Vom Weihnachtschristentum und dem Ende der Kirche

Einen Advent lang habe ich jedes Wochenende auf dem Weihnachtsmarkt verbracht, und doch bleibt am Ende das komische Gefühl zur letzten Generation zu gehören, die Weihnachten noch auf die „alte Weise“ kennenlernte. Es ist nur eine Frage der Zeit bis den Kirchenaustritten auch das Ende der „Weihnachtschristen“ folgt. Dort wo Kirche nur noch eine kulturelle Tradition ist, kann es nicht mehr lange dauern, ihr Untergang ist vorprogrammiert. Irgendwann werden die Leute begreifen, dass ihre nostalgische Vorstellung eines idyllischen Weihnachtsfests alleine nicht mehr ausreicht, um die Kluft zur auf der Kanzel gepredigten Glaubensüberzeugung überdecken zu können. Und dann werden sie auch an Weihnachten fern bleiben.

Wenn das geschieht wird zwischen geschmückten Bäumen und dem Coca Cola roten Weihnachtsmann nicht mehr viel vom kirchlichen Weihnachten übrig bleiben. Bereits jetzt scheinen theologisch tiefgründigere Weihnachtslieder „last christmas“ zu weichen. Vielleicht ist der Titel prophetisch und wird einst nicht mehr als Erinnerung an das letzte Weihnachtsfest sondern als Verkündigung des letzten Weihnachten gesungen werden.

Das Christentum als Popkultur wird schon bald ausgedient haben. Vielleicht ist es gut so. Der christliche Glaube war seit jeher nicht wirklich mainstreamtauglich, als Oppositionsglaube im Judentum und dem römischen Reicht entwickelte es seine authentischste Kraft,  eine Kraft, die nur der Geist Gottes verleihen kann. In den dunklen Ecken der Welt und bei den Schwachen und Kleinen hat er seinen Platz und nicht auf pompös glitzernden Marktplätzen. Wie es so schön bei Jochen Klepper hieß: „Gott will im Dunkel wohnen“. Und so wird das Licht der Welt in Armut und Dunkelheit hineingeboren, am äußersten Rand der Gesellschaft, am hintersten Ende der damaligen Welt, in das von allen verhasste und ständig unterdrückte Volk der Juden hinein.

Erst wieder auf diese Stellung heruntergeschmolzen und an den Rand, gar den tödlichen Abgrund verwiesen, wird die christliche Botschaft einst wieder ihre alte Kraft zurückgewinnen, jene Kraft, die den verarmten Hirten in Bethlehem damals die Hoffnung gab ganz ohne Kirche und ganz ohne staatliche Zuschüsse die Geschichte von Jesus weiterzuerzählen und „Gott zu loben und zu preisen für alles, was sie gehört und gesehen hatten“ (Lk 2,20).

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Veröffentlicht in Alltag, Blog, Theologie
4 comments on “Vom Weihnachtschristentum und dem Ende der Kirche
  1. Leider wird Weihnachten immer mehr der Sinn genommen. Ich arbeite mit Kindern und stelle fest, dass viele eben nicht mehr wissen, warum wir Weihnachten feiern. In einer städtischen Einrichtung darf das auch so nicht erzählt/gefeiert werden, höchstens im Ansatz. Ich verstehe das aufgrund der vielen Kulturen, die da aufeinander kommen. Trotzdem ist es natürlich irgendwie schade.

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    • Utopio sagt:

      Dass man es zur Trennung von Staat und Religion in staatlichen Einrichtungen nicht feiert kann ich noch irgendwo verstehen. Aber die staatlichen Einrichtungen haben i.d.R. auch einen Bildungsauftrag und dazu gehört auch die Bedeutung der deutschen Feiertage.

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      • Ja, dieser Bildungsauftrag darf und soll auch erfüllt werden, aber eben mit so wenig Religion wie möglich. Ganz ausblenden will ich es aber nicht, Weihnachten ist nun mal ein christliches Fest. Dazu muss man sagen, dass ich in einer Einrichtung mit fast 100% Migrationsanteil arbeite. In Einrichtungen mit anderem Klientel kann das auch anders aussehen.

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      • Utopio sagt:

        Das ist auch in Ordnung denke ich. Der Staat kann das handhaben wie er will. Vom Wissen alleine wird man auch kein Christ. Ich denke dem Christentum tut es gut, wenn es nicht mehr so staatsnah ist. Der christliche Glaube wird mehr und mehr zur Minderheit werden, dafür sich aber auch mehr und mehr auf seine Wurzeln besinnen.

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