beim Fußball oder anderen Dingen, die man als Brot und Spiele bezeichnen kann. Klar sollte man sich auch um die Ernsten Dinge kümmern, aber Ernst bedeutet auch eine gewisse Anspannung. Beziehungen brauchen zum Wachsen eine entspannte Atmosphäre, die ein Nebeneffekt von Brot und Spiele ist.

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      • ananda75 sagt:

        zum Abschluss – oder auch nicht, egal 😉 erzähl ich dir eine Geschichte aus meinem Leben

        1982 war das (hab ich grad nachgeguckt) 15 war ich da also, wie vermutet
        WM Endspiel Deutschland – Italien, Sommer, Unsinn im Sinn, mit einem Freund und einer Freundin zogen wir durch Düsseldorf
        Kneipe, Fenster offen, drinnen Fußball gucken
        Wir zum Fenster rein für Italien geschrien
        Die waren aber gar nicht entspannt
        Die sind raus gekommen und wir mussten rennen weil sie uns ernsthaft verhauen wollten 😆
        – wenigstens wir hatten Spaß 😆

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      • Utopio sagt:

        Ihr Intellekt war entspannt 😉
        Der hatte gewissermaßen Feierabend. 😀

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      • ananda75 sagt:

        😆

        wünsche dir einen schönen, entspannten Abend 🙂

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  5. Ich glaube, dass Männer einen anderen Zugang zum Glauben haben. Wenn ich mich recht entsinne, gibt es auch eine Untersuchung zu den Fußballspielen: Fußballspiele haben bspw. liturgische (gottesdienstliche) Züge – bspw. die Kleidung, die man nur fürs Spiel anzieht, die Fangesänge usw. usw.

    In den Gemeinden hingegen gibt es 1. eher Angebote für Frauen als für Männer (bspw. Frauenfrühstück oder Frauenkreise), 2. wird sowohl im Lobpreis als auch in den Predigten oft sehr viel Wert auf die Liebe gelegt und bspw. vergleichsweise nur wenig über die Helden des AT oder über die „wilde“ Seite von Jesus. Wenn man sich Jesus anschaut, dann hat er eigentlich recht wenig von einer Rose, die zertrampelt am Boden liegt, sondern dann ist er jemand, der so viel Autorität ausstrahlt, dass Wind und Wellen ihm gehorchen oder dass er Menschen und Vieh aus dem Tempel vertreiben kann. Das kann kein schüchterner, zarter Jesus, sondern nur jemand, der nur so vor einem gesunden Selbstbewusstsein strotzt. Aber diesen Jesus finde ich höchstens in den Bücher von John Eldredge, aber so gut wie nie im Lobpreis oder in den Predigten. Ich habe den Eindruck, dass Jesus da teilweise als Weichei dargestellt wird und dass das mit ein Grund dafür sein dürfte, weshalb sich so wenige Männer davon angesprochen fühlen.

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    • Utopio sagt:

      Das Buch der ungezähmte Messias fand ich auch immer sehr gut.

      Wobei ich nicht weiß, ob man männliche Interessen so 1:1 mit wild widergeben kann.

      Wenn man Mann in Schubladen quetschen wollte, würde ich sagen man kann die Masse an Männern auf zwei Schubladen aufteilen: Die Macher und die Denker. Das wilde passt dann wahrscheinlich besser auf die Macher. Wobei beide sich mit allzu sentimentaler Emotionalität schwer tun.

      Gerade unter Männern gibt es aber nicht nur die Macher sondern gerade hier auch sehr nüchterne Kopfmenschen, Denker, Naturwissenschaftler, Philosophen, … Also eher total sachlich als wild.
      Es heißt ja, das autistische Gehirn sei im Grunde ein „übermännliches“ Gehirn. Ein sehr „männlicher“ Mann zeigt daher umgekehrt wohl oft leichte autistische Züge (die sich oft in irgendwelchen obsessiv verfolgten Hobbies äußern)

      Was mir persönlich an den genannten „Liebes“-Lobpreisliedern nicht gefällt ist gar nicht so sehr, dass sie nicht wild genug sind. Vielmehr dass sie theologisch ziemlich platt sind. Die Bibel ist doch noch etwas tiefgründiger als Jesus wie einen Liebhaber anzuhimmeln. Als jemand, der mehr auf den Text als auf die Musik achtet, bieten die alten Choräle da teilweise weit, weit mehr Tiefe, Botschaft und auch Dramatik. Auch von der Qualität der Lyrics sind die oft auf einem dichterisch höheren Qualitätslevel als dieser „Liebes-Lobpreis“.

      Ein Pastor in Stuttgart (von der City Chapel) hat sich in einer Predigt mal darüber lustig gemacht, dass viele Männern im Gottesdienst nur darauf warten, dass diese Sissi-Lieder endlich zu Ende sind.

      Wobei ich gleichzeitig zugeben muss, dass es auch sehr gute Lobpreislieder gibt und mein mp3-Player voll davon ist.

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      • ananda75 sagt:

        es gibt noch eine dritte Sorte, außer den Machern und den Denkern gibt’s noch die Weicheier, das sind die, die in die Kirche latschen 😆
        Sorry!!! nich böse sein, fiel mir grad so ein und fand ich – nee, find ich grad so lustig 😆

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      • Utopio sagt:

        Naja, dass dir das so kam spiegelt doch gut die Assoziationem wider, mit denen Kirche verknüpft ist.

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      • ananda75 sagt:

        Interessant, was mir grad dazu assoziiert – Ich hatte einen Mann vor Augen, der Glauben total ablehnt, aber überhaupt nicht klar kommt mit sich und seinem Leben – weil ihm völlig der Ruhepunkt fehlt 😉

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      • Ja, da hast Du Recht – nicht alle Männer sind gleich, wobei ich mich schon frage, wieviel die Kopfmenschen unter den Männern mit dem Glauben anfangen können. Ich könnte mir vorstellen, dass gerade die Kopfmenschen viel zu rational für einen Glauben an Wunder oder an Gott usw. sind. 😉

        Mit den Liedern geht es mir teilweise auch so. Es gibt sehr tiefgründige Lobpreislieder -bspw. „Blessed be your name“. Ich kenne kein altes Lied in dem gesungen wird: „Egal was Du mir gibst, egal was du mir nimmst – du bist und bleibst mein Gott. Nur Dir gehört mein Lob“. Auf der anderen Seite sind die heutigen Lobpreislieder teilweise echt sehr platt…

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      • Utopio sagt:

        Das würde ich gar nicht so sagen. Unter Biologen ist Glaube eher selten, unter Physikern sieht es schon wieder ganz anders aus. Historisch gesehen lässt sich auch für die naturwissenschaftliche Suche theologische Wurzeln finden, man denke nur an Kant oder Newton.
        Und man sollte nicht unterschätzen, wie viele brilliante Theologen oder theologisch interessierte Philosophen es gab. Als Historiker, Musikwissenschaftler u.a. kommt man am Christentum praktisch nicht vorbei. Es gibt reichhaltig Material für Kopfmenschen, nur wird es kaum bedient.

        —-

        Was Lobpreis angeht gibt es ganz tolles. Hillsong hat wunderbare Lieder, „Hosanna“ oder „Oceans“ z.B. Was mir auch wunderbar gefällt und zu deinem „Blessed be your name“ passt: „Praise you in the Storm“ von Casting Crowns.

        Bei den alten Liedern ist es etwas weniger in Ich-Form gedichtet, aber oft etwas stärker an einem oder mehreren Bibelversen orientiert und mit zahlreichen theologischen Botschaften im Grunde ein gesungener Teil der Verkündigung. Bsp. eines der bekanntesten. Großer Gott wir loben dich. Da steckt in zwei Strophen eigentlich das ganze Evangelium drin:

        6. Du, des Vaters ewger Sohn, hast die Menschheit angenommen,
        bist vom hohen Himmelsthron zu uns auf die Welt gekommen,
        hast uns Gottes Gnad gebracht, von der Sünd uns frei gemacht.

        7. Durch dich steht das Himmelstor allen, welche glauben offen;
        du stellst uns dem Vater vor, wenn wir kindlich auf dich hoffen;
        du wirst kommen zum Gericht, wenn der letzte Tag anbricht

        Und manchen Liedern merkt man einfach an, dass der Liedschreiber das nicht bei einem warmen Bier sondern in großer Anfechtung geschrieben hat. Ich denke nur an „Die Nacht ist vorgedrungen“ kurz vor Beginn des 2. WK, Klepper mit einer Jüdin verheiratet. Oder die vor dem Leid des 30 jährigen Kriegs entstandenen Lieder (Paul Gerhardt z.B.) oder die in Sklaverei entstandenen afroamerikanischen Spirituals. Da bekommt man teilweise echt Gänsehaut.

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