Innere Leere

Der Mensch, eine Spezies gebrochener Seelen, wünschte sich etwas zu sein, genau spürend es nicht zu erreichen. Ganzsein liegt immer genau einen Zentimenter vor meinen ausgestreckten Fingern. Und so verschütte ich mich, Betäubung suchend, in Arbeit, in Ablenkung, in mich selbst. Durch die Straßen mit geschlossenen Augen und Ohren stolzierend, unberührt eilen Zeit und unzählige Schicksale vorüber.

Was könnten mir die Augen meines Gegenübers verraten, wenn ich mir die Mühe machte sie zu durchdringen und die Seele dahiner zu sehen bekäme? Könnten wir gemeinsam ganzer werden als im Dunst unserer einsam benebelten Reise? Es liegt ein tiefer Schmerz ins Leben eingeprägt, keine Entwicklung ohne sich stets aufs Neue selbst zu überwinden. Und am Ende lohnt sie sich gar nicht, den einen Berg erklommen erlebe ich, dass der Sieg mich nicht auszufüllen vermag, nur eine Zeit lang meine Leere vergessen machte.

Also begebe ich mich, meinen Schmerz in mir mitnehmend, zu dir in aller Stille, ihn ausdehnend. In Gedanken trete ich in einen Tempel, deinen, wo kein Geräusch mehr zu mir dringt. Keine betäubenden Wellen verleihen hier meiner Leere einen Weg sich meiner zu bemächtigen und ein Versteck im Nebel zu finden. Vollständig entkleidet trete ich entblößt bis zum letzten Socken vor den Altar und erhebe meinen Blick, so voller Fragen und zweifelnder Angst. Gibt es keine Ganzheit für unsere Seelen? Sind wir verdammt in unserem sinnlosen Stückwerk gefangen zu bleiben? Die Welt langweilt mich und mit ihr meine Getrenntheit, die Zerstückelung in unendlich viele Fragmente und die Gewalt, die wir körperlich, seelisch, geistig einfach nicht lassen können.

„Herr, wohin sollen wir gehen?“

Wohin wird uns dein Weg bringen? Ich folge mit meinen Augen den Fußspuren, die du hinterlassen hast. Der Weg erschreckt mich, mit jedem Blick wird der Schmerz und die Gewalt größer. Wenn das erste Blut die Fußstapfen Rot einfärbt, will ich den Rückzug antreten. Aber gibt es wirklich einen anderen Weg? Wehe, wehe, wenn ich an das Ende sehe. Das Kreuz sieht erst noch friedlich aus, bis ich die Nägel erspähe und die Schreie, meine Schreie, mir durch Mark und Bein gehen. Aber wohin sollen wir sonst gehen?

Der alte Mensch will zurück in seine Betäubung. Meinen Schmerz breite ich stattdessen vor dir aus, er gehört zu mir, das bin ich, gebe ich dir und liegt nun da. Ich fühle deine Berührung, die erste echte, und waren es noch so viele andere davor. Ich begreife, der Mensch ist ein gebrochenes Wesen. Er kann so nicht bleiben, er zerstört erst mich und dann dich, am Ende die ganze Schöpfung gleich mit. Alle Entwicklung ist Illusion. Ans Kreuz muss er.

„Du hast Worte des ewigen Lebens“

Der Tod am Kreuz ist der Anfang, dann die Ewigkeit.

Langsam, es noch nicht voll ergriffen, werde ich ganz … verbunden … im Neuen, das eben erst begonnen hat … noch ists nur ein Senfkorn im Acker…

Losung vom 01.10.2016: Johannes 6,68

 

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Veröffentlicht in Alltag, Blog
3 comments on “Innere Leere
  1. Reiner sagt:

    An guten Tagen
    darf ich anders leben.

    Manchmal habe ich schlechte Tage.
    Das geht in Ordnung.
    Früher
    hatte ich schlechte Jahre.

    Leben ist Wachstum, Besserung.
    Für uns Kinder der Evolution.

    Grüße & guten Morgen!

    Gefällt 2 Personen

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