Das ganz Persönliche

Ich neige dazu schnell mich in Abstraktem zu verlieren. Meine Stärken liegen darin analytisch das große Ganze zu erfassen. Eine gewisse Affinität für Zahlen und eine fürs Innere reservierte Introversion ergänzen diese Stärken. Und so rückt der persönliche Kontakt schnell in den Hintergrund.

Dasselbe geschieht oft mit unserem Glaubensleben. Schön komplex können die feinen Fäden im Abstrakten sein, sehr belebend das Gefühl, wenn meine Gedanken von einem Zusammenhang zum nächsten springen, bis sie womöglich tatsächlich eine neue Erkenntnis entdeckt haben.

Das Leben aber findet in der Unmittelbarkeit des ganz Persönlichen statt.

Auf das Glaubensleben übertragen finden wir dies in vielen alten und modernen Irrwegen. Da wird Gottesdienst zu einer Lehre verkürzt, auf eine Dogmatik, die man auswendig lernen und vor einer Gruppe an Menschen ohne zu stottern vortragen können müsse. Alles Heil liege darin, das richtige Bekenntnis, in dem die wahre Lehre konzentriert wurde, zu ergreifen und bezeugen zu können. Oder aber Gott wird zu einer abstrakten Kraft, einem höheren Macht, die wie die Macht in Star Wars zwar irgendwie übernatürlich ist, alles durchdringt und verbindet, aber doch auch ebenso ungreifbar und unwirklich wie die Dogmatik bleiben muss. Gott ist hier wie da ein Abstraktum, ein Etwas, mit dem ich keine unmittelbare Beziehung habe. Bei anderen wiederum ist Gott ein anderes Wort für  Naturkonstanten und ihre Feinabstimmungen, ich spreche dann nicht zu DEM Gott sondern von einem göttlich-pantheistischen Prinzip, das hinter der Natur steckt, ein Synonym für eine Reihe natürlicher Begebenheiten, die wir nicht aus sich selbst erklären sondern voraussetzen müssen.

Mit einem solchen Glaubensleben wird man der Unmittelbarkeit der Gotteserfahrung eines persönlichen Gottes beraubt. Nur Gott als Person, die in Jesus Christus zudem vollständig Mensch geworden ist, lässt Leben in Beziehung und Erfahrungen zu. Denn das wahre Leben findet nicht im Bestaunen des Abstraktums statt, so bestaunenswert groß es auch ist, oder im Erkennen der Wahrheit, sondern in der Direktheit des persönliches Kontakts, der Berührung und des Sehens, der Beziehung.

Meine Frau als Objekt der Erkenntnis, meine Frau als Idee von Weiblichkeit, ist kein Vergleich zur Erfahrung meiner Frau in der unmittelbaren Beziehung, durch Gespräch, durch Berührung, zwischen mir und ihr.

Um mich aber dieser Erfahrung und Beziehung zu öffnen, muss ich mich auch den Ankern entledigen, die mich an meinen alten Menschen binden. Wenn Gott in seinem Geist vor mir und in mir steht, erschüttert dies die Grenzen meiner Existenz. Johannes von Kreuz sprach davon, dass dieser Weg daher oft erst in eine Dunkelheit führen kann, die aus der Überreizung herrührt, durch die wir uns in Seele und Geist erneuern. Wir werden neu und werden dann mit dem Gott, der spricht und mit dem wir sprechen können, geeint.

Gott ist uns Person. Die Bibel ist keine systematische Aufbereitung von Lehren oder Dogmen, sie kennt keine göttlichen Prinzipien und keine abstrakten Vorstellungen von etwas „Höherem“ oder „Niederen“. Sie ist eine lange, jahrtausende umspannende Beziehungsgeschichte, der Beziehung zwischen Gott und den Menschen, zwischen mir und IHM.

In diese Beziehung will ich treten, auf dass meine Worte nicht von „ihm“, sondern von „dir“ erzählen. Denn dich zu sehen und deine Stimme zu hören, ist meines Lebens Glück.

 

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4 Kommentare zu „Das ganz Persönliche

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  1. Hallo, und danke für deinen Betrag der wirklich die Wahrheit sagt. Würde aber gerne noch hinzufügen, wenn ihr gestattet, dass die Bibel eine Beziehungsgeschichte ist jedoch mit klaren Grenzen und Regeln die von Gott vorgegeben werden und wenn ich wirklich eine lebende Beziehung mit Ihm hab, dann halte ich mich in diesem Rahmen. Danke

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    1. Das ist richtig. Gott ist heilig und wir sollen heilig sein.

      Allerdings ist uns das von uns aus gar nicht möglich.

      Auch das ist eine Beziehungsgeschichte. Der Heilige Geist schreibt Gottes Gebote in mein Herz wie es meine ich bei Jesaja prophezeit wird. Ich halte sie nicht als Pflicht wie die Pharisäer und nicht aus eigener Kraft sondern weil ich mit Gott in mir im Geist in Beziehung stehe, dadurch von seiner Liebe und seiner Gerechtigkeit ergriffen werde und sich darum mein Denken und somit auch mein Handeln verändert. Und das kann auch ein Prozess sein.

      Gefällt 1 Person

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