Besonnen und nüchtern

„Seid nun besonnen und nüchtern zum Gebet. Vor allen Dingen habt untereinander beständig Liebe“ 1. Petrus 4,7-8

So lautet der Lehrtext der heutigen Losung.

Besonnen und nüchtern scheinen zwei Vokabeln, die in Zeiten des aufgeregten Verschwörungstheoretikers, des besorgten Bürgers oder der wütenden Facebook Kommentare zu Fremdworten geworden sind.


Unter diesen Kommentaren mag es durchaus Kritik an herrschenden Verhältnissen geben, die bei nüchterner Betrachtung einen wahren Kern enthält. Was der Kritik aber oft fehlt ist die Besonnenheit, die alles Reden und Tun konstruktiv und friedfertig in Liebe eindeckt, und nicht mit brennenden Fackeln und Wut im Bauch losmarschieren möchte.

Wie unterschiedlich waren die urchristlichen Apostel hier in ihrem Vorgehen, auch gegenüber anderen Kulturen und Religionen wie z.B. Paulus in Athen. Wie verschieden Jesus Weg. Keineswegs waren sie blind für die Missstände im römischen Reich und noch weniger unter den eigenen Reihen. Aber ihr Pfad führte sie in die Liebe. Ihre Liebe erkannte nüchtern die Kranken, Armen und Ausgestoßenen der Gesellschaft und die Ungerechtigkeit, die ihnen widerfuhr. Aber ihr Pfad führte sie in eine besonnene Liebe, welche die Kranken heilte, den Armen eine Mahlzeit gab und die Ausgestoßenen in die Gemeinschaft zurückführte, aber ganz ohne der Wut und Rache Raum zu geben, zu der die Ungerechtigkeit unser Herz gerne verführt. Es ist ein Weg der Vergebung, der selbst für die brutalsten römischen Soldaten, und gar für den Schlächter Saulus einen Neuanfang ermöglichte.

Nüchternheit, Besonnenheit und Liebe, wem käme es in den Sinn diese drei Worte in eine Reihe zueinander zu stellen? Und doch macht es großen Sinn. Die Klarheit meines nüchternen Verstandes wird oft nur durch Besonnenheit ermöglicht, die geduldig und friedfertig ein Endergebnis erwarten kann, und nur in der Liebe wird mein Denken nicht eiskalt und berechnend. Umgekehrt benötigen wir gerade in Zeiten emotionsgeladenen Populismuses einen klaren, nüchternen Verstand mehr denn je, der die Fakten prüft und sich nicht auf zu vereinfachende Kurzschlüsse einlässt. Aber all das muss immer und unter allen Umständen unter einer den Menschen zugewandten Liebe stattfinden, die sie nicht zu Nummern oder auf Eigenschaften degradiert. Dafür wiederum benötigen wir das Gebet, das uns unter Gottes Wille stellt.

 

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Veröffentlicht in Alltag, Blog

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