Was hat Sünde mit Tod zu tun?

Im christlichen Glauben ist der Tod die Kehrseite der Sünde. Mit der Sünde kam der Tod in die Welt. (1. Moses 2,17). Sie stehen in einem kausalen Zusammenhang zueinander. Die Erlösung von dem Tod setzt also eine Erlösung, eine Loslösung, von der Sünde voraus. Ohne das eine ist das andere nicht möglich.

Wieso aber werden Sünde und Tod in einen so engen Zusammenhang gesetzt? Wie kann ein oft rein moralisch verstandener Begriff wie Sünde mit einem messbaren biologischen Vorgang wie Tod in Zusammenhang stehen? Und das auch noch vor dem Hintergrund, dass die ganze Welt der Vergänglichkeit und damit dem Tod ausgesetzt ist, aber nur der Mensch intellektuell in der Lage ist in moralischen Begriffen zu denken und ein Gewissen herauszubilden?

Die Verknüpfung von Sünde und Tod kommt nicht aus ihren für sich alleine stehenden Eigenschaften. Für sich betrachtet haben die beiden nichts miteinander zu tun. Erst wenn wir sie in Verbindung mit einer dritten Größe betrachten, wird deutlich, woher der Zusammenhang kommt. Sünde und Tod werden von etwas umgeben, das sie in einen gemeinsamen Kontext zwingt, oder besser gesagt von etwas nicht umgeben, dessen Fehlen sie miteinander verbindet.

Um diesen theologischen Gedankengang nachzuvollziehen, müssen wir uns das Gegenstück zum Tod betrachten. Biblisch gesprochen das ewige Leben (Exkurs: welches in seiner Qualität noch mehr beinhaltet als die rein quantitative Klassifizierung der Unsterblichkeit). Ewiges Leben ist biblisch von Gott abhängig. Gottes heiliger Name Jahwe bedeutet „Ich bin“ (in allen Zeitvarianten) oder kurz gesagt er ist der Seiende. Die herausragende alttestamentliche Eigenart Gottes, die ihn von allen anderen Geisteswesen abhebt, ist die des Schöpfers. Gott ist also das Leben und der Grund, die Quelle allen Lebens des Universums. Ewiges Leben ist somit nur bei Gott möglich, bildlich im Baum des Lebens dargestellt.

Was haben nun Sünde und Tod gemeinsam, wenn sie doch keine gemeinsamen Eigenschaften besitzen?

Die Gottesferne.

Der Tod ist das Gegenteil von Sein, er ist also das Gegenteil von Gott.
Und Sünde ist jener unheilvolle Zustand, der die Schöpfung von Gott trennte, wodurch sie zu einer gott-losen Welt wurde, die der Erlösung bedurfte. Sünde ist nämlich nicht nur eine moralische Begrifflichkeit. Die Sünde, mit bestimmtem Artikel, beschreibt einen Zustand. Sie beschreibt den Zustand einer gestörten Beziehung, einer klaffenden Distanz zwischen Mensch/Welt und Gott.

Im Umkehrschluss muss also zur Überwindung des Todes daher zuerst die Distanz zu Gott beseitigt, die Beziehung zwischen Mensch und Gott repariert werden. Darum ist das ewige Leben im christlichen Glauben so eng mit der Sündenvergebung verbunden. Deshalb geht der Sieg über den Tod mit der Ausschüttung des Heiligen Geistes einher, jener ultimativen Nähe zwischen Mensch und Gott, durch welche Gott im Menschen seinen neuen Tempel, sein neues Wohnzimmer bezieht.

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4 Kommentare zu „Was hat Sünde mit Tod zu tun?

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  1. Sehr stark vereinfacht, könnte man die sünde mit einer invusion vergleichen.
    Die nähe Gottes ist dabei die invusion. Sie spendet uns die lebens notwendige nahrung.
    Die sünde trennt aber die invusion von uns ab. Die nahrung fliesst nicht mehr.
    Wir gehen langsam zu grunde und sterben. Doch Jesus stellt diese verbindung wieder her,so dass wir neues leben erhalten.
    Natürlich ist dies sehr vereinfacht und viele aspekte sind nicht abgedekt, doch um den grundgedanken zu fassen hilft es vieleicht.

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    1. Gutes Bild.

      Ich denke einer muss mit seinem Bild nicht alle Aspekte abdecken. Es geht hier ja um heilsgeschichtliche Vorgänge, die menschliche Begriffe übersteigen. Ein Bild kann nie alle Aspekte abdecken, sondern nur einen Funken Verständnis mitgeben, wovon die Bibel und wir Christen eigentlich reden.

      Bei Sünde denkt man vielleicht noch an Knöllchen fürs Falschparken. Aber diese Bedeutung der Sünde kennen heute ja die wenigsten noch. Und verstehen dann auch nicht, was das mit Jesus soll und worum es in der Bibel eigentlich geht.

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      1. Da hast du recht, ich bin da manchmal ein bischen zu perfektionistisch und möchte dann möglichst alles abdecken (;
        Ich denke das ganze sündenkonstrukt wird eim erst richtig bewust, wenn man jesus kennen gelernt hat. Bei mir war es zumindest so.

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