Gibt es da mehr?

Wenn wir nur sehen, was unsere Augen wahrnehmen, muss jede Beziehung und insbesondere zwischen den Geschlechtern einen sexuellen Unterton haben. Denn der Körper, den ich berühren kann, ist das einzige wirklich reale.

Damit ist eine tiefere Dimension zwischen zwei Menschen von vorne herein ausgeschlossen. Unser Glaube eine solche erreichen zu können wird zur Selbstlüge. Es kann unmöglich mehr geben. Die Beziehungen werden von einem Geflecht aus Anziehung, Abstoßung, Eifersucht und Lust dominiert. Alle anderen Formen der Kommunikation sind nur Vorspiele, wie das bunte Gefieder des schönen Vogels nur und ausschließlich zur sexuellen Attraktion dient, wenn man den Tierdokumentationen seinen Glauben schenkt.

Alles ist damit auf Äußerlichkeiten hin bewertbar. Vergänglichkeit kriecht in jede Spalte und verstreut ihren verwesenden Geruch, denn die Zeit sexueller Potenz währt nicht ewig und danach kommt nichts als das Warten auf das Ende. Jede Beziehung hat einen Zeiger über sich hängend, der tickend Sekunde auf Sekunde dokumentiert, während die Beziehung ihrem Verfallsdatum entgegengeht. Alles Denken und Empfinden, Träume und Sehnsüchte erhalten einen freudschen Unterton und sind nichts weiter als evolutionär bedingt, auf Sex ausgerichtet oder von Sex ausgehend.

Aber nun stellen wir uns vor, da wäre mehr als unser Körper. Wir sind nicht nur Maschinen sondern in uns wohnt ein Geist, da gibt es einen Gott und eine ganze unsichtbare Welt. Plötzlich verrücken sich die Dimensionen. Das Sexuelle, das zuvor jedes Detail des Lebens dominierte und alle andere Kommunikation zum Vor- oder Nachspiel in den Hintergrund rückte, wird nun auf einen Schlag selbst nur zur Kulisse größerer Ereignisse. Bestand vorher der Kuchen nur aus Körper, wird der Körper nun zum bloßen Sahnehäubchen.

Unsere Existenz erhält plötzlich einen Sinn und ein Ziel, die Gespräche reichen in eine Wirklichkeit hinein, die nicht mehr mit materialistischen Maßstäben alleine zu ergründen ist. Vielschichtigkeiten überlappen unser ganzes Empfinden und Wahrnehmen. Das Materielle verschwindet nicht, aber es steht nicht mehr alleine. Das Gespräch mag den sexuellen Unterton nicht ganz verlieren, aber darüber erstreckt sich eine Welt, die noch intensivere Farben und Empfindungen als nur jene der Erektion beinhaltet. Die Kategorien von Mann und Frau, des Menschen an sich, verwischen sich zu einer oberflächlichen Hülse. Eine Berührung zwischen Frau und Mann (Lk 7,38) offenbart eine Dimension, die kein Materialist – der sie gar nicht anders als sexuell verstehen kann – je erkennt: Geh hin in Frieden.

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Veröffentlicht in Alltag
One comment on “Gibt es da mehr?
  1. Kürzlich habe ich den Prediger gelesen und da ist mir das so ähnlich auch klar geworden. Ohne Perspektive auf Gott und die Ewigkeit ist alles vergänglich und im Prinzip völlig sinnlos. Wirklich Sinn bekommt das Leben erst, wenn es die Ewigkeit mit einbezieht 😊

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