Die Schöpfung ist auf sich ergänzende Gegensätze angelegt

Die Schöpfungsordnung spiegelt einen sehr mutmachenden und künstlerischen Willen Gottes wider.

Die Schöpfungsordnung darf dabei nicht mit den Geboten verwechselt werden, wie wir sie von Noah oder von Moses kennen. Die Gebote sind eine Antwort Gottes auf den Sündenfall, sie sollen das Böse in seine Schranken weisen. Paulus thematisiert  zu Recht, welchen Stellenwert das Gesetz in der Gemeinde nach Pfingsten noch hat. Jesus hat den Sündenfall schließlich in Kreuz und Auferstehung geheilt und der Heilige Geist wurde in die Herzen der Gläubigen ausgegossen. Erfüllt vom Heiligen Geist können sie viel flexibler als ein Gebot auf die Komplexität des Lebens reagieren und erkennen, wann sie einen Ruhetag benötigen und wann es die Liebe gebietet den Sabbat zu brechen, um jemanden zu heilen.

Die Schöpfungsordnung dagegen spiegelt Gottes Willen wider, noch lange bevor der Sündenfall alles kaputt macht.

Die Schöpfung ist dabei als etwas unglaublich Schönes angelegt: Gott schafft alles als Komplemente. Komplemente sind Gegensätze, die sich ergänzen, und gemeinsam mehr als ihre Summe bilden.

So lesen wir wie er Licht und Dunkelheit scheidet, Wasser und Land, Pflanzen und Tiere, Mann und Frau.

Es ist eine atemberaubende Kraft in diesen Bildern. Diese sagen etwas sehr Erstaunliches über Gott aus. Ihm musste sehr wohl bewusst gewesen sein, dass in diesen Gegensätzen ein großes Konfliktpotential steckte. Mann und Frau verstehen sich einfach nicht so gut wie Mann und Mann oder Frau und Frau. Sie sind unterschiedlich in ihrer Biologie bis hin zu ihrer Wahrnehmungswelt und ihren Denkweisen. Aber Gott will diese Unterschiedlichkeit. Er will keinen Einheitsbrei, wo sich nur Gleich und Gleich zueinander gesellt.

Erstaunlich ist auch, dass dieser Wille Gottes nicht nur von den Juden erkannt und in Form von Genesis zu Wort gebracht wird. Auch andere Kulturen erkannten es durch Beobachtung der Natur. Es gibt kaum ein schöneres Symbol, um die Komplementarität der Schöpfung anschaulich zu machen, als Yin und Yang. Auch dieses Symbol steht für Licht und Dunkelheit, für Mann und Frau, genau wie in Genesis beschrieben. Visuell in Form einer Zeichnung dargestellt, wird es uns aber noch eindrücklicher als in Form von Worten. Erst als Einheit formen diese beiden Gegensätze einen für das menschliche Auge harmonisch wirkenden Kreis. Der eine braucht den anderen, um ein Ganzes zu bilden, trotz oder gerade wegen ihrer Unterschiedlichkeit.

Gott geht das Risiko ein, dass durch die Gegensätze Konflikte entstehen. Denn er weiß, welche schöpferische Kraft entfacht werden kann, wenn die Gegensätze eins werden, als sich ergänzende Einheit.

Die wohl ursprünglichste schöpferische Kraft wird in Genesis 1 beim Namen genannt. „Seid fruchtbar und mehret euch.“ In Mann und Frau ist dem Menschen die Kraft gegeben neues Leben zu erschaffen! Als werdender Vater erlebe ich dies derzeit emotional am stärksten. Aber die Kraft aus den Gegensätzen beschränkt sich nicht nur auf die Fortpflanzung. Wer es schafft Harmonie ins konflikthaltige Spannungsfeld der Unterschiede zu bringen, wird es auf allen Ebenen erleben. In der Ehe, in interkulturellen Beziehungen, oder man schaue nur auf die feinsinnig ausbalancierten Gleichgewichte in der Natur,…

 

 

 

Advertisements
Tagged with: , , , , , ,
Veröffentlicht in Blog, Theologie

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: