Vom Traum

berlinmitte
In ihm liegt eine wirre Unwirklichkeit, die doch realer manchmal scheint als das Leben. Vor meinen geschlossenen Augen formen sich Gedanken, Geräusche und ganze Orte, teils zusammengesetzt aus bekannten Erinnerungen und teils wie aus einer fremden Welt entrissen. Das Ich dort ist unverkennbar Ich und doch ganz anders. Er fühlt sich nach mir an und doch geschehen seltsame Dinge, die ich so niemals täte, sagte oder dachte. Wer ist diese Person, die ich dort erlebe?

Manchmal sind Herausforderungen in den Traum gestrickt, die im wachen Leben profan erscheinen. So galt es einmal ein Ziel zu erreichen, was im Traum unmöglich erschien und in immer verschlungere Wege führte, wie sie Kafka nicht besser hätte ausmalen können, während ich im wachen Leben einfach an die Kasse trete, um das Stadion zu betreten.

Welche Botschaften mögen hinter manch seltsamem Traum von meinem Unterbewusstsein an die Oberfläche quellen?

Es gibt ganze Ratgeber, die sich darauf verstehen einen Traum zu deuten. Wir suchen dabei gerne nach der großen sinnvollen Lehre. Manchmal kann eine einfache Verquickung von Seele und Leib das Rätsel schon lösen. Hinter dem sexuell aufgeladenen Traum von vorgestern steckte  die von unten hervorquellende Botschaft doch bitte endlich die Toilette aufzusuchen. Andere Träume dagegen bleiben ein wahres Mysterium und übertreffen in ihrer mysteriösen Symbolik jeden Mystery-Blockbuster. Die Bibel wiederum erzählt von Träumen wie die Daniels, hinter denen sich ganze Prophezeiungen oder göttliche Deutungen verbargen. Auch meine Sinnsuche selbst kann sich in dem Traum auf mannigfaltige Weise manifestieren. In einem Buch zur Seelsorge wurde der Rat gegeben, bei jedem Traum die Frage zu stellen, was er über mich aussagt.

Ich liebe das Träumen und kann meine Dankbarkeit gar nicht zu sehr betonen, dass diese surreale Art des sich selbst Erlebens uns Menschen geschenkt wurde.  Er versetzt uns in eine andere Welt, die doch zu 100% wir selbst sind. Der Traum zeigt uns, wie viele Dimensionen wir beinhalten, ein ganzes Universum vermag unser Unterbewusstsein aus dem Nichts zu schaffen. Wie viel weniger unwirklich erscheint mir da die Möglichkeit, dass Gott in der Tat aus dem Nichts ein ganzes Universum in seine Existenz rief.

Der Traum verrät mir viel über mich selbst und wie klein mein wacher Teil doch ist. Er verrät mir etwas über die Illusion der Kontrolle, bin ich im Traum ganz dieses fremde Ich ohne meinen bewussten, freien Willen. Er lässt mich erleben, was wirklich in mir steckt. Spätestens hier muss ich mich den Ängsten stellen, die ich am Tag verdränge oder unter den Teppich kehre, hier kann kein frommes Geschwätz meine Begierden übertünchen, gerade die Sexuellen können sehr plastisch werden, und ganz deutlich wird, was mich innerlich vom Tagesgeschehen oder meiner Gefühlswelt noch weiterhin beschäftigt.

Aber das faszinierendste an allem bleibt: Obwohl im Traum das am Tag Erlebte verarbeitet wird, oder den Fantasien, Gefühlen oder Gedanken Ausdruck verliehen, die bis dato nicht ins Bewusstsein hervordringen konnten … jeder Traum beinhaltet trotzdem in seiner Bildstärke und Erfahrungswelt ein Stück mehr als das. Der Traum ist nicht nur die Summe aus bekannten Erinnerungen und unterbewussten Empfindungen, es ist noch ein Funken mehr enthalten. Eine Messerspitze komplett Neues, ein Bild, das ich im Wachen noch nicht gesehen und ein Gedanke, den ich so noch nicht gedacht habe. Der Traum ist in sich kreativ und erschafft zusätzlich zum unterbewusst Bekannten immer auch etwas komplett Neues, bis dahin Unbekanntes … als zöge er es aus einem anderen Universum.

 

 

Advertisements
Tagged with: , , , , , , , ,
Veröffentlicht in Alltag, Blog
One comment on “Vom Traum
  1. ananda75 sagt:

    seh ich auch so 🙂

    und ich habe ganz klar verschiedene Sorten Traum – die man nicht in exakt verschiedene Kategorien einordnen kann, aber so ungefähr:
    – Verarbeitung von Eindrücken, von denen wir ja bewusst längst nicht alles mitkriegen, was so in uns rein strömt im Laufe des Tages
    – Erklärungs-Träume, die mich etwas verstehen lassen
    – und das was ich nenne die „Botschaften aus der Nacht“ – das sind meist ganz klare, deutliche Sätze, die ich beim wach werden im Kopf habe und die mir sagen, was ich tun soll

    In diesem Sinne – immer schön weiter träumen 😉

    https://ananda75.wordpress.com/2016/11/15/what-is-it/

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: