Die Frucht des Friedens

Was bedeutet uns das Wort Frieden eigentlich, haben wir doch nie den Krieg kennengelernt? Es ist etwas Unwirkliches für uns geworden, das Klischeewort einer in Oberflächlichkeiten dümpelnden Gesellschaft, die Frieden mit Konfliktlosigkeit verwechselt und damit den Nährboden für zukünftigen Unfrieden legte. Was wünscht du dir? Weltfrieden, so das Klischee des gut meinenden, wenig von der Welt verstehenden, wenig seinen Verstand bemühenden Wohlstandsmenschen.

Was bedeutet das Wort Frieden mir als Christen? Ist es die Versuchung, den Glauben zu verleugnen und des Friedens Willen das Kreuz abzulegen, das Wort Jesus hinter wohlklingenden, aber inhaltsleeren Begrifflichkeiten zu vernebeln?

Was bedeutet es, dass Frieden Frucht des Heiligen Geistes ist? Als Stifter des Friedens sendet uns jener Jesus in die Welt, der selbst Gewalt als Ende seines Lebens fand und prophezeite, welches schwere Opfer auch seine Nachfolger erleiden würden. Die Tradition besagt, dass seine Aposteln keines friedlichen Todes starben. Das Schwert hatte er gebracht, das seine Nachfolger enthaupten würde.

Vielleicht aber ist der Frieden Gottes, der Frieden, welcher der Heilige Geist bringt, eine andere Art von Frieden! Wer Paulus liest entdeckt keine unbestimmte Vernebelung und in seinen inhaltsvollen, eng gepackten Sätzen keine Oberflächlichkeit. Er spricht ein klares und auch schon für die damalige Welt, ein die damalige Welt herausforderndes Bekenntnis. Dieser Frieden ist von einer anderen Dimension als die Längen, Breiten und Tiefen des Friedens, den die Welt kennt.

Der Heilige Geist errichtet in dem Jesus-Menschen erst einmal Frieden mit Gott. Er ruft ihm zu : Deine Sünden sind dir vergeben, deine Ketten sind dir genommen, der Zorn Gottes hat ein Ende … er spricht Shalom über ihm aus. Und wie dieser erste Dominostein fällt und die Erkenntnis der Erlösung mit dem Heiligen Geist in ihn einsickert wird ein zweiter Stein angestoßen und ins Wanken gebracht bis auch er stürzen werde, um eine heilige Kettenreaktion auszulösen. Wenn er nun in den erwirkten Frieden mit Gott tritt und sich seiner Ketten entledigt, hat er nicht nur Frieden mit Gott gefunden, er wird auf dessen Grund selbst Frieden werden. Das Shalom bemächtigt sich seiner, auf dass er werde, was er fand. In dem er aber wird, was er fand, tut er, was er wurde, worauf der dritte Stein wackelt und stürzt und es nicht mehr nur eine Privatsache zwischen ihm und Gott oder zwischen ihm und seiner selbst bleiben kann.

Dieser Frieden scheut das Bekenntnis nicht, denn aus ihm erst kam er. Er scheut auch den Konflikt nicht, denn das Böse ist eine Tatsache und muss ins Licht Gottes treten und demaskiert werden. Es ist ein Wille zum Frieden, der im Wissen um das ewige Shalom der letzten Tage, wenn die Welt einst selbst auferstehen und eine neue werden wird, auch eigene Nachteile in Kauf nimmt und gar das eigene Leben nicht schont. Aber es ist ein Frieden, welcher in Mitten aller Klarheit stets Gottes Licht in sich trägt und keiner Rechthaberei wegen je den anderen erniedrigt, sondern immer den Gott gewollten, von Gott eigenhändig ins Leben gerufene Menschen sieht. Es ist ein Frieden, der sich nicht zur Waffe zwingen lässt, in Freiheit Gewalt jedweder Art eine Absage erteilen kann. Der auch dem die Hand zu reichen versucht, der sie abschlagen möchte. Es ist ein Frieden, der die innere Ruhe mit sich bringt, nicht mehr abhängig zu sein von den Meinungen anderer, von Geld oder von Ansehen. Und es ist ein Frieden, der die innere Ungebundenheit schafft,  eigene Fehler zuzugeben und Versöhnung mit dem anderen zu suchen.

Ich sehne mich nach ihm, erlebe ich mich selbst doch als noch viel zu unfriedlich. Meine Gedanken sind noch weit entfernt von dieser inneren Ruhe, gleichen mehr einem streunenden Hund, der aus Angst mal in jene und dann wieder die andere Richtung jagt, immer in der Hoffnung Futter zu finden, aber unsicher und wankelmütig wegen der Angst abermals verscheucht zu werden. Oft fehlt mir die innere Freiheit, in mir ruhend, in friedlicher Harmonie von meinem Gott zu erzählen oder zumindest mit einer ausgestreckten Hand anderen Menschen zu begegnen und ohne Furcht vor möglichen Folgen auf andere zuzugehen oder auch nur über den eigenen Fehlern zu stehen.

Ich verlange danach noch tiefer im Heiligen Geist zu versinken und jenen befreienden Frieden mit Gott, mir selbst und den Menschen zu finden, ihn zu werden und zu tun…Dafür bete ich.

 

Advertisements
Tagged with: , , , , , , , ,
Veröffentlicht in Früchte

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: